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Internettelefonie Die Telekom verpasst den Anschluss

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Bundesliga-Rechte an Sky verloren

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Viele Innovationschefs sind in den zurückliegenden Jahren mit dem gutem Vorsatz bei dem Magenta-Konzern angetreten, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Doch bisher scheiterten alle an dieser Mammutaufgabe, zuletzt warf der Amerikaner Ed Kozel frustriert das Handtuch. "Die Telekom konnte den Behördenmief nie ganz abstreifen", sagt ein ehemaliger Telekom-Vorstand.

Vor allem die Hoffnung, dass die einstmals so agile Tochtergesellschaft T-Online nach der Verschmelzung mit der Konzernmutter im Jahr 2005 das gesamte Unternehmen befruchten und inspirieren könnte, ist wie eine Seifenblase geplatzt. Die letzte Mittelfristplanung sah vor, dass die Internet-Tochter ihre Umsätze bis zum Jahr 2015 von zwei auf acht Milliarden Euro vervierfacht. Die Hälfte des Umsatzwachstums sollen neue Unterhaltungsangebote wie Musik, Videos und Spiele aus dem Internet beisteuern. Doch von dieser Planvorgabe ist die Telekom weiter denn je entfernt. Solche Web-Angebote steuerten 2011 weniger als eine Milliarde Euro zum Umsatz bei.

Konzernchef Obermann, der nach dem vorzeitigen Abgang seines Innovations-chefs Kozel den Posten in Personalunion übernommen hat, startet nun einen neuen Anlauf, damit die Telekom stärker am Marktwachstum partizipiert. In fünf strategischen Wachstumsfeldern – dem mobilen Internet, dem vernetzten Zuhause, den Online-Diensten für Privatkunden, dem Cloud Computing für Geschäftskunden sowie den intelligenten Netzen für bestimmte Branchen wie Auto, Gesundheit und Energie – will er den Umsatz bis 2015 um insgesamt zehn Milliarden Euro steigern.

Ende für "Liga total"

Ein Jahr nach dem Start fällt die Bilanz allerdings dürftig aus. In drei der fünf Wachstumsfelder konnte die Telekom ihren Umsatz nur minimal um jeweils rund 100 Millionen Euro steigern, bei Online-Diensten für Privatkunden gingen die Einnahmen sogar leicht um 1,8 Prozent zurück. Dabei verspricht sich die Telekom ausgerechnet dort die höchsten Zuwachsraten.

Besonders bitter für die Telekom ist, dass sie ab der Saison 2013/14 auch die Live-Übertragungsrechte im Internet für die Fußballbundesliga an den Pay-TV-Sender Sky verliert. "Liga total" sollte eines der Zugpferde für den neuen Glasfaseranschluss werden, mit dem Obermann den Rückstand gegenüber den inzwischen deutlich schnelleren Kabel-TV-Gesellschaften aufholen wollte. Doch das TV-Produkt "Entertain" liegt trotz zuletzt besserer Neukundenakquise weiterhin weit hinter den ursprünglichen Planzahlen zurück. Eigentlich sollten längst weit über zwei Millionen Kunden das neue Pay-TV-Angebot der Telekom nutzen, doch bis Ende März schaffte die Telekom gerade mal den Sprung auf 1,7 Millionen.

IT



Die Zeiten, in denen der Aufsichtsrat den Versprechen der Vorstände allzu gutgläubig vertraut, sind jedenfalls vorbei. Die Kontrolleure beschlossen am 19. Juli 2011, als zusätzliches Aufsichtsorgan erstmals einen Technologie- und Innovationsausschuss bei der Deutschen Telekom einzurichten. Offiziell, so heißt es, soll das Gremium den Vorstand bei der Erschließung neuer Wachstumsfelder "beratend unterstützen".

Doch Insider sehen in der Gründung auch einen ersten Warnschuss. Obermann wird nun öfter zum Rapport antreten müssen und mit Aufsichtsratschef Ulrich Lehner die nächsten Schritte beim längst überfälligen Umbau zu einem starken Internet-Konzern abstimmen.

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