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Keine Spur von Krise Warum Facebook trotz Datenskandal glänzende Zahlen schreibt

Trotz des Datenskandals kletterte der Umsatz um 49 Prozent auf 11,97 Milliarden Dollar. Quelle: imago

Mark Zuckerbergs sozialem Online-Netzwerk kann die Affäre um Cambridge Analytica nichts anhaben. Und das aus gutem Grund.

#DeleteFacebook? Von wegen. In der Hochphase des Datenskandals um Cambridge Analytica riefen zahlreiche Nutzer unter dem Hashtag bei Twitter zum Löschen des Profils im Netzwerk auf. Die Erregung war groß, in Politik und Wirtschaft, einige spekulierten gar das Ende von Mark Zuckerberg herbei. Doch das bleibt vorerst aus.

Facebook ist für die Nutzer alternativlos. Nichts zeigt dies so deutlich wie die ersten Quartalszahlen seit der großen Krise. Die Fans halten Zuckerberg die Treue. Und nicht nur das.

Der Facebook-Chef gewann 70 Millionen neue Mitglieder hinzu, die Reichweite seiner Firma vergrößerte sich um 13 Prozent. 2,2 Milliarden Menschen rufen die Seite monatlich auf, 1,45 Milliarden Nutzer machen das sogar täglich.

Die Entwicklung ist beachtlich angesichts des PR-Desasters, mit dem Facebook seit Mitte März kämpft, als bekannt wurde, dass sich die britische Datenfirma illegal Zugriff auf die Informationen von 87 Millionen Nutzern verschaffte. Der Skandal zwang Mark Zuckerberg, sich an zwei Tagen Fragen des US-Kongresses zu stellen. Facebook verlor zeitweise bis zu 70 Milliarden Dollar Börsenwert, der Aktienkurs streckenweise um bis zu 18 Prozent. Doch solange die Fans bleiben, ändern auch die Werbekunden die Strategie nicht. Sie investierten weiter in das blaue Imperium. Facebooks Anzeigenumsätze wuchsen im abgelaufenen Quartal um 50 Prozent, besonders stark auf den Mobilgeräten. Sie steuerten beeindruckende 91 Prozent aller Werbeeinnahmen bei und trieben das Gesamtergebnis in die Höhe.

Der Umsatz kletterte um 49 Prozent auf 11,97 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 63 Prozent auf 4,98 Milliarden Dollar oder 1,69 Dollar pro Aktie. In den USA und Kanada stiegen die Umsätze um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Wall Street reagierte erleichtert. Das Resultat übertraf die Erwartungen der Analysten, die laut Thomson Reuters nur mit einem Gewinn von 1,35 Dollar pro Aktie bei einem Gesamtergebnis von 11,41 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Facebooks Kurs sprang nachbörslich um sieben Prozent.

Die Krise ist für Facebook noch längst nicht ausgestanden

Aber natürlich ist das keine Überraschung. Schon bei der Anhörung vor dem US-Kongress in Washington deutete Facebook-Chef Zuckerberg an, sein Netzwerk verzeichne keinerlei nachlassendes Nutzerinteresse. Wohin sollen sie auch gehen? Instagram? Gehört zu Facebook. Ebenso WhatsApp. Und Snapchat kämpft immer noch mit sich selbst.

Einzig Facebooks Ausgaben verraten ein wenig. Sie stiegen im Vorjahresvergleich um 39 Prozent. Zuckerberg investiert in die Sicherheit seiner Firma, er will bis Jahresende „mehr als 20.000 Menschen“ einstellen, die problematische Inhalte wie Hass-Kommentare oder Propaganda-Videos überprüfen. Bislang war nur von 20.000 Angestellten die Rede.

Auch die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die die Verarbeitung personenbezogener Daten durch private Unternehmen neu regelt, könnte Facebooks Kerngeschäft mit datengetriebener Online-Werbung beeinflussen, deutet der Konzern an. „Während wir nicht damit rechnen, dass sie signifikant sein wird, rechnen wir durchaus mit Auswirkungen”, sagte Finanzchef David Wehner im Gespräch mit Analysten im Anschluss an die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse. Laut Wehner geht Facebook davon aus, dass die Zahl der täglichen und monatlichen Nutzer in Europa nach der Umsetzung der neuen Datenschutzrichtlinie im zweiten Quartal leicht nachlässt. „Während wir nicht davon ausgehen, dass diese Änderungen das Werbegeschäft signifikant beeinflussen, gibt es sicher das Potential für einen gewissen Einfluss, und wir werden das genau beobachten.“

Die Krise zeigt sich noch nicht in den Zahlen. Doch Facebook hat sie längst nicht ausgestanden. Bei der Entwicklerkonferenz F8, die kommende Woche im kalifornischen San José beginnt, wird das Netzwerk seinen Kunden erklären müssen, wie es nun weitergeht.

App-Entwickler und Werber profitierten bislang von einem weitgehend freien Datenaustausch über Facebooks Schnittstellen. Der Fall Cambridge Analytica zeigte die Schattenseite der Strategie. Gut möglich, dass Facebook sich künftig weniger freigiebig zeigt – sehr zum Schaden seiner Kunden.

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