Kurznachrichtendienst Wofür Twitter 1,3 Milliarden Dollar braucht

Twitter hält die Hände auf: Der Kurznachrichtendienst will sich 1,3 Milliarden Dollar von Investoren leihen – mindestens. Das Mittel der Wahl sind Wandelanleihen. Was es damit auf sich hat.

Wofür Twitter 1,3 Milliarden Dollar braucht Quelle: AP

Nach dem Börsengang im November vergangenen Jahres zapft Twitter nun erstmals den Anleihemarkt an. Bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar will der Kurznachrichtendienst einnehmen. Dafür sind zwei Wandelanleihen geplant, jeweils mit einem Volumen von rund 650 Millionen Dollar. Gezeichnet werden dürfen sie von institutionellen Investoren.

Einen Zins wird es erst bei der endgültigen Preissetzung geben, aber die Laufzeiten bis 2019 beziehungsweise 2021 sind überschaubar. Da es sich um Wandelanleihen handelt, können diese unter bestimmten Voraussetzungen in Aktien von Twitter umgewandelt werden. Aktionäre sind nicht erpicht auf die neuen Anteilseigner, entsprechend fielen die Papiere am Mittwoch um rund 1,5 Prozent.

Was will Twitter mit einer Wandelanleihe?


Der Anleihemarkt ist zuletzt für Unternehmen immer attraktiver geworden. Die Investoren sind auf der Suche nach einigermaßen erfreulichen Renditen. Unternehmen können sich so günstig refinanzieren. Allein US-Technologieunternehmen haben in diesem Jahr bereits rund 57 Milliarden Dollar in Form von Anleihen ausgegeben.

Auch Suchmaschinen-Gigant Google gab im Februar erstmals seit langem neue Anleihen aus, um rund eine Milliarde Dollar an fällig werdenden Schulden zu refinanzieren.

Steigende Umsätze, weitere Verluste

Die Bitte um Geld kommt in einer Phase, in der das Unternehmen auf den ersten Blick gut aufgestellt scheint. Zuletzt hatte Twitter es endlich geschafft, auch mit Werbung gutes Geld zu verdienen: Knapp 594,5 Millionen Dollar machte der Kurznachrichtendienst 2013 mit Werbung. 2011 waren es gerade einmal 77,7 Millionen Dollar.

Das Wachstum hält an. Im zweiten Quartal 2014 kletterte deshalb der Gesamt-Umsatz auf 312 Millionen Dollar – ein Plus von 124 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem schreibt das Unternehmen weiter rote Zahlen, verliert vierteljährlich weitere Millionen. Und Experten gehen nicht davon aus, dass der Dienst noch in diesem Jahr profitabel wird.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Deshalb sucht Twitter weitere Einnahme-Quellen. Vor wenigen Tagen startete der Nachrichtendienst einen Testlauf mit einem „Buy-Button“. In den USA bekommen derzeit einige Nutzer Tweets mit Produkten angezeigt, die sie dann per Mausklick direkt bestellen können. Der Bezahlvorgang ist einfach, Nutzer müssen die Seite dafür nicht verlassen. Bislang nimmt Twitter für den Service keine Provision von den Händlern. Das wird sich ändern, wenn das Pilotprojekt erfolgreich ist, glauben Branchen-Kenner.

Wichtiger scheint für Twitter auch ein weiteres, schnelleres Wachstum. Um neue Nutzer zu locken, experimentiert der Dienst gerade damit Nachrichten nicht mehr streng chronologisch anzuzeigen. Aussehen und Bedienung des Kurznachrichtendienstes würden so näher an das bei der Masse beliebtere und finanziell erfolgreichere Facebook rücken.

Millionen für Start-Ups

Zudem ist das US-Unternehmen auf großer Einkaufstour. Ende Juli schluckte Twitter Madbits, ein auf intelligente und dynamische Suche in Fotos und Videos spezialisiertes Start-Up. Zudem holte sich Twitter im gleichen Monat mit TapCommerce einen Dienstleister für die gezielte Wieder-Ansprache von Werbekunden ins Boot. Nur wenige Wochen zuvor hatte das Unternehmen bereits verkündet, SnappyTV übernommen zu haben. Der Dienst ist auf das Bearbeiten und Teilen von Video- und TV-Inhalten im Web spezialisiert.

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Mit den Zukäufen stellt sich Twitter in den Wachstumsbereichen Foto und Video stärker auf, um neue Nutzer zu gewinnen. Es versucht auch, mit den alten mehr Geld zu machen. Doch die Investitionen kosten. Allein für Madbits sollen laut Insidern 100 Millionen Dollar geflossen sein.

Mit 1,3 Milliarden Dollar aus den Anleihen auf der hohen Kante dürfte Twitter seine gezielte Expansion auch in Zukunft fortsetzen können. Zu den genauen Plänen, was mit den Emissionserlösen geschehen soll, schweigt der Dienst beharrlich.

Eine Riesen-Investition wie zuletzt etwa von Amazon in den Video-Streaming-Dienst Twitch (970 Millionen Dollar) scheint unwahrscheinlich. Twitter dürfte sein Kerngeschäft nicht um eine zusätzliche Komponente erweitern, sondern weiter verfeinern.

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