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Lebensmittel-Start-ups Metro und Eurowings suchen innovative Bord-Verpflegung

Die Airline Eurowings und Metro fördern gemeinsam Lebensmittel-Start-ups. Dabei geht es auch um die Frage, was wir in Zukunft essen werden.

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Lufthansa: Metro und Eurowings suchen innovative Bord-Verpflegung Quelle: dpa

Berlin/Düsseldorf Tomatensaft, Cola und Gin-Tonic werden bei jedem Langstreckenflug ausgeschenkt. Doch geht es nach dem Handelskonzern Metro könnte das kulinarische Angebot im Flieger künftig um kaltgepresste Hanflimonade etwa veganen Algenspeck ergänzt werden.

Diese kuriosen Lebensmittel gehören zu den Produktideen, die im NX Food Hubs des Handelskonzerns Metro ausgetestet werden. Der Hub ist eine Plattform für Start-ups im Austausch mit Wissenschaft und Forschung, die nach den Lebensmitteltrends der Zukunft sucht. Am Freitag hat der Konzern nun eine Kooperation mit der Fluggesellschaft Eurowings und dem Bordservice-Dienstleister Retail Inmotion bekannt gegeben.

Dabei sollen sich Start-ups im Lebensmittelbereich für eine dreimonatige Testphase bewerben, in denen ihre Produkte in das Bordbistro aufgenommen und bei Erfolg dauerhaft gelistet werden. Bis zu vier Jungunternehmen sollen die Möglichkeiten erhalten, erklären die Kooperationspartner.

Programmanager hält Fluggäste für das geeigneten Testverkoster: „Viele Passagiere sind gerade an Bord eines Flugzeuges offen für Neues und können sich auch die Zeit nehmen.“

Damit könnten Produkte wie Hanflimonade oder Algenspeck tatsächlich bald zum Tomatensaft gereicht werden. Aber ist das Ganze wirklich mehr als ein Marketing-Gag?

Der Metro-Hub wurde ins Leben gerufen, um Food-Tech und Innovationen im Lebensmittelbereich weiterzudenken, erklärt Programm-Manager Clément Tischer: „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Partnern und Start-ups neue Lebensmittellösungen in den Alltag der Menschen zu bringen.“

Es ginge auch um eine Demokratisierung der Geschmäcker, meint Tischer. Die teilnehmenden Start-ups können dann ihre Produkte zum Beispiel im „Start-up-Regal“ den Kunden in Geschäften des Konzern anbieten.

So verkauft das Pforzheimer Start-up Plumento Foods seit Anfang März an einem Standort in Düsseldorf Nudeln aus Insektenproteinen. Zu den Partner des Hubs zählt auch das Berliner Start-up Infarm, das Vertical-Farming-Systeme anbietet und zuletzt knapp 20 Millionen Euro an Finanzierung unter anderem von Cherry Ventures erhalten hat.

Unter den Produktideen sind auch ausgefallenere Varianten: Zum Beispiel eben die kaltgepresste Hanflimonaden, Algenpasta, veganer Algenspeck oder Burger-Patties aus Insekten.

Start-ups spielten einen wichtige Rolle im Bereich der Lebensmittel der Zukunft, bestätigt Ernährungswissenschaftlerin Yildiz: „Viele Start-up Gründer sind unzufrieden mit der bisherigen Produktauswahl und Produktion.

Sie bringen daher automatisch Potential mit, sich mit neuen Fragestellungen auseinanderzusetzen und zukunftsweisendere Lebensmittel zu entwickeln und dann auch zu vertreiben.“

Lebensmitteltrends sind ebenso wie Modetrends extrem kurzlebig. Es sei schwierig einzelne Trends für die Zukunft zu benennen, sagt auch Juliane Yildiz, Ernährungswissenschaftlerin an der Universität Gießen: „Trends auf dem Lebensmittelmarkt werden die Vielfalt an Lebensstilen auch aufgreifen.“

Produktionsprozesse würden von Verbrauchern zunehmend kritisch hinterfragt und die Lebensmittelproduzenten reagierten darauf, meint Yildiz: „Vor dem Hintergrund einer ethisch-moralischen Diskussion darüber, was wir eigentlich noch essen dürfen, zum Beispiel wegen der Massenproduktion und ihre Auswirkungen auf die Umwelt, wird die Entwicklung fleischloser Alternativen und die Fokussierung auf pflanzliche Lebensmittel weiterhin eine große Rolle spielen.“, ist die Expertin überzeugt.

Schon heute kämpfe die Welt mit Ressourcenknappheit, verteidigt Tischer die Insekten-Pasta: „In Zukunft benötigen wir also eine für Mensch und Umwelt gesunde und nachhaltige Ernährung.

Alternative Proteinquellen basierend auf Pflanzen, Algen, Pilzen aber auch Insekten stellen im Vergleich zu bisherigen tierischen Eiweißquellen eine nährstoffreiche Möglichkeit dar, den Fleischkonsum zu reduzieren und die Abhängigkeit der ressourcenlastigen Viehwirtschaft zu verringern.“

Viele Ernährungsexperten geben ihm da recht. Jetzt muss nur noch der Konsument überzeugt werden: Laut einer YouGov-Umfrage aus dem vergangenen Jahr lehnen 54 Prozent der Befragten den Verzehr von Produkten aus Insekten ab.

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