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IT-Sicherheit "Router-Hersteller sparen auf Kosten der Kunden"

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"Sicherheitslücken sind der Ignoranz vieler Hersteller geschuldet"

Zurück zur von Ihnen erwähnten Studie. Wie viele der Hersteller, bei denen Sie Sicherheitslücken fanden, haben denn überhaupt reagiert?
Wir haben die Schwachstellen gemeinsam mit einer US-Behörde den Herstellern gemeldet. Von denen, die verständigt worden sind, hat der US-Behörde nur ein Bruchteil geantwortet. Von denen, die geantwortet haben, hat wiederum nur ein Bruchteil die Sicherheitslücke über einen Patch behoben. Die Patchs sind wiederum nur in kleiner Zahl auf den ungesicherten Geräten eingespielt worden – aber das liegt nicht in der Verantwortung des Herstellers, sondern des Nutzers.

Der ist in technischen Dingen zumeist ziemlich unbewandert.
Das stimmt, aber das größere Problem ist ein anderes. Für den Endkunden ist es völlig intransparent, ob er ein sicheres oder unsicheres Gerät kauft. Aktuell fehlt ein Marktmechanismus, der den Käufer erkennen lässt, dass er mehr zahlt, um etwa einen sichereren Router zu bekommen.

Wie könnte ein solcher Mechanismus aussehen?
Die EU prüft eine Art Ranking analog zu den Energieeffizienzklassen – Geräte mit Wertung A haben einen sehr niedrigen Verbrauch, die mit F einen sehr hohen. So etwas ließe sich auch für die Sicherheit von Geräten, die mit dem Internet verbunden werden, ebenfalls einführen.

Angriffsziele von aufsehenerregenden Cyberangriffen

Immer wieder werden Sicherheitslücken erkannt, aber nicht geschlossen. Offene Fernwartungskanäle – die zum Telekom-Hack führten – wurden als Sicherheitslücke ja das erste Mal vor bald zwei Jahren bekannt. Für Angreifer ist das leichte Beute.
Von Herstellerseite heißt es dann meist, das Schließen der entsprechenden Sicherheitslücke wäre wahnsinnig kompliziert. Das ist eine Ausrede. Nicht alle Geräte mit demselben Standardpasswort bei der Auslieferung auszustatten, ist eine Aufgabe, die schon tausendfach gelöst worden ist. Gleiches gilt für offene Fernwartungskanäle. Das wird alles bereits angewandt und müsste lediglich von Herstellerseite implementiert werden. Dass das nicht geschieht, ist der Ignoranz vieler Hersteller geschuldet und hat vor allem ökonomische Gründe. Sie geben ganz bewusst das Risiko an den Kunden und die Telekom-Anbieter weiter und sparen auf ihre Kosten. Die Hersteller machen einfach ihre Hausaufgaben nicht und tun dann so, als wären es Superhacker, die ihre Systeme knacken. Hätte der Hersteller eine Firma wie uns oder einen Mitbewerber beauftragt, um das Produkt zu testen, bevor er es verkauft, würden wir diese Fehler identifizieren und beheben. Im Rahmen der Produktentwicklung sind viele Hersteller aber nicht bereit dazu.

Nach dem Telekom-Angriff diskutieren deutsche Politiker, ob der Anbieter für etwaige Sicherheitslücken haften soll.
Der Gesetzgeber erwägt solche Regelungen, weil der einzelne Konsument sich nicht wehren kann. In den USA gab es dieses Jahr einen ähnlichen Fall mit der Firma Asus, die ebenfalls Router produziert. Auch die hatten schwere Sicherheitslücken, die Asus nicht geschlossen hatte. Die Federal Trade Commisson (FTC) stellte die Firma vor die Wahl: Jedem betroffenen Kunden einen hohe Schadensersatzsumme zahlen oder sich über 20 Jahre verpflichten, jedes Jahr nachzuweisen, dass die Probleme behoben sind und Asus seine Produkte jährlich entsprechenden Sicherheitstests unterzieht. Asus wählte letzteres, um den amerikanischen Markt nicht zu verlieren. Das ist der erste Fall, wo solche Sicherheitslücken angemessen sanktioniert worden sind.

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