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Jürgens Weinlese „90 Prozent der Online-Händler überleben nicht“

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Der Wein-Einzelhandel der Zukunft

Diese neue Plattform soll dem Unternehmen in einem weiteren Schritt ermöglichen, einfacher neue Online-Shops zu eröffnen. „Bislang hat die Eröffnung eines neuen Shops uns rund 100.000 Euro gekostet“, sagt Nikolaus von Haugwitz, das zuständige Vorstandsmitglied in der Hawesko Holding. „Aufgrund der neuen E-Commerce-Plattform werden wir nur noch einen Bruchteil des Geldes zahlen müssen“. Mit diesem Schritt will Hawesko sich gegen die vielen kleinen Online-Händler besser behaupten und schneller auf Marktentwicklungen oder neue Trends reagieren können. „Das Internet ist teuer“, hatte von Haugwitz bereits in einem Interview vor knapp einem Jahr gesagt.

Hawesko verkauft gehobene und Premium-Weine, deren Durchschnittspreis pro Flasche im Versandhandel (Online und Katalog) bei acht Euro liegt. In diesem Segment will das Unternehmen auch bleiben. Die Versandhandelssparte der Hawesko AG hat im Jahr 2013 einen Umsatz von 149 Millionen Euro erzielt.

Auch von anderer Seite kommt der Online-Handel unter Druck:  Discounter, SB-Warenhäuser und Lebensmitteleinzelhändler  wollen ihren Umsatz durch den Verkauf von teureren Weinen erhöhen. Händler  wie zum Beispiel Edeka-Südwest investieren laut dem Marketing-Experten Michael W. Pleitgen viel in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, um höherwertige Tropfen verkaufen zu können.

Lidl bietet mittlerweile Weine für bis zu 349 Euro die Flasche an und Branchenkreisen zufolge steht der Rewe-Konzern kurz vor dem Einstieg in den Onlinehandel mit hochwertigen Weinen. Auch Aldi-Nord hat für Wein ein neues, emotionales Verkaufskonzept entwickelt.

Der Lebensmittelhandel hat eine starke Marktmacht: Von vier Flaschen Wein, die in Deutschland verkauft werden, gehen drei über die Theken von Discountern, SB-Warenhäusern und Einzelhändlern. Bei der Verkaufsmenge beträgt allein der Marktanteil von Aldi 22 Prozent, zusammen mit den anderen Discountern beläuft sich dieser Anteil 49 Prozent.

Auch wenn die Experten erwarten, dass die Mehrzahl der reinen Online-Händler vom Markt verschwinden wird, heißt das nicht, dass die stationären Geschäfte davon profitieren. Nach Einschätzung von Hudetz vom Institut für Handelsforschung müssen sich 70 Prozent der traditionellen Händler bis 2020 entweder neu definieren oder aber sie überstehen den Wettbewerb nicht.

Seine Schlüsselaussagen für den Wein-Einzelhandel der Zukunft: Händler müssen sich frühzeitig auf den Wandel vorbereiten, dabei triumphiert Geschwindigkeit. Man müsse 2020 den Kunden ernst nehmen. Alte Verkaufskanäle werden nicht ersetzt, müssen aber angepasst werden. Und die letzte Aussage an die Händler: Beginnt damit, Marken aufzubauen.

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