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IT in Deutschland „Entwickler sind kein Beiwerk“

Software-Entwickler: Ein Wettkampf um Talente Quelle: Stack Overflow

Entwickler werden immer wichtiger für die Innovationskraft von Unternehmen. Doch es gibt zu wenige in Deutschland. Stefan Schwarzgruber, Country Manager bei Stack Overflow, der größten deutschen Entwicklerplattform, erklärt, was Talenten wichtig ist.

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WirtschaftsWoche: Ist Deutschland ein guter Arbeitsort für Softwareentwickler?
Stefan Schwarzgruber: Deutschland ist ein hochtechnologisierter Standort. Besonders in den Bereichen KI, autonomes Fahren und Robotik ist Deutschland gut aufgestellt. Auf unserer Plattform liegt Deutschland auf Platz vier bei den Zugriffszahlen. Stärker vertreten sind die USA, Indien und Großbritannien.

Warum gibt es nicht noch mehr Entwickler in Deutschland?
Weil die Unternehmen noch zu lokal denken, statt sich dem globalen Wettkampf um die Talente zu stellen.

Was machen Unternehmen falsch, die kaum Entwickler bekommen?
Wenn Unternehmen Softwareentwickler als Beiwerk sehen, haben die Unternehmen Schwierigkeiten. Softwareentwickler sollten als strategischer Wert angesehen werden und ihre Meinung muss gehört werden. Den Standard setzen oft die jüngeren Unternehmen. AboutYou, MyTaxi und Zalando richten die komplette Firmenstrategie nach dem IT-Recruiting aus.

Wie geht das?
Diese Firmen vermarkten ihren Arbeitsplatz als gute IT-Arbeitgeber und nicht bloß als Online-Shop oder Taxi-Vermittler.
Schätzen ältere Unternehmen die Bedürfnisse von Softwareentwicklern falsch ein?

Entweder das oder sie gehen auf die Bedürfnisse gar nicht ein und behandeln Entwickler wie jeden anderen Arbeitnehmer auch. Aber wer von guten Softwareentwicklern noch ein Motivationsschreiben erwartet und ihnen feste Arbeitszeiten und einen festgenagelten Schreibtisch zuweist, wird leer ausgehen.

Was wollen die Entwickler denn stattdessen?
Freiheit.

Wie können Unternehmen ihnen diese Freiheit geben?
Softwareentwickler müssen die technologischen Veränderungen und Möglichkeiten kennen. Deshalb brauchen sie fachliche Weiterbildungen und den Austausch zu anderen Programmierteams. Außerdem brauchen sie den Freiraum, sich auszuprobieren und neue Ideen zu entwickeln und müssen dafür ein entsprechendes Weiterbildungsbudget und Ressourcen und zeitliche Freiräume als Teil der Arbeitszeit bekommen. 

Das klingt teuer und nicht nach einer Erfolgsgarantie.
Das ist eine typisch deutsche Denkweise. Die USA gelten deshalb als so viel innovativer, weil Scheitern dort in Ordnung und ein wichtiger Teil von Innovationen ist.

Das muss man sich aber auch erst einmal leisten können.
Innovationsentwicklung ist teuer. Aber wer diese Dinge nicht ermöglicht, hat keine Chance, richtig gute Software zu entwickeln, die am Ende des Tages den Arbeitgeber zu neuen Umsatzzielen pushen kann.

Bewerben Entwickler sich aktiv?
Damit sie das tun, muss das Unternehmen sich im Vorhinein ein enorm gutes Image unter Entwicklern aufgebaut haben. In der Regel bewerben Entwickler sich nicht aktiv, sind aber offen für neue Herausforderungen. Eine unserer Nutzerumfragen hat ergeben, dass 58 Prozent der Entwickler nicht aktiv auf der Suche, aber offen für neue Herausforderungen sind.

Angenommen, ein Unternehmen bietet genau solche Herausforderungen. Wie kann es die Entwickler erreichen?
Arbeitgeber sollten nicht nur online, sondern auch auf Offline-Veranstaltungen wie Hackathons und Meetups präsent sein. Eine Stack Overflow-Umfrage hat ergeben, dass 13 Prozent der Hackathon-Besucher dorthin gehen, um einen neuen Job zu finden. Und Unternehmen sollten Mitarbeiterempfehlungen nutzen! Alle Unternehmen sollten Geld für gute Empfehlungen zahlen, um von dem Bekanntenkreis der eigenen Belegschaft zu profitieren.

Wie gelingt es, den Entwickler dann auch tatsächlich zu rekrutieren?
Entwickler sind neugierig, haben Lust auf spannende Aufgaben und freuen sich über möglichst viel Freiraum im Job. Bietet ein Unternehmen dies, sollte der Personaler einen potenziellen Kandidaten aktiv ansprechen und ihm davon erzählen. Damit das gelingt, sollte der Personaler vorher viel Zeit mit den bereits angestellten Entwicklern verbracht haben und ihren Job verstanden haben.  

Was entgegnen Sie Mittelständlern, die es sich auf ihrem Sessel des Erfolgs zu bequem gemacht haben?
Wenn die Software vernachlässigt wird, kann das gesamte Geschäftsfeld von der Konkurrenz mit der besseren Software übernommen werden. Es kommt einfach niemand mehr darum herum, in Entwicklung zu investieren.

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