Krise bei RIM Neues Blackberry-System soll's richten

Erster Blick aufs Blackberry 10: Der Hersteller Research in Motion (RIM) hat internationalen Mobilfunkanbietern das neue Smartphone-Betriebssystem vorgestellt. Die Resonanz sei positiv ausgefallen, sagte der Leiter des kanadischen Geschäftsbereichs von RIM, Andrew McLeod. Doch auf einen schnellen Verkaufsstart kann das Unternehmen nicht hoffen.

RIM hat internationalen Mobilfunkanbietern das neue Betriebssystem vorgestellt. Foto: AP Quelle: AP

RIM werde bald mit den Anbietern Einzelheiten zur Markteinführung und andere geschäftliche Aspekte besprechen. "Wir sind dabei, der Software den letzten Schliff zu geben", sagte McLeod weiter. "Das war eine Phase, in der wir wirklich Vertrauen hatten, dass wir die Funktionstüchtigkeit der Produkte und der Software demonstrieren konnten."

Hoffnungen auf einen schnellen Verkaufsstart machte Vizepräsident der Entwicklungsabteilung bei RIM indes nicht. Davon sei man noch "monatelang" entfernt, sagte Alec Saunders.

Die Smartphones mit dem Blackberry-System 10 sollen Anfang 2013 erhältlich sein. Mit der neuen Technologie will der strauchelnde kanadische Konzern die Wende schaffen. Denn bislang ist es dem einstigen Platzhirsch auf dem Smartphonemarkt nicht gelungen, seine Dominanz beim Firmenkundengeschäft auf die Privatnutzer zu übertragen. In dem Segment dominieren das iPhone von Apple und Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android. Zuletzt hatte RIM angekündigt, bis zu 5.000 seiner rund 16.500 Mitarbeiter zu entlassen. Mit dem Schritt will der Konzern eine Milliarden Dollar einsparen.


An welchen Baustellen Blackberry gescheitert ist
Blackberry macht eine überraschende Kehrtwende im Überlebenskampf: Der notleidende Smartphone-Pionier hat seinen geplanten Verkauf am 4. November 2011 abgesagt, Konzernchef Thorsten Heins geht. Geldgeber um die kanadische Finanzfirma Fairfax Financial wollen nun eine Milliarde Dollar in das Unternehmen stecken, statt es wie ursprünglich geplant zu übernehmen. Der aus Deutschland stammende Heins nimmt seinen Hut, sobald die Finanzspritze eingegangen ist. Quelle: dpa
Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten im August selbst zum Verkauf gestellt. Fairfax Financial hatte bereits den grundsätzlichen Zuschlag für 4,7 Milliarden Dollar erhalten. Doch in den ersten Novembertagen mehrten sich die Anzeichen, dass die Finanzfirma das Geld für eine komplette Übernahme nicht zusammenbekommt. Auch die beiden Blackberry-Mitgründer Michael Lazaridis und Doug Fregin arbeiteten im Hintergrund an einem Gebot. Blackberry soll dem „Wall Street Journal“ zufolge sogar mit dem Online-Netzwerk Facebook gesprochen haben. Dagegen hätten der Software-Riese Oracle und das Karriere-Netzwerk LinkedIn sich gar nicht erst auf ein Treffen eingelassen. Quelle: REUTERS
Als RIM-Chef Thorsten Heins im Januar 2012 den Chefposten bei Blackberry übernahm, war der Konzern bereits in einem schlechten Zustand. Die Aktie hatte 2011 drei Viertel ihres Werts verloren, die Marktanteile waren rapide gesunken, der Konzern hatte hohe Verluste eingefahren. Quelle: REUTERS
Gründe gab es dafür viele. Der wohl schwerwiegendste Fehler geht auf das Konto von Gründer Mike Lazaridis und seinem Partner Jim Balsillie, der 1992 zu Blackberry kam. Beide hatten die Konkurrenz völlig unterschätzt. Als 2007 Apple mit dem iPhone auf den Markt kam, konnten sich die beiden Manager nicht vorstellen, dass sich tastenlose Handys mit großem Display durchsetzen würden. Quelle: REUTERS
Vielleicht waren die Blackberry-Chefs zu geblendet vom Coolness-Faktor, den Blackberry jahrelang zweifellos hatte. In der Welt der Nadelstreifen, als ein Mobilfunkvertrag noch etwas Elitäres war und sich teure Datenverträge ohnehin nur Manager leisten konnten, die vor dem Einstieg in den Privatjet schnell noch mal die E-Mails checkten, war Blackberry das Kommunikationsgerät schlechthin. Doch... Quelle: dapd
.... mit Aufkommen des iPhones (im Bild ist das neue iPhone 5s zu sehen) wollten auch Privatnutzer ein Smartphone - zum Musikhören, Fotos machen und im Internet surfen. Blackberry verpasste die veränderten Nutzergewohnheiten. Die Verbraucher brachten deshalb lieber ihr neues Spielzeug, das iPhone, mit ins Büro. Am Ende musste RIM dann neben Apple auch noch Android-Geräte vorbeiziehen lassen. Auch beim Design verlor RIM in dieser Zeit den Anschluss. Quelle: AP
Nächste große Panne: Beim Thema Apps zögerte RIM viel zu lange. Der Einstieg in den Markt für Software-Apps erfolgte erst spät mit der fünften Version des Betriebssystems. Die Vielfalt der Blackberry-Modelle mit und ohne Tastatur und verschiedenen Bildschirmgrößen macht es für Software-Hersteller zudem extrem kompliziert, für Blackberry zu programmieren. Quelle: REUTERS


Samsung ist der neue Platzhirsch

Einfache Handys sind weltweit auf dem Rückzug und selbst das große Interesse an Smartphones kann die Lücke derzeit nicht ausfüllen. Im zweiten Quartal schrumpfte der Absatz von Mobiltelefonen im Jahresvergleich um 2,3 Prozent auf 419 Millionen verkaufte Geräte, wie das Marktforschungsunternehmen Gartner berechnete. Die Smartphones machen inzwischen 36,7 Prozent des Marktes aus. Ihre Verkäufe stiegen um 42,7 Prozent.

Dabei hat sich Samsung inzwischen endgültig zu einer Supermacht im Mobilfunk-Geschäft entwickelt. Im gesamten Handy-Markt führen die Südkoreanern mit einem Anteil von 21,6 Prozent. Bei den lukrativen Smartphones haben sie mit dem Start des neuen Top-Modells Galaxy S3 einen besonderen Sprung gemacht: Mit 45,6 Millionen Geräten kamen rund 30 Prozent der weltweit abgesetzten Computer-Telefone von Samsung.

Ein Grund für diese klare Führung ist auch, dass viele Apple Fans auf das nächste iPhone warten, das im Herbst erwartet wird. Apple hielt fest den zweiten Platz im Smartphone-Markt mit einem leicht gestiegenen Marktanteil von 18,8 Prozent. Entsprechend eng ist es für alle anderen: Apple und Samsung halten zusammen rund die Hälfte des Marktes. Kein anderer Hersteller kommt auch nur nahe an die Marke von zehn Prozent heran, betonte Gartner-Analyst Anshul Gupta am Dienstag.

Die besten Smartphones im Überblick
Nokia Lumia 800/900 Quelle: REUTERS
A model displays HTC One X during a press conference in Taipei, Quelle: dapd
A worker moves an advertisement for the Samsung Galaxy SIII smartphone Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy S2: Der Blick-FängerDer Vorgänger, das Samsung Galaxy S2, ging bereits weg wie warme Semmeln. Die Zehn-Millionen-Marke beim Verkauf hatte Samsung für Ende 2011 angepeilt, aber schon im September geschafft. Im April 2012 waren es bereits 20 Millionen verkaufte Geräte. Trotz des Riesendisplays ermöglicht das Top-Gerät knapp sechs Stunden Dauertelefonieren. Wegen seines Plastikgehäuses wirkt das extrem schlanke Handy allerdings nicht sehr wertig und fast schon zerbrechlich. Technik, Preis:Google Android 2.3 Elf-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte neun Millimeter dick Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 440 Euro Quelle: Pressefoto
Huawei Ascend P1s Quelle: Pressebild
Apple iPhone 4 S - Das DesignerstückDas Gerät, an dem sich alle anderen messen lassen müssen, ist dagegen schon seit Oktober 2011 in Deutschland in den Läden. Obwohl das Smartphone
Sony Xperia S Quelle: dapd


Nokia ist der große Verlierer in der aktuellen Statistik: Im gesamten Markt bleibt der langjährige Spitzenreiter mit einem Anteil von 19,9 Prozent zwar relativ nahe an Samsung dran. Bei den Smartphones mit ihren hohen Margen sieht es jedoch düster aus: Der Marktanteil des betagten Symbian-Systems brach von 22,1 auf 5,9 Prozent ein. Die neuen Lumia-Smartphones haben zwar nahezu im Alleingang erstmals den Marktanteil von Microsofts Windows-Phone-Plattform steigen lassen - es ist aber nur eine Verbesserung von 1,6 auf 2,7 Prozent. Die Symbian-Lücke ist damit lange nicht gestopft. Allerdings erwartet Nokia im Herbst mit dem Start von Windows Phone 8 eine weitere Produkt-Offensive.

Thorsten Heins, CEO von Research in Motion (RIM), gibt bekannt, dass das Blackberry 10 ab 2013 zu haben ist. Foto: dapd Quelle: dapd


Im gesamten Handy-Markt Apple belegt mit seinem iPhone fest Platz drei mit 6,9 Prozent. Rang vier gehört inzwischen dem chinesischen Hersteller ZTE, der seinen Marktanteil von 3 auf 4,3 Prozent steigern konnte. Der Grund für den Rückgang des Marktes insgesamt im zweiten Quartal in Folge sei, dass weniger Kunden ihre alten Handys durch neue einfache Geräte ersetzen, erläuterte Gupta. Und nicht alle von ihnen stiegen sofort auf Smartphones um. Mit dem nächsten iPhone und erwarteten neuen Geräten anderer Hersteller dürfte der Markt zum Jahresende aber wieder in Gang kommen.

Bei den Smartphones führt weiterhin klar das Google-Betriebssystem Android mit 64,1 Prozent. Vor einem Jahr lag der Android-Marktanteil noch bei 43,4 Prozent. Damit kommen die Android-Geräte und das iPhone zusammen auf knapp 83 Prozent und lassen anderen Systemen immer weniger Raum. Besonders drastisch sackte der Blackberry-Anbieter RIM ab: auf 5,2 Prozent von 11,7 Prozent vor einem Jahr.

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