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Internettelefonie Die Telekom verpasst den Anschluss

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Furcht einflößend aus der Ferne

Handy mit SMS Quelle: dpa

Und das könnte erst der Anfang einer noch viel traurigeren Entwicklung sein. Einige Manager vergleichen den Konzern inzwischen mit einem Scheinriesen. Wie der Herr Tur Tur aus dem berühmten Kinderbuch "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" wirkt das Unternehmen riesig und Furcht einflößend, solange man es aus großer Ferne betrachtet. Wer dagegen nah heranrückt und sich die Problemzonen genauer anguckt, spürt sehr schnell, wie klein und gefährdet der ehemalige Monopolist inzwischen geworden ist.

Weltweite Umsätze von Hardware-, Software-, Telekommunikations- und Internet-Anbietern Quelle: Booz&Company, Deutsche Telekom, eigene Schätzung

Insider bei der Telekom sprechen bereits von einer "bedrohlichen Lage". Interne Zahlen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, zeigen, wie stark die Telekom ihre Planvorgaben im vergangenen Geschäftsjahr verfehlt hat. In Deutschland erreichte die Telekom ihre Ziele im Mobilfunk- und Festnetzgeschäft zwar noch halbwegs akzeptabel zu 98 Prozent. Bei der IT- und Großkundensparte T-Systems lag die Quote aber nur bei 91 Prozent. Die Geschäfte in den europäischen Auslandsmärkten landeten noch weiter abgeschlagen bei 85 Prozent.

Lediglich die Konzernzentrale, bei der auch das von Vorstandschef Obermann persönlich gesteuerte US-Geschäft von T-Mobile verbucht wird, konnte ihre Ziele mit 102 Prozent leicht übertreffen – allerdings nur aufgrund der drei Milliarden US-Dollar, die der amerikanische Telekomriese AT&T als Entschädigung für die am Widerstand der US-Behörden gescheiterte Übernahme zahlen musste. Um das US-Problem zu lösen, sucht Obermann weiter nach einem geeigneten Kandidaten.

Einbußen während die Branche wächst

Das Verfehlen solcher Planvorgaben ist umso verwunderlicher, als sich die Deutsche Telekom im stärksten Wachstumsmarkt der Welt bewegt, dem Geschäft rund ums Internet. Web-Giganten wie Apple, Google und Amazon melden im Quartalsturnus Rekordzahlen und stehen ganz oben auf der Liste der wertvollsten Unternehmen. Die Deutsche Telekom jedoch, neben AT&T, Telefónica, Verizon, France Télécom und Vodafone einer der größten Netzbetreiber weltweit, bekommt davon wie ihre Branchenangehörigen fast nichts ab. Auch für das erste Quartal meldete die Telekom am vergangenen Donnerstag wieder Einbußen bei Umsatz und Gewinn.

Die Schwachstellen der Telekom

Der Graben zwischen den Erfolgreichen und Erfolglosen im Web wächst von Monat zu Monat. Mit dem Siegeszug der internetfähigen Smartphones zum Beispiel entstehen zwar viele neue, explosionsartig wachsende Märkte: für Geräte, Apps und Dienstleistungen allerorten. Doch nicht die Telekom mit ihrem riesigen Übertragungsnetz profitiert davon, sondern Konzerne wie Apple und Google, indem jeder von ihnen das bisher hochprofitable Geschäft mit mobiler Telefonie und Kurzmitteilungen (SMS) torpediert. Im Gegenzug schafft die Telekom auf den neuen Feldern nur einen Bruchteil der Marktanteile und Margen, die ihr im angestammten Geschäft mit Anschlussgebühren und Verbindungsentgelten verloren gehen.

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