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IT-Sicherheit Vodafone startet E-Mail-Verschlüsselung

Nach GMX, Web.de und der Deutschen Telekom kündigt auch Vodafone eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die elektronische Post an. Der neue Secure-E-Mail-Dienst ist ab sofort verfügbar - und als kostenfreie Basisversion auch für Nicht-Kunden nutzbar.

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Vermittlungsrechner im Internet Quelle: dpa

Dass der E-Mail-Verkehr im Internet kaum besser gegen Mitlesen durch Dritte geschützt ist, als gewöhnliche Postkarten, hat sich mittlerweile – speziell nach den Enthüllungen des Ex-US-Geheimdienstlers Edward Snowden – bei vielen Deutschen herumgesprochen. Trotzdem liegt der Anteil verschlüsselt verschickter E-Mails seit Jahren im einstelligen Prozentbereich.

Lange lag das an fehlenden, leicht bedienbaren Angeboten für die Sicherung der privaten oder beruflichen elektronischen Post. Nun aber kommt erkennbar Bewegung in den Markt nach mehreren kleineren Anbietern wie Mailbox.org, Tutanota oder ProtonMail, nehmen sich nun auch die großen Kommunikationskonzerne des Themas Verschlüsselung an. Seit Ende August ermöglichen die zu United Internet gehörenden Portale GMX und Web.de den Versand von Krypto-E-Mails.

Mitte November kündigte die Deutsche Telekom auf dem IT-Gipfels in Berlin an, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie ab kommendem Jahr ein Volksverschlüsselung genanntes Angebot auf den Markt bringen zu wollen.

Den Plänen der Bonner kommt nun der Kommunikationsanbieter Vodafone zuvor. Die Düsseldorfer starten ihren neuen „Secure E-Mail“ genannten Kommunikationsdienst bereits zum 1. Dezember. Die entsprechenden Apps waren seit wenigen Tagen schon in den App-Stores von Apple und Android verfügbar.

Nutzbar mit beliebigen E-Mail-Konten

Clou des neuen Verschlüsselungsdienstes ist, dass er sich mit beliebigen E-Mail-Konten verknüpfen, via Smartphone-App und über eine Outlook-Erweiterung nutzen lässt – und zwar sogar von Onlinern, die weder Telefon- noch E-Mail-Kunde bei Vodafone oder dem Kabel-Ableger Kabel Deutschland sind.

Dabei setzt Vodafone auf ein sogenanntes Freeminum-Modell, bei dem Secure-E-Mail im kostenfreien Basis-Angebot zwar bei Speicherplatz und Größe der Dateianhänge limitiert ist: Der entscheidende Aspekt - der Ende-zu-Ende verschlüsselte Versand von Nachrichten und Anhängen - funktioniert aber auch in der Einsteigervariante.

Zustimmung zur Aussage: "Ich sehe meine Privatsphäre durch die Nutzung digitaler Technologien bedroht"

Die Vollversion, die Vodafone primär für Geschäftskunden konzipiert hat, ist ab sofort für Kunden mit einem Red Business+ Tarif zwei Jahre lang kostenfrei verfügbar. Sie umfasst neben fünf Gigabyte Online-Speichervolumen für das gesicherte Postfach auch die Möglichkeit, bis zu 200 Megabyte große Dateianhänge zu verschicken. Nach Ablauf der zwei Jahre (und für alle anderen Kunden ab sofort buchbar) kostet das Angebot 7,95 Euro monatlich.

Nutzbar auch für IT-Laien

Der Dienst, der sich als gesicherte Programm-Erweiterung in Outlook integriert, beziehungsweise via passwort-geschützter App auf dem Smartphone nutzen lässt, basiert auf einer Technologie des Münchner Krypto-Spezialisten FTAPI. Sie ermöglicht es Nachrichten und umfangreiche Dateianhänge zwischen den jeweiligen durch mehrere Schlüssel gesicherten FTAPI-Modulen bei Absender und Empfänger auszutauschen, die regulären E-Mail-Adressen der Kommunikationspartner dienen dabei als Nachrichtenkanal, um Ausgangs- und Eingangsmeldungen im gesicherten Postfach zu verschicken.

Wer beim Datenschutz gute Noten bekommt
Ist Datenschutz schon in Deutschland eine heikle Sache, sieht es in den USA noch viel kritischer aus: Die dortigen Ermittlungsbehörden wie die NSA haben durch den Patriot Act, der nach den Anschlägen des 11. September 2001 erlassen und kürzlich leicht abgemildert wurde, viel umfassendere Rechte und Befugnisse zur Abfrage von Daten von Privatpersonen. Und diese nutzen sie auch, während die Gesetze und Regulierungen im Bereich Datenmanagement und Datenschutz mit den technologischen Entwicklungen nicht mithalten können. Die Nichtregierungsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) will mit ihrem regelmäßigen Datenschutz-Report „Who has your back“ auf dieses Problem aufmerksam machen. EFF untersucht 24 große IT- und Telekomunternehmen daraufhin, wie sie mit dem Thema Datenschutz umgehen. Quelle: dpa
Der Report bewertet einerseits, ob sich Firmen gegen teils willkürliche staatliche Überwachung wehren. Zudem wird die Transparenz bewertet, die Firmen darüber herstellen, ob und wie staatlichen Ermittlungsbehörden bei ihnen Zugriff auf Nutzerdaten fordern. Die EFF hat über vier Jahre die Praktiken großer Internet- und IT-Konzerne beobachtet und analysiert, ob die Firmen ihren Fokus eher auf den Schutz der Nutzerdaten oder eher auf die Kooperation mit staatlichen Ermittlern legen. Dabei konnten sie in den vergangenen vier Jahren eine Entwicklung feststellen. Quelle: AP
Während das Thema Datenschutz vor vier Jahren bei kaum einem Unternehmen auf der Agenda stand, hat nun – einige Snowden-, Wikileaks-Enthüllungen und Spähaffären später – laut EFF ein Umdenken eingesetzt: Viele Firmen veröffentlichen Reports über ihren Umgang mit Nutzerdaten und über Regierungsanfragen nach Nutzerdaten. Quelle: dpa
Die EFF hat die Entwicklungen damit aufgefangen, dass sie die Firmen nun unter anderem in der Kategorie des industrieweiten Standards vorbildlicher Praktiken bewerten. Ihre Kriterien im Überblick: 1. Unter dem erwähnten industrieweiten Standard verstehen die Aktivisten etwa, dass die Firma den Staat bei einer Datenanfrage nach einer offiziellen Vollmacht für den spezifischen Fall fragt. Außerdem wird erwartet, dass das Unternehmen einen Transparenzreport über staatliche Anfragen veröffentlicht und dass die Firma deutlich macht, wie sie mit den Regierungsanfragen formell verfährt. 2. In einer weiteren Kategorie wird geprüft, ob Internetfirmen die jeweiligen Nutzer einzeln informieren, wenn sie beziehungsweise ihre Daten von Regierungsanfragen betroffen waren. Als Best Practice Beispiel gelten die Firmen, die ihre Nutzer schon vor der Weitergabe über solche staatlichen Anfragen informieren, sodass diese sich juristisch zur Wehr setzen können. Quelle: dpa
3. Die Aktivisten checkten auch, ob Firmen bekannt machen, wie lange sie Nutzerdaten speichern. Es wurde dabei nicht bewertet, wie lange die Unternehmen IP-Logins, Übersichten über individuellen Datentransfer und auch eigentlich bereits gelöschte Daten speichern und für Ermittlungen verfügbar halten – es geht nur um die Transparenz. 4. Regierungen und staatliche Ermittlungsstellen fragen nicht nur Nutzerdaten an, teils verlangen sie von Internet- und Telekomkonzernen auch, unliebsame Nutzer zu blockieren oder Nutzeraccounts zu schließen. Für diese Praxis war zuletzt insbesondere Facebook kritisiert worden, das einige Insassen von Gefängnissen an der Eröffnung eines Accounts hinderte. Auch Informationen darüber honorierten die Aktivisten mit einer positiven Bewertung, wobei ihnen besonders Twitter in dieser Kategorie mit einem umfangreichen Report über Lösch-Gesuche positiv auffiel. 5. Unternehmen bekamen auch eine positive Bewertung, wenn sie sich im öffentlichen Diskurs gegen staatlich geduldete oder gar intendierte Hintertüren in Software und Netzwerken stellen. 21 von 24 untersuchten Firmen nehmen mittlerweile eine solche kritische Position gegenüber dem Überwachungsstaat ein. Quelle: dpa
Adobe hat laut den Aktivisten in den vergangenen Jahren alle Best Practice Standards übernommen, die in der Branche etabliert sind. Adobe verlangt von Ermittlungsbehörden eine explizite Erlaubnis, Daten von Nutzern anzufordern und bekennt sich zudem öffentlich dazu, keine Hintertüren in die eigene Software einzubauen. „Alle Regierungsanfragen für Nutzerdaten müssen bei uns durch den Vordereingang kommen“, schreibt Adobe in seinem Transparenzreport. Die EFF wertet eine solche starke Position gegen die früher gängige Praxis als bemerkenswert – unabhängig von der Wahrhaftigkeit. Quelle: AP
Triumph für Tim Cook. Apple erfüllt alle Kriterien der Aktivisten für möglichst große Transparenz im Bereich Datensicherheit. Der IT-Konzern lässt allerdings einige Hintertürchen offen, neben den Verpflichtungen zur Verschwiegenheit, die ihm etwa durch Gerichte in Einzelfällen auferlegt werden können. Apple behält sich vor, Nutzer nicht über eine Datenabfrage zu informieren, wenn dies nach Einschätzung des Unternehmens gefährlich für das Leben oder die Unversehrtheit von Personen werden könnte. Dies lässt Raum zur Deutung. Quelle: REUTERS

Sowohl die Anmeldung bei Vodafones neuem Secure-E-Mail-Dienst als auch die Verbindung zwischen dem regulären Postfach und der gesicherten Verbindung, erfordert keinerlei Programmier-Kenntnisse und ist damit auch für Anwender nutzbar, die bisher vor der Konfiguration von klassischer Krypto-Software zurückgeschreckt sind. Das ergab der WirtschaftsWoche-Test der Technik kurz vor dem offiziellen Start des Dienstes.

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Allerdings, und das hat Secure-E-Mail mit fast allen anderen bisherigen Angeboten gemein, funktioniert der Nachrichtenaustausch nur zwischen Nutzern des gleichen Verschlüsselungsdienstes, weil dieser das Schlüssel-Management übernimmt.

Immerhin, die FTAPI-Technik steckt nicht nur hinter dem Secure-E-Mail-Angebot, sondern managt auch den verschlüsselten E-Mail-Versand zahlreicher anderer Unternehmenskunden. Daher sollen Kunden des neuen Vodafone-Dienstes ab dem Start zumindest alle anderen, bereits auf der FTAPI-Plattform angemeldeten Anwender verschlüsselt erreichen können. Und der Rest nutzt eben den kostenlosen Basisdienst.

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