Intershop Gelingt der Rückbau vom Service- zum Software-Anbieter?

Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat der IT-Anbieter aus Jena den Software-Anteil am Umsatz gesteigert - allerdings bei schrumpfendem Gesamtumsatz und weiter roten Zahlen.

Logo des Software-Anbieters Intershop Quelle: dpa

Intershop – da war doch was? Bei – Entschuldigung – sehr alten Lesern mit einer gewissen Ost-Affinität dürfte jenes Schlagwort vor allem Erinnerungen an die Handelskette in der früheren DDR auslösen, in denen man Westprodukte gegen harte Devisen einkaufen konnte.

Mittelalte und eher börsenorientierte Leser dürften bei Intershop dagegen vor allem an eine der abenteuerlichsten Achterbahnfahrten in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte denken: Die 1994 von dem aus Jena stammenden Stephan Schambach gegründete Intershop Communications waren weltweit einer der ersten Anbieter von E-Commerce-Software – die Namensgleichheit zur DDR-Handelskette war also sogar ganz bewusst gewählt.

Die größten Softwarehersteller der Welt
Platz 10: Salesforce.comCEO Marc R. Benioff schafft es mit Salesforce gerade eben in die Top Ten der umsatzstärksten Softwareunternehmen. Die Firma setzte 2013 3,8 Milliarden Dollar mit Software um. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 33,3 Prozent und macht das Unternehmen zum wachstumsstärksten innerhalb der Top Ten - damit ging es um zwei Plätze nach oben. Salesforce.com bezeichnet sich selbst als Pionier für Cloud Computing im Bereich Geschäftsanwendungen und wirbt damit, dass Unternehmen so die Kosten etwa für Hardware und IT-Management reduzieren können. Salesforce.com wurde 1999 aus der Wiege gehoben und sitzt in München, Düsseldorf und Darmstadt. Datenquelle: Erhebung der Umsatzzahlen von Gartner Quelle: REUTERS
Platz 9: CA TechnologiesEinen Platz abwärts ging es für CA Technologies. Mit 4,2 Milliarden Dollar Umsatz mit Software-Verkäufen 2013 liegt die Wachstumsrate bei -2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Unternehmen bietet IT-Management-Software und -Lösungen an. Rund 14.000 Mitarbeiter sind bei CA angestellt, davon 5300 Entwickler. Gegründet wurde CA 1976 und hat heute 150 Niederlassungen in mehr als 45 Ländern. Neben Unternehmen zählt CA Technologies auch Behörden und Bildungseinrichtungen zu seinen Kunden. Quelle: Gemeinfrei
Platz 8: VMwareMit einer Wachstumsrate von 14,1 Prozent im Vergleich zu 2012 ging es für VMware um einen Rang nach oben. 2013 machte die Firma 4,8 Milliarden Dollar Umsatz mit Software. Im Bild: Der Vorstandsvorsitzende Pat Gelsinger, der 2012 zum Unternehmen stieß. VMware ist ein amerikanisches Unternehmen, das Software im Bereich der Virtualisierung entwickelt. Gegründet wurde es 1998, heute arbeiten rund 13.000 Menschen bei VMware. Die Firma mit Sitz in Palo Alto ist international aktiv. Das bekannteste Produkt ist VMware Workstation, das mehrere parallel laufende Betriebssysteme (Windows, Linux und andere) auf einem Rechner ermöglicht. Quelle: dpa
Platz 7: Hewlett-PackardKonstant auf Rang sieben kann sich HP halten. Mit 4,9 Milliarden Dollar Software-Umsatz sank die Wachstumsrate leicht um -2,7 Prozent. Der 1939 gegründete und weltweit tätige Konzern beschäftigt rund 317.500 Mitarbeiter und sitzt in Palo Alto. Es ist eines der größten US-Technologieunternehmen und war einst das erste seiner Art im Silicon Valley. Die Produktpalette reicht von Softwarelösungen über Server bis zu Notebooks. Quelle: AP
Platz 6: EMCEbenfalls auf dem gleichen Platz wie im Vorjahr bleibt EMC. Das Unternehmen legte eine Wachstumsrate von 4,9 Prozent im Vergleich zu 2012 hin und kam 2013 auf einen Umsatz von 5,6 Milliarden Dollar mit Software-Verkäufen. Der IT-Konzern setzt auf Cloud Computing und unterstützt nach eigenen Angaben andere Firmen dabei, ihre Informationen zu speichern, zu managen, zu schützen und zu analysieren. EMC ist in mehr als 100 Ländern und quer durch alle Branchen aktiv. Weltweit beschäftigt EMC etwa 60.000 Mitarbeiter und hat 400 Vertriebsniederlassungen. Quelle: AP
Platz 5: SymantecStabiler Software-Umsatz auch beim fünftplatzierten Symantec. Wie im Vorjahr machte das US-Unternehmen 6,4 Milliarden Dollar. Im Bild: Symantec-CEO Steve Bennett. Die Firma wurde 1982 gegründet und sitzt in Mountain View in der Nähe des Silicon Valley. Nach eigenen Angaben betreibt Symantec Niederlassungen in 40 Ländern und beschäftigt rund 18.500 Mitarbeiter. Das bekannteste Produkt der Firma ist wohl das Anti-Viren-Programm Norton AntiVirus. Quelle: REUTERS
Platz 4: SAPDas deutsche Unternehmen steht wie 2012 auf Rang vier, verzeichnete aber eine Wachstumsrate von 9,5 Prozent. 18,5 Milliarden Dollar Umsatz machte der Konzern 2013 mit seinen Software-Produkten. 1972 gegründet und mit Sitz in Walldorf beschäftigt SAP heute rund 65.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen macht Software für die Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse (Buchführung, Vertrieb, Lagerhaltung etc.). Quelle: dpa

Mangels Alternativen bauten in den späten Neunzigerjahren beinahe alle hiesigen E-Commerce-Vorreiter wie etwa der Otto-Konzern oder der Kaffee- und Klamotten-Verkäufer Tchibo ihre ersten Einkaufsläden im Internet mithilfe der Intershop-Software. 1998 folgte der Börsengang im damaligen Startup-Wachstumssegment Neuer Markt. In den gut zweieinhalb Jahren bis zum Platzen der ersten Dotcom-Blase galt Intershop als eines der Vorzeigeunternehmen. In der Spitze war das Unternehmen, das im Jahr 2000 einen Umsatz von 123 Millionen Euro erzielte, satte elf Milliarden Euro wert.

Zur Jahreswende 2001 platzte der Traum vom ewigen Intershop-Wachstum – seinerzeit brach die Aktie wegen einer Gewinnwarnung an nur einem Tag um mehr als zwei Drittel ein. Inzwischen rangiert die Aktie um 99,9 Prozent unter ihrem Allzeithoch: Heute bewerten die Börsianer den Anbieter aus Jena gerade mal mit einem Marktwert von gut 37 Millionen Euro.

Grund: Eine ähnliche Achterbahnfahrt wie an der Börse hat Intershop in den vergangenen fünfzehn Jahren bei der Geschäftsstrategie hingelegt. Mal wollte sich der Anbieter mehr auf IT-Dienstleistungen verlegen und Unternehmen beim Bau ihrer Internet-Shops unterstützen. Aus diesem Grund vernachlässigten die Jenaer lange die Weiterentwicklung der eigenen E-Commerce-Software.

Top 10 der Softwareunternehmen nach Umsatz 2013

Mittlerweile soll bei Intershop der Fokus aber wieder stärker auf dem Produktgeschäft liegen – das jedenfalls betonte das Unternehmen bei der heutigen Vorlage seiner Zahlen für das erste Halbjahr 2015: Zwar fiel in den ersten sechs Monaten der Umsatz um zwölf Prozent auf nunmehr 21 Millionen Euro. Bei den Software-Lizenzen – ein wichtiger Indikator bei Software-Firmen, die eigene Produkte verkaufen – wuchs der Umsatz dagegen laut Intershop „kräftig“, und zwar um 43 Prozent auf 3,4 Millionen Euro. Inklusive von Wartungsumsätzen erhöhte sich der Anteil des Produktgeschäfts am Gesamtumsatz von 26 auf 35 Prozent.

Ach ja, profitabel ist das Unternehmen weiterhin nicht – wie so oft in seiner nunmehr zwei Dekaden langen Geschichte. Immerhin gelang es Intershop, die Verluste von -4,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nunmehr -0,5 Millionen Euro zu reduzieren.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

„Die Entwicklungen im ersten Halbjahr machen Mut und bestärken uns darin, den Umbau von Intershop vom Serviceunternehmen zu einem ganzheitlichen Omni-Commerce-Lösungsanbieter weiter voranzutreiben“, lässt sich Intershop-Chef Jochen Moll in dem Geschäftsbericht zitieren.

Bleibt bloß die Frage, wie lange der Markt dem Unternehmen überhaupt noch Zeit für jenen Umbau einräumt – denn der Markt für E- und Mobile-Commerce-Lösungen ist stark umkämpft.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%