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Jens Schulte-Bockum "Rennen eröffnet"

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Übernahme von Kabel Deutschland

Mit der Übernahme von Kabel Deutschland greifen Sie die Deutsche Telekom jetzt auch im Festnetz frontal an. Vor drei Jahren hätte Vodafone das Unternehmen zum halben Preis schlucken können. Warum haben Sie so lange gewartet?

Damals war die Ausgangssituation anders. Die Märkte haben sich entwickelt. Es gibt ja Gründe, warum die Aktienkurse aller börsennotierten Kabelbetreiber in Europa in den vergangenen sechs Monaten gestiegen sind. Der Kaufpreis reflektiert auch die enormen Synergien, die wir heben wollen.

Welche Gründe sind das?

Vor allem technische Veränderungen in unserem Geschäft. Mit dem neuen Standard Docsis 3.0 sind über das TV-Kabel Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr möglich. Das funktioniert deutlich robuster und stabiler als vor drei Jahren gedacht. Die Kunden honorieren das.

Und das hat Ihr Geschäft sehr verändert?

Wir sehen, dass der Wettbewerb reagiert. Die Deutsche Telekom beispielsweise versucht, mit dem beschleunigten Glasfaserausbau und dem massiven Einsatz der schnelleren Vectoring-Technik bei traditionellen DSL-Anschlüssen nachzuziehen. Die Kunden sind bereit, für einen 100-Megabit-Anschluss mehr zu bezahlen als für einen traditionellen DSL-Anschluss mit maximal 16 Megabit pro Sekunde. Und sie sind bereit, den Anbieter zu wechseln, wenn der eine bessere Übertragungsleistung verspricht. Das war vor zwei, drei Jahren so nicht absehbar...

...weshalb Vodafone selbst 300.000 DSL-Kunden an die Kabelgesellschaften verloren hat.

Richtig ist, dass die Nettozuwächse in der gesamten Telekommunikation derzeit allein bei Kabelanbietern liegen.

Warum sich ein schnellerer Glasfaserausbau für die Deutsche Telekom lohnt

Woher rührt die plötzliche Liebe zum Festnetz, nachdem Vodafone ursprünglich als lupenreiner Mobilfunker angetreten war?

Wir sehen in einigen europäischen Ländern wie Portugal und Belgien bereits, dass die Privatkunden erstmals echtes Interesse an Komplettlösungen mit Festnetz und Mobilfunk zeigen. Sie wollen ihre TV-Sendungen und Videos nicht nur auf dem Fernseher oder PC daheim anschauen, sondern auch unterwegs auf allen mobilen Geräten – und das gleich für die ganze Familie. Solche Angebote können nur Mobilfunkbetreiber mit gut ausgebauter Festnetzinfrastruktur stemmen.

Wieso reicht dafür nicht Ihre Festnetztochter Arcor?

Weil wir mit einer Hochleistungsinfrastruktur, wie sie Kabel Deutschland besitzt, einen großen Schritt nach vorne machen würden. Im Geschäftskundenbereich sind wir als integrierter Anbieter bereits sehr gut aufgestellt. Wir wollen uns künftig aber noch stärker als Komplettanbieter mit Mobilfunk und Festnetz auch im Privatkundengeschäft positionieren. Und in diesen Schritt wollen wir signifikant investieren.

Wenn dieser Deal eine so hohe strategische Bedeutung für Vodafone hat – was passiert, wenn die Wettbewerbshüter der Übernahme nicht zustimmen?

Wir sind sehr zuversichtlich, dass es keine großen kartellrechtlichen Hürden geben wird. Vorstand und Aufsichtsrat von Kabel Deutschland empfehlen ihren Aktionären die Annahme des Übernahmeangebots. Alle Signale, die wir bekommen, sind positiv. Das Bundeskartellamt hat bereits angekündigt, auf einen Verweis zu verzichten und die Entscheidung der EU-Kommission zu überlassen.

Welche Auswirkungen hat die Übernahme auf den Wettbewerb in Deutschland?

Zusammen mit Kabel Deutschland könnten wir mit einem überlegenen Festnetzangebot direkt gegen die Deutsche Telekom antreten – und überall, wo Anschlüsse von Kabel Deutschland erhältlich sind, ein noch besseres Produkt anbieten. Die Faustformel im Kabelgeschäft lautet: gleicher Preis für doppelte Leistung. Diese Vermarktungsstrategie funktioniert außerordentlich gut. Für die Kunden bedeutet das zusätzliche Dienste, bessere Angebote und damit mehr Wettbewerb im Markt.

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