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Keine Intel-Chips mehr im MacBook Pro Mit eigenen Prozessoren kann Apple sein Schicksal besser bestimmen

Apple-CEO Tim Cook posiert neben einem neuen MacBook Pro. Quelle: via REUTERS

Apple hat neue Notebooks für Profis vorgestellt. Beim Umsatz spielen die Macs jedoch nur die vierte Geige. Warum sich das dank des iPhones und der eigenen „Apple Silicon“-Chips ändern könnte.

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Das Silicon Valley lebt in einer Blase – zumindest, wenn es um Mac-Notebooks geht. In den Cafés der University Avenue, der Flaniermeile von Palo Alto, wo am Wochenende oft auch Apple-Chef Tim Cook zu erspähen ist, sind Notebooks ohne Apple-Logo rar. Dasselbe gilt für Start-up-Konferenzen in San Francisco oder Investorentreffen im Rosewood Sand Hill Luxushotel in Menlo Park. Apples Strahlkraft reicht über das Silicon Valley hinaus, selbst in der landesweiten Hauptnachrichtensendung von NBC prangt neben dem Moderator ein Apple-Notebook.

In der Welt außerhalb der Tech-Zentren sind Apples Notebooks jedoch immer noch Exoten. Zwar hat sich Apples Anteil am PC-Geschäft unter der Ägide von Tim Cook verdoppelt. Doch laut dem Beratungsunternehmen Gartner machte er im dritten Quartal weltweit nur 8,6 Prozent aus, iPads ausgenommen. Damit ist Apple die Nummer vier mit beträchtlichem Abstand zu Lenovo (23,7 Prozent), HP Inc (20,9 Prozent) und Dell (18,1 Prozent). Die PC-Welt wird immer noch von Windows mit einem Marktanteil von über 90 Prozent dominiert. Gartner schlüsselt allerdings nicht zwischen Notebooks und Desktop-PCs auf. Der Anteil von Apple bei Notebooks ist also mit Sicherheit höher.

Trotzdem bleibt Apple auf absehbare Zeit in einer Nische. Die am Montag vorgestellten MacBook Pro Notebooks werden daran nichts ändern. Sie sind für Profis gedacht – und diejenigen, die abseits von realen Bedürfnissen immer das Teuerste besitzen müssen. Das Einstiegsmodell beginnt bei 2249 Euro.

In der gesamten MacBook-Pro-Linie ticken nun keine Intel-Prozessoren mehr. Sondern „Apple Silicon“, weiterentwickelte Versionen des im vergangenen Jahr vorgestellten M1-Prozessor, der bereits im günstigeren MacBook Air, dem MacBook Pro 13 Zoll, Mac Mini, dem iMac 24 Zoll und der Profi-Variante des iPad zum Einsatz kommt.

Bei der Nomenklatur greift das Apple-Marketing auf die iPhone-Linie zurück, die Prozessoren für Profis heißen nun M1 Pro und M1 Max.

Johny Srouji, Apples oberster Chipentwickler, streicht vor allem ihre Leistungsfähigkeit beim Bearbeiten von Videos und Fotos, aber auch beim maschinellen Lernen heraus, die laut Eigenwerbung auch ohne eigenständigen Grafikchip jedes andere Notebook in den Schatten stellen soll.

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    Für die meisten Notebook-Besitzer ist jedoch wichtiger, wie lange sich ihre mobilen Computer betreiben lassen, ohne an die Steckdose zu müssen. Die kompakteren MacBook Pro mit 14-Zoll-Display sollen bis zu 17 Stunden Videos in Dauerschleife anzeigen können, das größere 16-Zoll-Modell bis zu 21 Stunden. Was bedeutet, dass sie bei normalem Gebrauch mehr als einen Tag überdauern können.

    Vor allem hat Apple aus Fehlern gelernt. Die berührungsempfindliche Touch Bar in der obersten Reihe der Tastatur, welche die Pro-Reihe bislang optisch aufwertete, aber in den Augen vieler Nutzer beim Nutzen eher abwertete, ist nun wieder mechanischen Tasten gewichen. Zurückgekehrt sind auch Anschlüsse für HDMI und SD-Speicherkarten.

    Das Redesign der Profi-Notebooks war überfällig. „Apple muss sein Kerngeschäft verteidigen, besonders in der Kreativbranche“, sagt Gartner-Analystin Mikako Kitagawa. „Windows attackiert diesen Markt.“ Denn viele dieser Kreativen – Designer, Spieleentwickler, Fotografen und Videographen – hatten mit dem Kauf neuer Apple-Notebooks gewartet, nachdem Cook im vergangenen Jahr den Umstieg von Intel-Prozessoren auf „Apple Silicon“ bekanntgegeben hatte. Die Anschlüsse des damals vorgestellten MacBook Pro 13 Zoll waren zu mager. Zudem mussten populäre Bearbeitungsprogramme wie etwa die von Adobe umgeschrieben werden, um die Vorzüge des M1-Prozessors voll ausnutzen zu können. Das ist nun weitgehend geschehen. „Damit kann sich Apple besser verteidigen“, meint Kitagawa.

    Im PC-Markt, vor allem im volumenstarken Unternehmensgeschäft, wird es sich jedoch nicht niederschlagen. Dort bleibt „Wintel“ – ein Kunstwort aus Windows und Intel – weiterhin die große Macht. Noch. Denn die Grenzen zwischen Tablets, Smartphones und Notebooks verschwimmen zunehmend. Da immer mehr Rechenleistung über die Cloud bewältigt werden kann, stellt sich auch die Frage, wie sinnvoll solche Rechenboliden in Notebook-Form sind.

    Aber noch werden sie gekauft. Die Lieferzeiten von Apples neuen Pro-Modellen verschoben sich im Laufe des Montags trotz der Premiumpreise von Ende Oktober bis in den November hinein, was man bislang nur von iPhone-Premieren kannte.

    Solange das so ist, wird Apple die Grenzen zwischen Notebook und Tablet weiterhin aufrechterhalten. Wie beim iPad Pro mit dem M1-Chip, wo viele Nutzer darüber klagen, dass dessen Möglichkeiten von Apple künstlich begrenzt würden, um die Notebook-Verkäufe nicht zu kannibalisieren.



    Irgendwann wird das nicht mehr funktionieren. Es ist allerdings kein Nachteil, sondern eine große Chance für Cook oder vielleicht sogar seinen Nachfolger. Inzwischen ist eine ganze Generation mit iPhones und iPads groß geworden, hat sich an deren Benutzerführung gewöhnt, besonders wenn man zwischen Geräten hin und herspringen muss. Zum Nachteil von Microsoft, das im Smartphone-Geschäft keinen Fuß fassen konnte und die Scharte mit seinen Surface-Tablets auswetzen will.

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    Noch entscheiden die iPhone-Verkaufszahlen über Apples Börsenkurs. Im vergangenen Quartal erwirtschaftete Apple mit ihnen rund 40 Prozent seines Umsatzes. Der Mac belegte hinter Dienstleistungen und Zubehör mit acht Prozent nur den vierten Rang. Das bedeutet aber auch, dass dort noch Luft zum Wachsen drinsteckt. Apple könnte dann auch bei seinen Profi-Modellen bei den Preisen aggressiver auftreten und so mehr Marktanteile im PC-Geschäft erringen. Mit den selbst entwickelten Prozessoren hat es auch bei den Kosten mehr Raum und kann sein Schicksal besser bestimmen.

    Mehr zum Thema: Apple ist noch immer vor allem ein Hardware-Konzern. Die Zeche zahlen andere.

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