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IT-Konzern Die Wachstums-Probleme der Software AG

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Ein Schritt in die richtige Richtung

In den ersten Jahren geht Streibichs Strategie auf: Seit er Ende 2003 das Ruder bei den Darmstädtern übernimmt, katapultiert er den Umsatz von 420 Millionen auf mehr als eine Milliarde Euro. Nach Schätzung des Hamburger Bankhauses M.M. Warburg ist die Software AG heute mit einem Weltmarktanteil von jeweils rund zehn Prozent einer der größten Anbieter weltweit auf dem Gebiet der Prozessoptimierung und der Systemintegration.

Umsatzentwicklung nach Geschäftssparten. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Doch Mitte Juli 2014 muss Streibich seine Wachstumspläne für das Geschäft kassieren. Seine Begründung: Mehrere Kunden hätten den Abschluss einiger größerer Verträge verschoben oder gestrichen. Allein am Tag der Verkündung fällt die Aktie um 20 Prozent – ein Rückschlag, von dem sich das Papier bis heute nicht erholt hat.

Für den Rückschlag gibt es mehrere Gründe: Zum einen gehen Unternehmen mit Softwareprodukten heute anders um. Statt wie früher Pakete im großen Stil für eine hohe Summe vorab zu kaufen, wollen viele Nutzer die Software lieber für kleinere Beträge im Monat mieten. Möglich macht dies in vielen Bereichen die Softwarebereitstellung übers Internet, in der Cloud.

Zwar wird Streibich nicht müde zu betonen, dass seine Produkte dennoch meist gekauft werden: „Auf der IT-Seite differenzieren sich die Unternehmen mithilfe der Integrationssoftware. Die wollen die Kunden besitzen“, so Streibich. Allerdings räumen Insider ein, dass der Drang der Kunden in die Cloud auch bei der Software AG das Geschäft bremst: „Alle reden über die Cloud, das verzögert Umsätze bei uns“, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Aktien-Info Software AG. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Zudem hatte die Software AG offenbar mit Problemen im Vertrieb zu kämpfen. „Das Unternehmen hat sich in erster Linie auf sehr große Vertragsabschlüsse fokussiert“, sagt Baader-Bank-Analyst Woller. „Und es hat zugleich versäumt, einen breiten Unterbau von mittelgroßen Deals aufzubauen.“ Auch dies bestätigen Insider: „Es ist sehr schwierig, die richtigen Vertriebsleute zu bekommen, die die Komplexität unserer Produkte verstehen und diese den Kunden näherbringen können“, verlautet es aus Aufsichtsratskreisen.

Aufsichtsrat im Griff

Dieses Problem ist Streibich bereits angegangen: Anfang Oktober 2014 hat er den ehemaligen SAP-Manager Eric Duffaut als weltweiten Vertriebschef angeheuert. „Damit folgt die Software AG beim Vertrieb jetzt dem Beispiel der SAP, weg vom Schwerpunkt auf einzelne Produkte hin zum Verkauf kompletter Lösungen – das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, lobt LBBW-Analyst Maier.

IT



Manche Brancheninsider sehen auch ein Problem beim Konzernchef selbst, der seit zwölf Jahren an der Spitze steht. „Streibich hatte große Verdienste beim Umbau des Unternehmens bis 2011“, sagt ein guter Kenner des Unternehmens. „Dann ist es ihm aber nicht wirklich gelungen, mit den neuen Produkten auf dauerhaftes Wachstum umzuschalten.“ Dass der Stuhl von Streibich wackelt, glaubt der Insider dennoch nicht: „Er hat seinen Aufsichtsrat im Griff – und mit Gründer Peter Schnell einen großen Verbündeten.“ Schnell ist Chef der Software AG Stiftung, die als Ankerinvestor 30 Prozent der Aktien hält, ein wichtiger Schutz vor feindlichen Übernahmen.

Eine größere Akquisition würde helfen, das Wachstumsproblem zu beheben. Laut Aufsichtsratskreisen steht das bei der Software AG aktuell ganz oben auf der Agenda: „Das Unternehmen hält ständig Ausschau – und muss bei geeigneten Kandidaten, insbesondere im Cloud Computing, auch zugreifen.“ Bei der Frage nach Kandidaten geben sich Bankanalysten zugeknöpft. Bezahlbare Übernahmeziele wären aber wohl vor allem unter den nicht börsennotierten Cloud-Anbietern in den USA zu finden.

Offenbar will auch Streibich in diese Richtung marschieren: „Akquisitionen bleiben auf unserer Agenda, auch größere“, hat der Konzernchef bei der Vorlage der Jahreszahlen durchblicken lassen. Es gilt also: Mach’s noch einmal, Karl-Heinz!

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