Konjunkturschwäche schlägt durch Enttäuschung bei Software-Riese SAP

Die seit langem auf Hochtouren laufende Verkaufsmaschine von SAP ist zwischen April und Juni ins Stottern geraten: Nach einem mauen zweiten Quartal kassiert SAP die Prognose fürs Gesamtjahr.

Erstmals seit drei Jahren wird das Wachstum des Softwarekonzerns aus Walldorf ausgebremst. Quelle: dpa

Erstmals seit drei Jahren verzeichnet der Softwarekonzern aus Walldorf einen Rückgang bei den Lizenzumsätzen. So fiel der Umsatz mit Softwarelizenzen im Vergleich zu 2012 um sieben Prozent auf nunmehr 982 Millionen Euro, wie das Unternehmen heute Morgen bei der Vorlage der Zahlen fürs zweite Quartal 2013 vermelden musste.

SAP schafft erstmals den Sprung an die Spitze
Platz 158: EonDas Abschalten der Atomkraftwerke in Deutschland hat Eon stark mitgenommen: War der Versorger Ende 2010 noch 61 Milliarden Dollar wert (Platz 114), sind es jetzt nur noch 42,9 Milliarden Dollar. Das bedeutet Rang 158. Damit ist Eon der zehntgrößte Konzern hierzulande, er war mal der größte. Quelle: dpa
Platz 10: EonImmerhin noch in den Top Ten, möchte man bei Eon fast sagen. Früher war der Versorger mal Deutschlands wertvollstes Unternehmen, heute "nur noch" 32,3 Milliarden Euro wert. Feuer und Flamme sind die Aktionäre vor allem wegen der vielen offenen Fragen im Hinblick auf die Energiewende schon lange nicht mehr. Quelle: dpa
Platz 9: AllianzAufwärts ging es dagegen für die Allianz, wenn auch nur ein wenig. Ende 2011 stand Europas größter Versicherer im weltweiten Vergleich noch auf Rang 152, nun auf 144. Der Börsenwert beträgt 33,7 Milliarden Euro. Die Quartalszahlen wiesen solide Gewinne aus, zudem überzeugt Aktionäre eine hohe Dividende. Quelle: dpa
Logo von BMW Quelle: AP
Platz 7: Deutsche TelekomKonstant abwärts geht es für die Deutsche Telekom – da hilft auch die hohe Dividende nichts. Der Börsenwert sank auf 37,8 Milliarden Euro. Das bedeutet weltweit Platz 139. Konzernchef René Obermann muss schleunigst Antworten finden auf die schwierige Situation in den USA und beim Ausbau des Internet-Geschäftes. Quelle: dapd
Platz 6: DaimlerIn Deutschland Rang 6, weltweit auf Platz 135: Daimler legte zuletzt zwar immer wieder Rekordzahlen vor, aber Konkurrenten wie BMW stehen eben noch ein wenig besser da. Daimler ist an der Börse 38,4 Milliarden Euro wert, etwas mehr als vor einem halben Jahr. Quelle: dapd
Platz 5: BayerSpürbar nach oben ging es für Bayer. Der Pharma- und Chemiekonzern zeigt sich äußerst stabil und kam auch mit konjunkturellen Unsicherheiten sehr gut zurecht. 46,4 Milliarden Euro sind die Leverkusener an der Börse wert, ein gutes Stück mehr als Ende 2011 und so kletterte Bayern von Rang 119 auf 111. In Deutschland sind nur vier Konzerne mehr wert ... Quelle: dapd
Platz 4: BASFAbwärts ging es dagegen für BASF, allerdings nur ein wenig von Platz 93 auf 97. Der Pharma- und Chemiekonzern profitiert vom starken Geschäft in Asien – der Börsenwert sank dennoch geringfügig auf 51,2 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Platz 3: VolkswagenKein Konzern verdient derzeit mehr Geld und angesichts des Rekordgewinns ist es kein Wunder: Volkswagen ist an der Börse mit 59,5 Milliarden Euro rund 4 Milliarden Euro mehr wert als vor einem halben Jahr. Damit steigen die Wolfsburger im weltweiten Ranking von Platz 88 auf 80. Quelle: dapd
Platz 2: SiemensFür Siemens ging es zuletzt kräftig danieder, Weltweit sackte Siemens von Rang 58 auf 71 ab. Der seit längerem teuerste deutsche Konzern ist an der Börse nur 60,9 Milliarden Euro wert, vor einem halben Jahr waren es noch deutlich mehr. Die Konjunktursorgen belasten Siemens. Quelle: dpa
Platz 1: SAPSein Licht braucht SAP nicht mehr unter den Scheffel stellen. Die Software-Schmiede konnte sich weltweit von Rang 89 auf 77 verbessern. Kein anderes deutsches Unternehmen hat im ersten Halbjahr 2012 einen so großen Sprung gemacht. Der Börsenwert stieg auf 61,8 Milliarden Euro. Quelle: dapd

SAP erklärte diesen Rückgang in seiner Mitteilung vor allem mit der nachlassenden Nachfrage in Asien. Laut SAP-Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe sei es vor allem die Konjunkturschwäche in China, die auf viele Länder Asiens durchschlage und auch die SAP-Zahlen im zweiten Quartal belastet hätten. "Kurzfristig schlägt sich das geringere Wirtschaftswachstum in China nicht nur dort, sondern auch in den Nachbarstaaten nieder", so Snabe in einer Telefonkonferenz.

Bei einem Softwareunternehmen wie SAP schauen viele Beobachter vor allem auf die Lizenzerlöse statt auf den Gesamtumsatz oder den Gewinn. Grund: Sie stellen den vielleicht wichtigsten Indikator für den Zustand des gesamten Geschäfts dar. Denn jeder Euro an Lizenzen zieht in den Folgejahren weitere Umsätze in Form von kontinuierlichen und sehr margenstarken Wartungsumsätze nach sich. Wenig verwunderlich also, dass die Börse die SAP-Zahlen am Vormittag mit einem Abschlag von zwischenzeitlich fast vier Prozent quittierte.

Zumal die Walldorfer in ihrer Quartalsbilanz gleich noch ein paar weitere Enttäuschungen versteckt haben. So stieg das Betriebsergebnis gerade mal um 3,9 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro, während Analysten zuvor gut 1,24 Milliarden Euro erwartet hatten.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Vor allem aber hat SAP unter Berufung auf den Ausfall der Konjunkturlokomotive China seine Prognose fürs Gesamtjahr kassiert: So sollen die Software- und softwarebezogenen Serviceerlöse 2013 nur noch um mindestens zehn Prozent zulegen; bisher war SAP von einem Zuwachs zwischen 11 bis 13 Prozent ausgegangen.

Einzige Beruhigungspille für SAP-Aktionäre: Einstweilen scheint es so, als stolperten die Walldorfer nicht über selbstgemachte Fehler. Auch IBM hat den gestern Abend verkündeten Umsatzrückgang zwischen April und Juni vor allem mit der schwächeren Nachfrage in China begründet. Nun bleibt abzuwarten, ob Jim Hagemann Snabe und sein Kompagnon Bill McDermott mit einem veränderten regionalen Fokus beim Softwareverkauf gegensteuern können.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%