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IT-Branche Oracle-Chef Larry Ellison tritt zurück

Überraschender Rücktritt: Der CEO des US-Software-Konzerns Oracle, Larry Ellison, gibt sein Amt ab. Der Gründer des SAP-Rivalen wird künftig andere Aufgaben wahrnehmen. Die Gründe für diesen Schritt sind vielfältig.

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Ein überraschender Rücktritt: Larry Ellison gibt sein Amt ab. Quelle: AP

Der SAP -Rivale Oracle tauscht überraschend seinen Chef aus. Wie der Softwarekonzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss bekanntgab, übernimmt der bisherige CEO Larry Ellison die Stelle als Technischer Geschäftsführer (CTO) und Executive Chairman. An seine Stelle treten als Doppelspitze Safra Catz und Mark Hurd. „Wir drei arbeiten seit mehreren Jahren gut zusammen“, erklärte Ellison. Dies solle „auf absehbare Zeit“ so bleiben.

Den Hintergrund für den Führungswechsel gab es am Donnerstag gleich mit. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz mit Software und Cloud-Diensten um magere sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit Servern fiel weiter mit Minus acht Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Seit 2011 ist der frühere Wachstumswert Oracle nie über ein konsolidiertes Plus von vier Prozent in einem Quartal hinausgekommen. Auch jetzt waren es nur drei Prozent.

Der Gewinn fiel auf 2,18 Milliarden Dollar nach 2,19 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Ohne Sonderposten betrug er 62 US-Cent je Aktie, während die Experten 64 Cent erwartet hatten. Der US-Konzern kündigte weiter eine Ausweitung des Aktienrückkauf-Programms um bis zu 13 Milliarden Dollar an.

Die Oracle-Aktie verlor im nachbörslichen Handel 2,4 Prozent. Um den Aktienkurs zu stützen, griff der scheidende CEO noch einmal in die Trickkiste der Wall Street. Es wird ein Aktienrückkaufprogramm über 13 Milliarden Dollar installiert. Es soll die Kurse stabilisieren und helfen die Ergebnisse zu schönen. Der von Analysten viel beachtete Gewinn pro Aktie wird immer positiv beeinflusst, wenn es weniger Aktien im Markt gibt. Auch, wenn die Gewinne nicht steigen.

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Experten zeigten sich von Ellisons Rücktritt von der Firmenspitze überrascht. Zwar habe es entsprechende Spekulationen gegeben, sagte Daniel Ives von FBR Capital Markets. Der Zeitpunkt löse jedoch Verwunderung aus. „Die Wall Street wird viele Fragen haben.“

Bill Kreher von Edward Jones sagte, es sei grundsätzlich "nicht ideal", mit einer Doppelspitze zu arbeiten. So seien die 52-jährige Catz und der 57-jährige Hurd sehr unabhängige Denker mit einem starken Willen.

Ellison ist der letzte seiner Art, ein IT-Dinosaurier aus der Zeit vor dem Internet – ähnlich wie Steve Jobs, Bill Gates, Steve Wozniak oder Intel-Mitgründer Andy Grove. Sie alle sind heute abgetreten oder verstorben. Das Silicon Valley von heute gehört Facebooks Mark Zuckerberg, Googles Larry Page, Amazons Jeff Bezos oder Marc Benioff von Salesforce.com. Benioff war einst einer der höchstgehandelten Nachfolger von Ellison bei Oracle, bis er in das Cloud-Business einstieg, das Ellison bis zum Schluss nie richtig gemocht und verstanden hat.

1977, zwei Jahre nachdem Bill Gates Microsoft ins Leben gerufen hatte, gründete Ellison Oracle. Aus den Anfängen eines Datenbank-Spezialisten entstand eines der mächtigsten Softwareunternehmen der Welt. Oracle kaufte die Konkurrenten reihenweise auf, überholte SAP mühelos und kämpfte mit Microsoft und IBM um die Geschäftskunden.

Ellisons Nachfolger sind der Wall Street bekannt

Doch zuletzt begann der Stern des am 17. August 1944 in New York geborenen Ellison zu sinken. Die monolithischen IT-Installationen für hunderte Millionen Dollar, wie Oracle sie installiert, werden immer stärker von Internet-basierten Lösungen wie Salesforce.com, Box.net oder Amazons Cloud-Computing angegriffen.

Doch Ellison, der in einer legendären Rede noch im Jahr 2008 die Cloud als Unfug abtat, den er einfach nicht nachvollziehen konnte, kümmerte sich immer weniger um das Geschäft. Ein Kulminationspunkt war 2013, als während der Hausmesse Openworld auch die Segelregatta Americas Cup in San Francisco ausgetragen wurde. Als tausende Partner, Softwareentwickler und Kunden im Moscone Center auf Ellison warteten, um seine Visionen eines Oracle der Zukunft zu hören, zog der es vor, sein Segelteam anzufeuern. Er schicke einen Ersatzredner.

Es war nur der letzte Fauxpass, der Aktionärsaktivisten immer lauter die Frage stellen ließ, ob Ellison wirklich 78 Millionen Dollar Gehalt im Jahr wert sei. Jetzt zieht er die Konsequenzen. Ellison wird Executive Chairman und darf zusätzlich den Titel des Chief Technologie Officers führen.

Seine Nachfolger als CEO sind der Wall Street wohlbekannt. Safra Catz ist langjährige Finanzchefin und Busenfreund Mark Hurd fand bei Oracle Asyl, nachdem Affären ihn seinen Job als CEO bei HP gekostet hatten. Ellison bezeichnete die Entscheidung damals als „genauso dämlich“ wie seinerzeit den Rauswurf von Steve Jobs bei Apple.

Doch unter ihrer Führung und Oberaufsicht durch Ellison fand Oracle bislang auch nicht den Anschluss an die Internetwelt. Warum sollte es jetzt besser werden, fragen sich Analysten, die gerne einen harten Schnitt wie bei Microsoft gesehen hätten. Hier übernahm Satya Nadella von Steve Ballmer, der, anders als Ellison, sich sogar aus dem Aufsichtsgremium zurückzieht. Außerdem sind Hurd und Catz beide als sehr starke Egos im Valley bekannt, die sich nicht gerne reinreden lassen.

Wie sich nun ihre gleichberechtigte Zusammenarbeit anlässt, wird mit Spannung erwartet. Ellison jedenfalls betont sowohl Kontinuität als auch seine andauernde Oberaufsicht: „Wir drei haben seit Jahren gut zusammengearbeitet und haben vor, das auch in Zukunft zu machen“, stellt er in einer Mitteilung fest. Er selbst wird weiterhin als CTO die technologische Weiterentwicklung vorantreiben.

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