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Internettelefonie Die Telekom verpasst den Anschluss

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Neuer Anlauf bis 2015

Ein DSL-Anschluss Quelle: AP

Die Vertreter der größten Konkurrenten im Festnetz, die voriges Jahr am 25. Mai zu einem runden Tisch in der Bonner Telekom-Zentrale zusammenkamen, wurden Zeuge einer außergewöhnlichen Präsentation. Immer wieder hatten die Technikchefs in den vergangenen Jahren darüber debattiert, wann denn wohl der ideale Zeitpunkt sei, um die alten Analog- und ISDN-Anschlüsse im Telekom-Festnetz abzuschalten und den gesamten Telefon- und Datenverkehr auf rein internetbasierte Anschlüsse mit Internet-Kennung umzustöpseln. Zum ersten Mal legte die Telekom einen genauen Zeitplan vor, wie die wohl tief greifendste Veränderung in ihrem deutschen Festnetz ablaufen könnte.

Die Charts, die ein Telekom-Manager auflegte, gaben erste Einblicke in einen bis dato streng geheimen Plan. Ab 2013 will der Konzern offenbar einen erneuten Anlauf unternehmen, die alten Anschlüsse schrittweise auf die neue Technik zu übertragen. Drei Jahre lang – bis 2015 – haben dann die Techniker Zeit, einen reibungslosen Wechsel zu organisieren. Beim Vertragswechsel oder bei Neukunden werden dann stärker als bisher ausschließlich DSL-Anschlüsse mit fester Internetverbindung installiert. 2016, also in vier Jahren, folgt dann mit der "Abschlussphase" der harte Schnitt. Die letzten Kunden werden zwangsweise umgestöpselt, damit die Telekom die alten Fernmeldenetze endgültig abschalten kann.

Umbau wäre riskantes Manöver

Seit Jahren schiebt die Telekom den unausweichlichen Umbau vor sich her. Auch für den jetzt bekannt gewordenen Zeitplan gibt es noch keinen Vorstandsbeschluss. "Zum heutigen Zeitpunkt kann keine konkrete Jahreszahl für die Einstellung des ISDN- und Analogangebots genannt werden“, heißt es offiziell bei der Telekom. „Das Angebot wird nach heutigem Stand jedoch mindestens bis zum Ende des Jahres 2016 in Deutschland aufrechterhalten werden."

Die Deutsche Telekom zögert, weil der Umbau eines der riskantesten Manöver der Konzerngeschichte ist. Denn mit dem Technikwechsel droht dem Unternehmen der Verlust ihrer wichtigsten Einnahme- und Gewinnquelle. Denn noch telefoniert der überwiegende Teil der 38 Millionen Haushalte über alte Analog- oder ISDN-Telefone. 90 Prozent der 17,5 Millionen Analog-Anschlüsse und 67 Prozent der elf Millionen ISDN-Anschlüsse in Deutschland sind nach Erhebungen der Bundesnetzagentur auf dem Telekom-Netz geschaltet.

Allein die monatlichen Grundgebühren spülten im vergangenen Geschäftsjahr knapp sechs Milliarden Euro in die Telekom-Kasse. Die Gefahr ist groß, dass viele den bevorstehenden Technikwechsel dazu nutzen, um auf die deutlich preiswerteren Angebote von Konkurrenten wie 1&1 oder Kabel Deutschland umzusteigen.

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