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Michael Dell "Der PC ist nicht tot"

Der Chef des gleichnamigen PC-Herstellers kritisiert nach seinem Abschied vom Parkett den US-Börsenkapitalismus – und greift die IT-Ikonen IBM und Hewlett-Packard an.

Foto von Michael Dell

WirtschaftsWoche: Mr. Dell, Ende Oktober 2013 haben Sie Ihr Unternehmen – wie zuvor angekündigt – zurückgekauft und von der Börse genommen. Welche Erfahrungen haben Sie seitdem gemacht?
Michael Dell: Der Schritt hat uns vor allem ermöglicht, unser Handeln wieder mittel- und langfristig auszurichten. Nehmen Sie ein börsennotiertes Unternehmen in der Größe von Dell, das einen Quartalsumsatz von 15 Milliarden Dollar und einen Gewinn von einer Milliarde erzielen soll. Praktisch alle Manager und Führungskräfte fokussieren sich dann im 90-Tages-Rhythmus nur auf ein Ziel: die Quartalszahlen.

Was soll daran schlecht sein, Dell war doch in den Neunzigerjahren und Anfang des Jahrtausends selber ein Börsenstar?
Das kann zu guten Ergebnissen führen, aber auch zu weniger guten. Beides zeigt Dell. Denn die Manager in börsennotierten Unternehmen denken möglicherweise kaum noch darüber nach, welches Neugeschäft sie in einem oder in zwei Jahren starten könnten. Das würde ja Investitionen und Ausgaben erfordern, die kurzfristig an die Profitabilität und die Dividende gehen. Der Chef eines solchen Unternehmens erfährt gar nicht von all den guten Ideen um ihn herum, weil er sich ebenfalls völlig auf die Quartalszahlen konzentriert.

Das ist bei Ihnen jetzt also anders?
Ja. Indem wir uns aus diesem – ich würde es fast Gefängnis nennen – befreit haben, können wir viel besser mit Kunden und Partnern zusammenarbeiten und mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Dadurch wachsen wir tatsächlich schneller. Unser Geschäft in Deutschland beispielsweise wächst aktuell mit zweistelligen Raten. Und global betrachtet wachsen wir schneller als alle anderen großen integrierten IT-Anbieter wie IBM oder HP. Wir haben zuletzt in sechs Quartalen hintereinander im PC-Geschäft Marktanteile hinzugewonnen. Die Börsen spielen eine wichtige Rolle, aber ich bin sehr froh, dass wir nun ein privates Unternehmen sind.

Die größten Computerhersteller der Welt
Platz 5: AsusDer Konzern aus Taiwan konnte um 16.9 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2013 zulegen. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 mit 7,3 Prozent aber trotzdem am Schluss des Rankings des Marktforschungsunternehmens Gartner. Apple ist im PC-Geschäft immer noch nicht groß genug, um unter die Top 5 Anbieter zu kommen. Quelle: AP
Platz 4: AcerMit 8,6 Prozent Marktanteil im dritten Quartal 2014 landet die ebenfalls taiwanische Konkurrenz Acer Group auf dem vierten Platz. Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 verkaufte Acer 9,0 Prozent mehr PCs. Dem Marktforschungsunternehmen zufolge sanken die Computer-Verkäufe im letzten Jahr, unabhängig vom betrachteten Hersteller, in allen Regionen der Welt um 0,5 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 3: DellMit 12,8 Prozent Marktanteil liegt Dell ein ganzes Stück weit hinter den beiden Erstplatzierten. Die weltweiten PC-Verkäufe legten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,7 Prozent zu. Eine gute Bilanz für den ehemaligen Branchenprimus aus Texas. Quelle: REUTERS
Platz 2: HPDer langjährige Marktführer Hewlett-Packard musste sich erneut der Konkurrenz aus China geschlagen geben. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 bei 17,9 Prozent. Die Marktforschungsfirma Gartner stellte bei dem US-Konzern ein stärkeres Wachstum von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal fest. Quelle: AP
Platz 1: LenovoDer Marktanteil im dritten Quartal 2014 lag bei 19,8 Prozent. In der aktuellen Studie von Gartner liegt Lenovo damit noch vor HP. Der chinesische Konzern hat seine Spitzenposition als der größte PC-Hersteller der Welt weiter ausbauen können: Lenovo steigerte die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11,4 Prozent. Quelle: REUTERS

Hören wir hier Kritik am amerikanischen Wirtschaftsmodell generell heraus?
Ich denke, es existiert ein grundsätzliches Problem mit der Kurzfrist-Ausrichtung. Und das betrifft beileibe nicht nur den Finanzsektor, sondern genauso die Bildung oder die Politik. Überall hat das schädliche Konsequenzen. Ich denke auch, dass dies nicht nur in den USA gilt. Die Börse hat zudem eine Art emotionale Achterbahn in sich. So beklagen seit einiger Zeit die Leute, dass der PC tot sei, was in unseren Augen gelinde gesagt eine Übertreibung ist. Solche Übertreibungen sorgen für große Schwankungen im Unternehmenswert, die in der Realität wenig Sinn ergeben.

Ist Dell der Vorbote eines neuen Trends, dass sich Unternehmen von der Börse abwenden?
Mich hat in der Tat eine ziemlich große Zahl Vorstandschefs kontaktiert, weil sie meine Eindrücke erfahren wollten, wie unser Going-Private funktioniert. Das Interesse ist also definitiv da. Ich kann aber nicht sagen, ob dies ein genereller Trend wird.

Dell ist ein Gigant mit 60 Milliarden Dollar Umsatz, den Sie jetzt wieder wie ein Start-up führen können. War das Ihr Ziel?
Ja absolut. Wir wollten wieder in der Lage sein, risikoreicher zu agieren, in neue Märkte zu investieren und uns schneller zu bewegen.

Was machen Sie heute anders oder besser, das früher nicht ging?
Wir haben eine große Zahl neuer Geschäftszweige...

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