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Korruptionsvorwürfe "Mistkäfer" bringen SAP in Bedrängnis

Ein Korruptionsskandal erschüttert Südafrika: Für Staatsaufträge sollen große Provisionen geflossen sein. Jetzt hat der Skandal auch den Softwarehersteller SAP erreicht.

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Das Logo des Softwareherstellers SAP Quelle: dpa

Multimillionäre sollen Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma in der Tasche haben und sich damit ein Abo für Staatsaufträge gesichert haben. Dieser Korruptionsvorwurf hält Südafrika seit Monaten in Atem. In den Strudel der Affäre geraten auch immer mehr internationale Firmen, die offenbar von den guten Beziehungen der Unternehmerfamilie Gupta profitieren wollten: Die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die Berater von McKinsey und jetzt auch die deutsche Softwareschmiede SAP - sie müssen nach fragwürdigen Deals öffentlich Kreide fressen und Besserung geloben.

Im Zentrum des Sturms stehen die drei aus Indien stammenden Brüder Ajay, Atul und Rajesh Gupta. Sie haben seit den 1990ern aus einer Computerklitsche ein Mischunternehmen gemacht, darunter auch Firmen im Minen- und Energiebereich, die viel Geld mit Staatsaufträgen machen. Und sie gelten als enge Freunde von Präsident Zuma (75); ein Sohn des Staatschefs ist Miteigentümer einer Gupta-Firma. Südafrikas Anti-Korruptionsbehörde zufolge sollen die Guptas auch direkten Einfluss auf die Berufung von Ministern und die Auswahl von Topmanagern in staatlichen Unternehmen gehabt haben.

„Die Gupta-Republik“ heißt eines der Bücher über den Einfluss der Familie in Südafrika. 2013 wurde ihr kurzer Draht zur Staatsführung mit einem Paukenschlag bekannt: Für eine pompöse Hochzeitsfeier bei Johannesburg ließen die Guptas rund 200 Gäste aus Indien in einem eigens gecharterten Jet einfliegen. Die Maschine landete auf einem für Staatsgäste reservierten Militärflughafen bei Pretoria, die Gäste wurden mit Polizeieskorte zur Hochzeit gekarrt. Seit kurzem ermittelt in der Sache auch die Justiz: Die Guptas sollen zum Teil Staatsgelder für das Bezahlen der Hochzeitsrechnung missbraucht haben.

Die wichtigsten SAP-Produkte

Dies und vieles mehr hat das investigative Reporterteam „AmaBhungane“ (Zulu für „Mistkäfer“) ans Licht gebracht. Ihr Motto lautet: „Im Mist wühlen: Dünger der Demokratie.“ Dank rund 100.000 Dokumenten, darunter interne E-Mails und Unternehmensberichte aus dem Reich der Guptas, bringen sie immer neuen Schmutz ans Licht.

Im Juli schlug die Stunde für SAP. Der Softwarehersteller müsse den investigativen Journalisten dankbar sein, die verdächtigen Geschäftspraktiken aufgedeckt zu haben, sagte SAP-Vorstandsmitglied Adaire Fox-Martin nun am Donnerstag. Die Firma bitte Südafrika „von ganzem Herzen“ um Entschuldigung, sagte sie. SAP wird vorgeworfen, eine hohe Provision an zwei politisch vernetze Firmen gezahlt zu haben, um sich Aufträge mit Staatsunternehmen zu sichern. Nun ermitteln auch die US-Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium, wie das auch an der New Yorker Börse notierte Unternehmen mitteilte.

Die fragwürdigen Provisionszahlungen von umgerechnet rund 6,5 Millionen Euro sind für einen Weltkonzern mit mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz eine Kleinigkeit. Doch die US-Justiz geht gegen Korruptionsvorwürfe im Ausland hart vor. Als Konsequenz aus dem Skandal hat SAP drei Manager suspendiert. Zudem will das Unternehmen bei Geschäften mit staatlichen Unternehmen in rund 120 Ländern, die auf dem Korruptionsindex von Transparency International schlecht abschneiden, künftig keine Provisionen mehr zahlen.

Vor SAP hatte es auch die internationalen Wirtschaftsprüfer von KPMG erwischt. Sie sollen den Gupta-Brüdern unter anderem geholfen haben, sich regelwidrig Staatsgeschäfte zu sichern. Zahlreiche Kunden in Südafrika wendeten sich daraufhin von KPMG ab. Das Unternehmen teilte im September mit, dass keine Gesetze verletzt worden seien, das fragliche Geschäftsgebaren aber „deutlich unterhalb der KPMG-Standards“ gewesen sei. Auch die Berater von McKinsey mussten fragwürdige Geschäfte mit staatlichen Unternehmen einräumen. Mehrere Banken haben indes aus Angst um ihren Ruf Gupta-Konten gekündigt.

Präsident Zuma und die Guptas weisen alle Vorwürfe zurück. Die Justiz ermittelt zu Aspekten der Gupta-Saga, bislang wurden jedoch weder der Präsident noch die Unternehmer angeklagt. Eine vernichtende Untersuchung der Anti-Korruptionsbehörde aus dem vergangenen Jahr zu dem Komplex mit dem Titel „Gefangener Staat“ empfahl die Einrichtung einer richterlichen Untersuchungskommission, doch Zuma wehrte sich dagegen. Die kritische Chefin der Anti-Korruptionsbehörde wurde inzwischen ausgewechselt, ihre Nachfolgerin gilt als zahnlos.

SAP verspricht indes, jeden Stein umzudrehen. Eine internationale Anwaltskanzlei prüft derzeit alle Geschäfte in Südafrika seit 2010. Sobald möglich will SAP die Öffentlichkeit über alle Ergebnisse der Untersuchung unterrichten. Topmanagerin Fox-Martin betont, der Softwarekonzern wolle in Südafrika das verlorene Vertrauen zurückgewinnen: „Der SAP-Vorstand nimmt die erhobenen Vorwürfe sehr ernst.“

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