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Internettelefonie Die Telekom verpasst den Anschluss

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Telekom drängt auf Ablösung der Altnetze

Ein Display mit Apps Quelle: dpa

Noch mehr Abtrünnige könnten es werden, wenn – wie bei solchen Megaprojekten üblich – Technikprobleme auftreten. Denn die Übertragung der Sprach- und Datenpakete über das sogenannte Internet-Protokoll, für das die Abkürzung IP steht, ist längst nicht so ausgereift, wie die Hersteller gerne suggerieren. An den alten Analog- und ISDN-Anschlüssen hängen zum Beispiel nicht nur traditionelle Telefone, sondern auch viele Faxgeräte und Eingabe-Terminals für Kredit- und EC-Karten. "Für Faxsendungen über einen IP-Anschluss gibt es heute noch keine saubere technische Lösung", sagt Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. "Aber das werden wir in bewährter Manier lösen." Bei längeren Faxsendungen mit 20 und mehr Seiten könne es schon mal passieren, dass eine Seite verloren gehe.

Selbst bei der Telefonie müssen die Kunden durch die Umstellung nach heutigem Stand mit Qualitätseinbußen rechnen. So gewann das alte ISDN einen Vergleichstest der Fachzeitschrift "Connect" mit der IP-Telefonie mit großem Vorsprung. Bei allen wichtigen Kriterien wie der Zeit für den Aufbau eines Anrufs, der Sprachqualität und den Verzögerungen bei der Sprachübertragung konnte ISDN die neue Technik schlagen. "Wer in erster Linie schnell, stabil und komfortabel telefonieren will, sollte ISDN noch möglichst lange die Treue halten", lautet das für die Verfechter der IP-Technik beschämende "Connect"-Urteil.

"Die greifen nach den Sternen"

Trotzdem drängt die Telekom auf eine baldige Ablösung der Altnetze, weil sich dadurch Personal- und Betriebskosten in Milliardenhöhe einsparen lassen. "Ein Parallelbetrieb von zwei unterschiedlichen Netzen verursacht doppelte Kosten", sagt Deutschland-Chef van Damme. Auch der Energieverbrauch der alten Analog- und ISDN-Technik sei deutlich höher. "Das Abschalten würde eine riesige Einsparung bringen."

Im April tourte Telekom-Chef Obermann wieder einmal durch das Mekka aller Internet-Startups, das kalifornische Silicon Valley. Vor Ort und aus erster Hand wollte er sich informieren, wie die Firmengründer die Zukunft des mobilen Internets sehen und welche Apps auf den Smartphones von Apple, Google und Microsoft die künftigen Renner sind. Was ihn besonders beeindruckt habe, fragte der konzerneigene TV-Sender nach seiner Rückkehr. "Die Tatkraft und der Siegeswille", antwortete Obermann. "Die greifen nach den Sternen."

Solch einen Spirit sehnt Obermann auch im eigenen Haus herbei. Nur: Bislang sind die meisten Versuche fehlgeschlagen, den Mitarbeitern Unternehmergeist einzuhauchen. Während die Pioniere im Silicon Valley neue Ideen für Apps am Fließband produzieren und schon nach wenigen Tagen zum Teil halb fertig auf den Markt werfen, brauchen Produktentwickler bei der Telekom Wochen, wenn nicht gar Monate, um alle Widerstände im Konzern zu überwinden. Und wenn dann mal eine Idee bis zur Marktreife gebracht wird, dann kann es immer noch passieren, dass sie wieder in der Schublade verschwindet. Ein Controller hat dann vielleicht sein Veto eingelegt, weil die App zu stark das Kerngeschäft kannibalisiert.

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