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Künstliche Intelligenz Watson Warum sich IBM zur Öffnung seiner KI zwingt

Künstliche Intelligenz Watson: Warum IBM seine KI öffnet Quelle: imago images

IBM öffnet seine Künstliche Intelligenz namens Watson nun auch für den Gebrauch auf konkurrierenden Cloud-Plattformen wie Amazon und Microsoft Azure. Gänzlich aufgeben will der Konzern seine einstige Exklusivstrategie allerdings noch nicht.

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Für IBM ist es ein Kulturwandel. Auf seiner Kundenmesse Think in San Francisco hat Big Blue am Dienstag bekanntgegeben, Teile seines Künstlichen Intelligenz Programms namens Watson künftig auch für konkurrierende Cloud Plattformen wie Amazon Web Services und Azure freizugeben. Kunden können sie außerdem in ihren eigenen Datenzentren einsetzen.

„Es ist damit die offenste und skalierbarste Künstliche Intelligenz (Plattform) in der Welt“, behauptet IBM-Chefin Ginni Rometty.

Bislang hatte Rometty darauf beharrt, Watson für den eigenen Cloud-Service zu reservieren, um sich mit der jahrelang mit Milliarden von Dollar gepäppelten Initiative vom Wettbewerb abzusetzen. Doch die Strategie ist nicht aufgegangen. Marktführer AWS und Verfolger Azure liefern sich bei den Cloud-Anbietern ein Rennen um die Spitze. IBM kommt bestenfalls auf Rang drei und wird von Google Cloud, Alibaba und Oracle bedrängt.

Da alle Wettbewerber ihre eigenen Initiativen für maschinelle und Künstliche Intelligenz vorantreiben und vor allem Amazon und Microsoft über wesentlich höhere Marktanteile bei der Cloud Infrastruktur verfügen und so den Fluss der Daten mehr und mehr an sich ziehen, entpuppt sich die Exklusivität nicht nur als Wachstumshemmnis, sondern mehr und mehr als Gefahr. „Wir müssen dahin gehen, wo die Daten unserer Kunden liegen“, erklärt Hillery Hunter, Technologiechefin der IBM Cloud den neuen Pragmatismus.

Rometty steuert mit der 34 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Open Source Dienstleisters Red Hat bereits gegen den Bedeutungsverlust. Der Zukauf soll endlich den Umsatz nennenswert voranbringen, der seit 2011 schrumpft. Zwar gelang im vergangenen Jahr ein leichter Zuwachs beim Umsatz – dank der besseren Zahlen in Europa. Doch mit knapp 80 Milliarden Dollar ist der Konzern weit von den 106 Milliarden Dollar Umsatzrekord von 2011 entfernt und zurück auf dem Stand der Neunziger Jahre. Damals war der Wegbereiter des Personalcomputers hauptsächlich ein Hardwareaanbieter, inzwischen ist das Unternehmen auf Software und Services fokussiert.

Der Gewinn legte im vergangenen Jahr zwar um rund 50 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar zu, beträgt damit aber immer noch nur etwa die Hälfte von 2011.

Rometty argumentiert damit, dass Cloud Computing noch immer in den Kinderschuhen stecke und bislang vor allem für das günstige Speichern und Abfragen von Daten genutzt wird. IBM sieht das eigentliche Wachstumsgeschäft im Vernetzen, Integrieren und Analysieren der Daten für Geschäftsanwendungen.

Ironischerweise wirbt IBM damit, mit der neuen Offenheit seinen Kunden das sogenannte „Vendor Lock-in“ ersparen zu wollen, die Abhängigkeit von einem Anbieter. Also genau das, was es ursprünglich selbst vorhatte.

Noch ist IBM nicht bereit, ganz auf seine teure Geheimwaffe zu verzichten. Zunächst sollen nur bestimmte Watson-Dienste offeriert werden, verbunden mit der Botschaft, dass Watson sein volles Potential nur auf der Infrastruktur des Technologiekonzerns entfalte. Den Start macht das Angebot WatsonAssistant, das die Entwicklung von digitalen Assistenten wie Chatbots ermöglicht. Sowie Watson Open Scale, welches die Koordination von Diensten mit Künstlicher Intelligenz erlaubt.

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