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Kommunikationssoftware Slack kauft konkurrierende Chat-Programme von Jira-Hersteller Atlassian

Millionen von Programmierern planen ihre Arbeit mit den Programmen Jira und Trello. Slack kauft jetzt das Chatprogramm Hipchat aus demselben Haus.

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Die Software synchronisiert alle Nachrichten zwischen Schreibtisch- und Mobilgeräten. Quelle: Imago

San Francisco In Büros auf der ganzen Welt setzen sich Kurznachrichtendienste durch: Der Trend geht vor allem in der internen Kommunikation weg von der E-Mail zum unverbindlicheren, schnelleren Austausch mit Chatwerkzeugen. In der Geschäftswelt gehört Slack zu den häufig eingesetzten Werkzeugen.

Der Softwareanbieter kauft jetzt die Konkurrenzprodukte Hipchat und Stride von Atlassian für eine nicht genannte Summe. Im Gegenzug erhält Atlassian auch eine kleinere Beteiligung an Slack. Beide Unternehmen stehen im scharfen Wettbewerb zum Platzhirschen für Bürosoftware: Microsoft.

Der Kaufpreis soll über die kommenden drei Jahre gezahlt werden. Die Produkte Hipchat und Stride sollen eingestellt werden. Kunden der auslaufenden Software-Angebote werde ein Umzug auf Slack angeboten. Slack-Vorstandschef Stewart Butterfield nannte die Transaktion „strategisch wichtig“ und wollte zu den finanziellen Details keine Auskunft geben.

Slack erhält Zugriff auf potenzielle Kunden

Atlassian gibt damit ein Geschäft auf, das sich nicht so entwickelt hat, wie es der Anbieter von Planungssoftware erwartet hatte. Slack erhält im Gegenzug Zugriff auf viele potenzielle Neukunden, die für das monatliche Aboangebot gewonnen werden sollen. Unternehmen zahlen in der Regel pro Nutzer einen monatlichen Beitrag, um die Vollversion von Slack nutzen zu können.

Rivale Microsoft entwickelt derzeit weiter an seinem Chatprogramm „Teams“, das sich leicht in die Office-Bürosoftware integrieren lässt. Zuletzt bot Microsoft auch eine kostenlose Testversion an, um Teams-Kunden zu gewinnen, die nicht gleichzeitig die Cloudversion von Office 365 beziehen.

Es gebe jetzt weniger Auswahl für potenzielle Kunden – und das sei gut, so Slack-Chef Butterfield. Beide Unternehmen – Atlassian und Slack – fokussieren sich damit auf die Software-Nische, in der sie besonders erfolgreich sind. Hunderttausende Gruppen mit Millionen Mitglieder setzen Jira und Trello für die Steuerung, Planung und Abwicklung von Projekten ein, so Atlassian Co-Chef Mike Cannon-Brookes.

Gemeinsam wollen Atlassian und Slack daran arbeiten, die Integration ihrer Produkte zu verbessern. Auch die Vermarktung solle besser aufeinander abgestimmt werden und die Langfristigkeit des Abkommens unterstreichen.

Im nachbörslichen Handel sprang die Atlassian-Aktie am Donnerstag um 18 Prozent nach oben. „Hipchat und Stride entwickeln sich nicht so gut wie andere Atlassian-Produkte“, so Wayne Kurtzman, Analyst beim Marktforscher IDC. Der Umsatzrückgang durch das Einstellen der Produkte soll durch die Slack-Zahlungen in den kommenden drei Jahren ausgeglichen werden.

Deal bei einem Frühstück eingefädelt

Butterfield erklärte, dass zuerst vor etwa zwei Monaten über den Deal verhandelt worden sei. Atlassian-Manager Jay Simons und er hätten sich zu einem gemeinsamen Frühstück getroffen. Dabei habe Simons gefragt, ob Slack die Chat-Produkte übernehmen wolle. Beide Firmen hatten in der Vergangenheit bereits zusammengearbeitet und kannten sich daher gut. Für Atlassian ist der künftige Anteil an Slack das erste strategische Investment in eine andere Firma.

Hipchat und Stride sollen im Februar 2019 eingestellt werden. Sollten die Programme auf kundeneigenen Servern laufen, können sie – je nach Version – noch einige Monate oder zwei Jahre länger genutzt werden. Slack-Chef Butterfield erwartet, den Marktanteil im einstelligen Prozentpunkt-Bereich ausbauen zu können.

Nach eigenen Angaben hat Slack 500.000 Firmenkunden, acht Millionen Menschen nutzten den Dienst jeden Tag. Teams kommt nach Angaben von Microsoft in 200.000 Organisationen zum Einsatz.

Atlassian hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 874 Millionen Dollar erzielt, das sind 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Steuern sei ein Verlust von 119 Millionen Dollar verzeichnet worden, nach 43 Millionen Dollar im Jahr 2017.

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