WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Internettelefonie Die Telekom verpasst den Anschluss

Seite 3/7

Gefahr durch WhatsApp

Ein Mann tippt eine Nachricht in ein Messenger-Programm in sein iPhone. Quelle: dpa

Wenn den Telekomkonzernen keine Gegenstrategie zum Treiben der Web-Giganten einfalle, meint Alexander Dahlke, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants, "dann werden die Umsätze um 20 Prozent und die operativen Gewinne um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 einbrechen". Für die Deutsche Telekom hieße das: Sie wäre dann nur noch ein Schatten ihrer selbst mit einem Jahresumsatz von dann rund 47 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von zwölf Milliarden Euro. Der Börsenwert, der ohnehin schon einen historischen Tiefststand erreicht hat, würde dann um weitere 30 Prozent nach unten stürzen. Statt 8,50 Euro würde die T-Aktie dann nur noch bei 5,95 Euro notieren.

Jan Koum zeigt keine Scheu vor der Höhle des Löwen. Zum ersten Mal betritt der Gründer von Whatsapp am 27. Februar das Auditorium des Mobile World Congress in Barcelona, das mit 60 000 Teilnehmern größte Treffen der Mobilfunker weltweit. Vor einem Jahr wäre niemand auf die Idee gekommen, den damals noch weithin unbekannten Startup-Unternehmer aus dem kalifornischen Silicon Valley einzuladen. Jetzt gehört der 36-Jährige zur Riege der Shootingstars, die der hier versammelten Beletage der Telekombranche Angst und Schrecken einjagen. "Wir verschicken täglich mehr als zwei Milliarden Nachrichten", erzählt der ehemalige Manager des US-Internet-Unternehmens Yahoo. "Das sind 30 000 Mitteilungen pro Sekunde."

Kein Nischenprodukt für Freaks

Wo die Deutsche Telekom stark wachsen will Quelle: Deutsche Telekom

Whatsapp steht an der Spitze einer Armada von App-Anbietern, die das angestammte Geschäft von Mobilfunkbetreibern wie der Deutschen Telekom so massiv wie noch nie gefährden. Startups wie Viber, Pinger, Fring oder Yuilop, aber auch Web-Riesen wie Google, Facebook oder die Microsoft-Tochter Skype bauen das Smartphone zur kostenlosen Kommunikationsplattform um. Frei nach dem Motto "Text and Talk Free" bieten sie zum Herunterladen eine App – etwa für 0,79 Euro – an. Mit ihr können die Nutzer, fatal für die Telekom, in der Regel zum Nulltarif nicht nur chatten und Mitteilungen verschicken, sondern via Internet künftig verstärkt auch Gespräche und Videotelefonate führen.

Bislang tat die Telekom solche Dienste als Nischenprodukt für Technikfreaks ab. Doch die Erfolgsmeldungen von Whatsapp & Co. schrecken selbst hartgesottene Manager der Telekommunikationsbranche auf. Marktführer Whatsapp, der seit Wochen Apples Hitliste der am häufigsten heruntergeladenen Apps anführt, konnte in nur vier Monaten die Zahl der verschickten Textbotschaften verdoppeln.

Gefährlich sind diese Startups für etablierte Konzerne vor allem deshalb, weil sie mit sehr geringem finanziellen Aufwand operieren. "Over-the-top-player" nennen das die Experten. Soll heißen: Die Neulinge brauchen keine eigenen Infrastrukturen, um ihren Kunden solche Dienste anzubieten. Sie nutzen einfach die schnellen Mobilfunknetze oder WiFi-Hotspots mit ihren Smartphones, Tablett-PCs und Netbooks.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%