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Memo aus 2016 Facebook-Abteilungsleiter verteidigt für Wachstum alle „fraglichen“ Praktiken

Ein Vice President von Facebook rechtfertigt in einem geleakten Memo von 2006 alle „fraglichen“ Praktiken des sozialen Netzwerks. Jetzt rudert er zurück.

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Der Datenskandal um den Internetkonzern sorgt weiter für Furore. Nun zeigt ein internes Memo, dass bereits 2016 über „fragliche Praktiken“ gesprochen wurde. Quelle: dpa

Palo Alto In einem internen Memo rechtfertigt sich Facebook-Mitarbeiter Andrew „Boz“ Bosworth gegenüber den Mitarbeitern für die „fraglichen“ Praktiken des Internetriesen. „Alles was wir tun um Menschen zu verbinden, ist *de facto* gut“, schrieb er demnach 2016. Das Memo wurde jetzt auf der Nachrichtenseite Buzzfeed geleaked.

Boz ist seit 2006 bei Facebook beschäftigt und war Miterfinder der News-Feed und Gruppen-Funktion. Derzeit ist er Vice President für Augmented- und Virtual Reality.

„Wir verbinden Menschen. Punkt“, so Boz. Menschen zu verbinden, das sei nichts, das Facebook für sich selbst oder seinen Marktwert tue, sondern schlicht die oberste Aufgabe des sozialen Netzwerks. Diese Aufgabe bringe jedoch auch Kehrseiten mit sich, die Boz als „the ugly“, also „das Hässliche“, bezeichnet.

Jedes Mittel sei recht, damit Facebook weiter wächst – auch ein verlorenes Menschenleben, so der Vize-Chef. Zwar könne es vorkommen, dass Facebook Raum für Mobbing bietet oder unter Umständen für die Organisation eines Terroranschlags missbraucht wird. Trotzdem würden auch solche Vorfälle dem Wachstum von Facebook helfen und seien somit legitimiert.

Unter dieser Prämisse sei auch jede Arbeit des Konzerns gerechtfertigt – auch die „fragwürdige Kontakt-Import-Funktion“, denn auch diese stelle mehr Kommunikation zwischen den Menschen her.

Laut einem Mitarbeiter, der mit Buzzfeed gesprochen hat, war der Post von Boz kontrovers, stieß aber auch auf Zustimmung. Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte gegenüber Buzzfeed, dass er zwar mit den Inhalten des Memos nicht übereinstimmt, Boz dennoch für eine „talentierte Führungskraft“ halte, „die oft provozierende Dinge sagt“.

Auf Twitter distanzierte sich Boz nun von dem damaligen Memo. Er sagte, weder damals noch heute stünde er hinter dem, was er schrieb. Es hätte lediglich provozieren sollen und eine Diskussion in Gang bringen.

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