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Internet-Schmiede Freiburg ist das Silicon Schwarzwald

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Computer aus Deutschland, nicht Fernost

Berühmte deutsche Gründer
Andreas von Bechtolsheim Quelle: Presse
Ibrahim Evsan Quelle: dpa
Stephan Uhrenbacher Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Lukasz Gadowski Quelle: Presse
Lars Hinrichs Quelle: Presse
Gerrit Schumann Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Oliver, Marc und Alexander SamwerDie drei Brüder (im Bild: Oliver Samwer) gelten als Bad Boys der Gründerszene. Dabei halten sie sich nur an eine simple Erfolgsregel, die viele Serienunternehmer zu ihrem Motto erklärt haben: Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht. Der Erfolg gibt ihnen Recht. So gründeten sie die deutsche Kopie des US-Auktionshauses Ebay, riefen danach den Klingeltonriesen Jamba ins Leben und hatten auch beim Facebook-Klon StudiVZ ihre Finger mit im Spiel. Quelle: Armin Brosch für WirtschaftsWoche

Weil auch andere auf die Idee kamen, Komponenten in Fernost zu ordern und daraus in Deutschland PCs zu bauen, wurde Pyramid der Preisdruck bald zu groß. Mitte der Neunzigerjahre verlegte sich Hansen daher auf Industriecomputer, also klassische PCs, die in der Fertigung eingesetzt werden. Dazu motzt Pyramid die Rechner mit speziellen Datenschnittstellen zu Maschinen, mit bruchfesten Gehäusen oder speziellen Displays auf. Je nach Art und Auftrag fertigt Pyramid heute Serien solcher Industrierechner zwischen 20 und 1.500 Geräten im Jahr. "Individuell zugeschnittene Geräte, das ist unsere Stärke", sagt Hansen. 2012 machte Pyramid mit gut 100 Mitarbeitern 22 Millionen Euro Umsatz und verkaufte 20.000 Industrie-PCs.

Mit Pyramid lebt Hansen seit mehr als einem Vierteljahrhundert seinen Traum. Der Badener, der aus einem Städtchen in der Nähe von Freiburg stammt, hat als Schüler gerne an Radios und Fernsehern herumgebastelt. Später studierte er Geografie, aber die Leidenschaft für Lötkolben und Schraubenzieher ließ ihn nie los.

Freiburg und Berlin im IT-Vergleich

Hansen weiß, dass er in der PC-Branche als Exot gilt, weil er darauf schwört, Computer in Deutschland und nicht in Fernost zu montieren. "Wir glauben als einer der wenigen daran, dass es sinnvoll ist, in Deutschland Hardware zu bauen", sagt er. "Denn durch unsere eigene Fertigung sind wir schneller beim Kunden." Auch Hansen profitiert von dem kleinen, aber feinen Netzwerk in Südbaden. Wichtige Komponenten wie Schnittstellen, Gehäuseteile oder Displays kommen von Unternehmen aus der näheren oder weiteren Region.

Ideen für neue Computer entwickeln Hansen und seine Leute im Keller des Firmengebäudes, Entwicklungslabor und Herz von Pyramid. Der Raum ist vollgestopft mit Computern und Messgeräten, überall drängen sich Kästen mit Schrauben und anderen Kleinteilen.

Die jüngste Kreation der Kellerkinder können Besucher in der Eingangshalle der Pyramid-Zentrale begutachten. Das ausgestellte Gerät sieht nicht wie ein PC aus, sondern wie ein überdimensioniertes iPhone. "Polytouch" nennt Heller das neue System, ein spezielles Terminal für Online-Bestellungen oder die Abfrage von Kundenkarten im Einzelhandel. Die Anlage verfügt über einen Bildschirm mit einem Durchmesser zwischen 55 und 80 Zentimeter, berührungsempfindlichen Displays und einen Kartenleser an der Seite. Wie alle Pyramid-Geräte arbeitet auch "Polytouch" mit Windows-Betriebssystem und -Browser.

Den Metallrahmen des Terminals fertigt ein Autozulieferer aus dem Südbadischen. "Der ist froh, sich auch mal mit was anderem als Karossen zu befassen", sagt Hansen. Ähnliche Partnerschaften pflegt der 51-Jährige mit diversen Maschinenbauern und Metall verarbeitenden Unternehmen der Region. Für den Handel mit seinen Geräten hat sich Hansen mit dem kleinen Freiburger Softwarehaus Oxid eSales zusammengetan, einem Anbieter von Shopping-Software für Internet-Seiten. "Wenn wir Computer etwa bei Karstadt vorstellen", sagt der Pyramid-Chef, "haben wir so auch gleich eine tolle Software an Bord".

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