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Krieg der Streaming-Dienste Die Jagd auf Netflix

Netflix-Gründer Reed Hastings übertrifft mit den neuen Quartalsergebnissen erneut die Erwartungen der Wall Street. Doch im Streaming-Geschäft lauert neue Konkurrenz, die den Platzhirschen mit Milliarden erlegen will.

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Netflix-Gründer Reed Hastings muss sich mit seiner Videoplattform finanzkräftiger Konkurrenz stellen. Quelle: dpa

Für Reed Hastings ist es eine ungewohnte Situation. Bislang war er, der findige Streaming-Chef aus Los Gatos stets der Underdog, der Runner-Up, der Mann für das Entertainment der Zukunft. Von überall her flogen ihm die Sympathien zu, der Ende der 90er als bescheidener DVD-Verschicker begann und heute ein globales Unternehmen mit 104 Millionen Kunden in mehr als 190 Ländern leitet.

Von den Vorteilen einer eigenen digitalen DNA und der Unfähigkeit traditioneller TV-Anbieter, sich dem Internet-Zeitalter anzupassen, wollen nun aber auch andere profitieren. Amazon, Facebook und Apple besitzen schließlich ebenso stabile Infrastrukturen, Reichweiten und riesige Kundendatenbanken, um eigene Serien jederzeit passgenau in hoher Qualität auf internetfähige Geräte auszuliefern. Nun machen sie Jagd auf Netflix.

Facebook steckt eine Milliarde in eigene Film- und Fernsehinhalte und bietet um Sportrechte mit. Apple engagierte Star-Regisseur Steven Spielberg investiert kommendes Jahr eine Milliarde Dollar in die Produktion zehn eigener Shows. Amazon produziert in Hollywood eigene Serien. „Jeder Gründer sollte sich darauf konzentrieren, eigene Ideen zu entwickeln“, lästert Hastings anlässlich der Verkündung der Quartalsergebnisse im Gespräch mit Analysten. Er sehe keinen Hinweis darauf, dass eine Netflix-Kopie auch bei Amazon funktioniere. „Wir freuen uns, dass es mehr Konkurrenten gibt, weil das Innovation vorantreibt”, setzt Netflixs Programm-Chef Ted Sarandos hinzu.

Doch das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Denn der Wachstumskurs, den Hastings seiner Plattform verordnet hat, ist aggressiv. Statt der bislang verkündeten sieben Milliarden Dollar, die Netflix in eigene Inhalte stecken will, soll die Summe bis ins kommende Jahr noch einmal um ein Drittel wachsen.

Damit wird der 57-Jährige künftig mehr ausgeben als Amazon oder Hulu, die finanziellen Verpflichtungen für Inhalte, Produktionen und Rechte belaufen sich auf 17 Milliarden Dollar, im Vorjahr lag die Summe noch bei 14,4 Milliarden Dollar. Mehr als 50 Prozent davon fließen in eigene „Original Series” fließen. Für das kommenden Jahr kündigt Netflix weitere Staffeln der eigenen Klassiker „Stranger Things” und „The Crown” an, sowie neue Shows im Sortiment, darunter der FBI-Krimi „Mindhunter”, produziert von David Fincher und Charlize Theron.


Der Preis des Wachstums

Bislang geht die Rechnung von Hastings auf. Die hohen Investitionen zahlen auf die Reichweite des Dienstes ein. Vergangenes Quartal gewann Netflix 5,3 Millionen neue Kunden hinzu, 4,45 Millionen von ihnen kamen von außerhalb der USA. Die im Januar 2016 verkündete Expansion in 130 neue Länder zur gleichen Zeit hat sich offenbar gelohnt. Das Gros seiner Einnahmen erlöst der Service aus Abo-Einnahmen.

Auch die finanziellen Resultate übertrafen die Erwartungen der Wall Street. Netflix Umsätze stiegen um 30 Prozent auf knapp drei Milliarden Dollar, die Gewinne kletterten auf 130 Millionen Dollar oder 29 Cent pro Aktie. Im Vorjahr lag der Profit noch bei 52 Millionen Dollar oder 12 Cents pro Aktie. Seit Jahresanfang legte die Aktie der Firma aus Los Gatos um 64 Prozent zu.

Wer landet den nächsten Serienhit?

Doch das Wachstum besitzt seinen Preis – auch für die Nutzer. Im Heimatland USA und in Großbritannien erhöhte Hasting das Abosaldo um einen Dollar. In den sich entwickelnden Märkten Asiens, in die der Dienst weiter wachsen will, könnte dies problematisch werden. Zumal neue Geschäftsmodelle mit Werbung laut Hastings nicht zur Debatte stünden.

Netflixs Finanzchef David Wells will von Druck oder Problemen jedoch offiziell nichts wissen. Die aktuelle Anhebung habe nichts mit den hohen Investitionen zu tun, sagte er im Gespräch mit Analysten. „Es geht uns wirklich um langsames, stetiges Wachstum. Wir haben keine Eile und gute Inhalte.”

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