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IT-Riese in der Krise Hewlett-Packard schwächelt weiter

Nach drei Jahren an der Spitze von Hewlett-Packard nährt Meg Whitman die Hoffnung auf den Turnaround. Es geht zwar aufwärts, doch für Jubel ist es noch zu früh.

Wieder bereit zu Übernahmen: HP-Chefin Whitman pflegt die Wurzeln des Konzerns. Quelle: REUTERS

Gepflegter, sattgrüner Rasen, alte Eichen, majestätische Mammutbäume, Sonnenschein – das Hauptquartier des Technologiekonzerns Hewlett-Packard (HP) im kalifornischen Palo Alto strahlt Ruhe und Beständigkeit aus.

Doch das Bild trügt. Passender wäre ein umgepflügter Acker, aus dem die Saat wieder zart sprießt. Aber unklar ist noch, ob es eine gute Ernte geben wird. In den vergangenen neun Jahren hat HP gleich drei Vorstandschefs verschlissen. Statt Wachstum sind bei der ältesten Ikone des High-Tech-Tals Entlassungen zur Tradition geworden. In solch einem Zustand befindet sich das mit 112 Milliarden Dollar zweitumsatzstärkste IT-Unternehmen hinter Apple, wenn die zur Saniererin auserkorene Chefin Meg Whitman am 22. September ihren dritten Jahrestag an der Konzernspitze feiert – und erstmals eine hoffnungsvolle Zwischenbilanz wird ziehen können.

Der Kater ist vorbei

Vor 75 Jahren als „Wiege des Silicon Valley“ gegründet, steht die Existenz von HP heute nicht mehr infrage. Whitman ist es gelungen, alle Diskussionen über die Zerschlagung des Drucker- und PC-Herstellers zu beenden. Stattdessen kann die Ex-Chefin des Online-Handelsriesen Ebay im Zuge ihres Fünfjahresplans bis 2016 zarte Erfolge vorweisen.

Die Herrscherinnen des Silicon Valley
Marissa MayerMarissa Mayer ist ein Google-Urgestein, beim Suchmaschinenkonzern war sie Mitarbeiterin Nummer 20. Zuletzt arbeitete die Google-Vorzeigefrau als Produktchefin. Mit dem Wechsel an die Spitze von Yahoo steigt die Ex-Freundin von Google-Gründer Larry Page endgültig in die Spitze der US-IT-Managerinnen vor. Denn eine ganze Reihe von Spitzenpositionen bekleiden Frauen… Quelle: REUTERS
Margaret WhitmanMeg Whitman ist so etwas wie die Grande Dame des Silicon Valley. Ihren Ruhm und Reichtum begründete Whitman, die eigentlich Ärztin werden wollte, mit Ebay. Sie machte aus dem Startup mit gerade mal 30 Mitarbeitern ein global operierendes Online-Auktions- und dann ein Handelshaus mit 15.000 Angestellten und 8,5 Milliarden Dollar Umsatz. Über zehn Jahre lenkte sie Ebay und trat im März 2008 etwas amtsmüde als Vorstandschefin zurück. Die langjährige Chefin des Internet-Handelskonzerns Ebay löste Ende September 2011 überraschend den glücklosen Vorgänger Léo Apotheker an der Spitze des weltgrößten IT-Konzerns ab. Quelle: dapd
Virginia RomettyDie seit 30 Jahren in den Diensten von IBM stehende Managerin hat Anfang Januar 2012 das Steuer vom langjährigen IBM-Boss Sam Palmisano (links) übernommen. Die Informatikerin und Ingenieurin, die 1981 bei IBM anheuerte muss den von Plamisano verkündeten "Strategieplan 2015" fortsetzen. Quelle: Reuters
Sheryl SandbergChefin ist sie zwar (noch) nicht, doch kaum eine Frau im Valley ist so mächtig, wie Sheryl Sandberg. Die frühere Google-Managerin war 2008 zu Facebook gekommen und hat Zuckerberg seitdem in geschäftlichen Dingen den Rücken freigehalten, so dass er sich ganz auf die Weiterentwicklung des Netzwerks konzentrieren konnte. Sandberg sorgt in ihrer Rolle dafür, dass das Geld hereinkommt, kümmert sich um die Außendarstellung, um die Personalführung und vieles andere. Auch beim Börsengang fiel Sandberg als Architektin des geschäftlichen Erfolgs eine wichtige Rolle zu: Sie versuchte zusammen mit Zuckerberg, Investoren zum Kauf von Aktien zu bewegen. Die Nummer zwei bei Facebook hat im Juni ihre Macht im Sozialen Netzwerk ausgebaut. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg ist nun auch in den wichtigen Verwaltungsrat eingezogen. Dies ist das höchste Firmengremium - und das war bislang rein männlich besetzt. Quelle: REUTERS
Carol BartzDoch einige Frauen sind auch schon wieder gescheitert. Zwischen 2009 und 2011 sollte Carol Bartz den Umschwung bei Yahoo schaffen. „Diese Leute haben mich verarscht“, schimpfte Carol Bartz, als sie ihren Posten als Yahoo-Chefin wieder verlor. Als Verwaltungsratschef Roy Bostock ihr am Telefon das von Anwälten formulierte Kündigungsschreiben diktierte schleuderte sie ihm entgegen: „Warum hast Du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?“ Im Januar 2009 war die langjährige Chefin des Softwarehauses Autodesk zu Yahoo geholt worden, um endlich wieder Schwung in die Internet-Ikone zu bringen. Bartz fand ein zerrüttetes Unternehmen vor, ohne klare Management-Zuständigkeiten, Intrigen und kleinen Königtümern. Sie brachte wieder klare Strukturen ins Unternehmen, stellte verlustträchtige Projekte ein und kürzte die Kosten. Eine umstrittene Suchmaschinen-Allianz mit Microsoft sparte zwar Kosten. Doch damit gab Yahoo eigene Expertise ab Quelle: REUTERS
Carly FiorinaFiorina war lange Chefin von Hewlett-Packard, sie leitete HP von 1999 bis 2005 und war dort unter anderem für die Fusion mit Compaq verantwortlich. 2010 kandidierte sie als Senatorin für Kalifornien, verlor aber die Wahl gegen die Demokratin Barbara Boxer. Quelle: AP

Nach dem Abbau von 34.000 Stellen, bis zu 16.000 weitere sollen folgen, legt der Umsatz erstmals seit elf Quartalen wieder zu. Von Mai bis Ende Juli stiegen die Einnahmen gegenüber Vorjahr um 1,3 Prozent auf 27,6 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs ist seit dem Tiefpunkt im November 2012 auf das Dreifache gestiegen. Finanziell steht das Unternehmen wieder so gut da, dass schon über Zukäufe spekuliert wird.

Technologie-Analyst Brian Alexander etwa von der Investmentbank Raymond James in St. Petersburg, Florida tippt, dass HP bald drei bis fünf Milliarden Dollar für Firmenübernahmen in den Wachstumsmärkten Big Data und IT-Sicherheit lockermachen wird. Als Kandidaten gelten der Silicon-Valley-Analysespezialist Sumo Logic und die börsennotierte US-IT-Sicherheitsfirma FireEye.

Umsatzwachstum in Prozent. (zum Vergrößern bitte anklicken)

„Der Autonomy-Kater ist vorbei“, sagt Analyst Alexander und meint das Desaster nach der Übernahme des britische Datenanalyseunternehmens Autonomy. Das hatte Whitmans Vorgänger, Ex-SAP-Chef Leó Apotheker, im August 2011 völlig überteuert für elf Milliarden Dollar erworben, wodurch wenig später 8,8 Milliarden Dollar Abschreibungen fällig wurden. „Gemessen am Zustand von HP vor drei Jahren, macht Meg Whitman einen sehr guten Job“, meint der HP-Kenner und Berater Patrick Moorhead.

Profite mit Bewährtem

Doch Ironie der Geschichte, den Silberstreifen am Horizont verdankt Whitman ausgerechnet der Ursparte, deretwegen HP eigentlich in Turbulenzen geraten war – den Personalcomputern. Den mit zwölf Prozent größten Zuwachs zum Umsatz steuerten im jüngsten Quartal die Desktop-Rechner sowie die Notebooks bei, die sich besonders gut verkauften. Und das, obwohl die PCs wegen der Preisattacken von Wettbewerbern wie Lenovo und Acer sowie der Smartphone- und Tablet-Produzenten eigentlich als Problemsparte gelten.

Dabei profitiert Whitman von mehreren Entwicklungen. Erstens scheint die Euphorie vieler Kunden über Tablets, sie könnten die Notebooks ersetzen, zu verfliegen. Zweitens unterstützt Microsoft seit April das bewährte, aber angejahrte Betriebssystem Windows XP nicht mehr; so mussten vor allem Geschäftskunden neue PCs kaufen. Drittens naht im Januar das Ende des Microsoft-Betriebssystems Windows 7, was die Nachfrage nach neuen PCs befruchten könnte. Auch der Absatz von Computerservern läuft besser als erwartet.

Anteil der Sparte am Umsatz/ Gesamtgewinn. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Erstaunlich ist auch, dass das angestammte Geschäft mit Druckern weiterhin überdurchschnittlich zum Gewinn beiträgt. Zwar ist der Verkauf von Tintenpatronen und Tonern nicht mehr so lukrativ wie früher. Aber wegen der vielen HP-Drucker in Unternehmen und Haushalten steuert er noch immer gut ein Drittel des Profits bei und hält den Konzern über Wasser.

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