WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Internettelefonie Die Telekom verpasst den Anschluss

Seite 4/7

Smartphone schadet der Telekom

Mitarbeiter von Joyn Quelle: dapd

Der SMS droht damit ein baldiges Ende. Noch im vergangenen Jahr verschickten die Deutschen die Rekordsumme von 55 Milliarden Textbotschaften über ihre Handys. Etwa zehn Prozent des gesamten Umsatzes im deutschen Mobilfunkmarkt in Höhe von 26,3 Milliarden Euro stammen aus dem Versand der maximal 180 Zeichen langen Kurzmitteilungen. Der Rekord wird für alle Zeiten bestehen bleiben. Bis 2014, schätzt der ehemalige Telekom-Manager Jens Gutsche, der inzwischen Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Merseburg lehrt, wird die Zahl der verschickten SMS so stark einbrechen, dass sich der Anteil am Mobilfunkumsatz auf etwa fünf Prozent halbiert. Statt 2,6 Milliarden fließen dann nur noch 1,3 Milliarden Euro in die Kassen der vier deutschen Mobilfunkbetreiber.

Und es kommt noch schlimmer. Denn mit dem Siegeszug der Smartphones werden noch mehr Kunden die Möglichkeit nutzen, auf kostenlose Telefonie- und Mitteilungsdienste umzusteigen. Mit jedem Plus von zehn Prozentpunkten bei der Verbreitung der Smartphones, rechnet Dario Talmesio vom Marktforscher Informa, dürften die Telekomkonzerne in West- und Osteuropa Umsätze in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,2 Milliarden Euro) verlieren.

Konkurrenzprodukt der Telekom zu WhatsApp

Der Telekom geht damit die mit Abstand profitabelste Einnahmequelle verloren. Denn die Übertragung der wenigen Bits einer SMS kostet die Netzbetreiber fast nichts. Die Gebühren, die sie in Rechnung stellen, schlagen so gut wie zu 100 Prozent als operativer Gewinn zu Buche.

Wo altes Kerngeschäft der Telekom in Deutschland wegbricht und in welchen neuen Geschäften das Unternehmen die größten Chancen verspielt Quelle: Bundesnetzagentur, Bitkom, Deutsche Telekom, eigene Recherchen

Noch mehr fürchtet die Deutsche Telekom die komplette Integration solcher bedrohlicher Apps in die Betriebssysteme von Apple, Google und Microsoft. Der US-Softwareriese plant zum Beispiel, auf allen Windows-Phones von Nokia die Internet-Telefonie seiner Tochter Skype ganz vorne auf einer der optisch hervorgehobenen Kacheln zu platzieren. Ein Anruf über Skype baut sich dann noch leichter auf, durch ein oder zwei Berührungen des Displays mit dem Daumen.

Mit Joyn bringen die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica bald ein Konkurrenzprodukt auf den Markt. Doch Experten räumen dem Spätstarter wenig Erfolgschancen ein. Solange sich Apple weigert, die App von Joyn in seinen App-Store aufzunehmen, wird das Produkt ein Nischendasein fristen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%