Michael Halbherr im Interview Nokias Kartendienst: "Wir haben keine andere Wahl"

Exklusiv

Der Nokia-Vorstand, zuständig für das Kartengeschäft des Konzerns, sieht keine Alternative: Er muss den teuren Service für Konkurrenten öffnen.

Michael Halbherr Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Halbherr, wie wichtig sind Landkartendienste für mobile Internet-Geräte?

Michael Halbherr: Sie sind ein Muss. Denn nach Web 2.0 sind lokationsbasierte Dienste der nächste große Trend, der das Internet neu definieren, virtuelle Welten und die Realität stärker zusammenbringen wird. Ob Reise, Handel, Suche oder Kommunikation, das Wissen um den Standort bringt dort eine neue Qualität, mehr Relevanz rein. Man verkauft heute kein Handy mehr ohne einen Kartenservice.

Wie will Nokia wieder in die Weltspitze aufsteigen?

Wir sind in der Weltspitze mit unseren Geräten. Wir haben das beste Kamerahandy und das mit dem besten Kartenservice, neben ausgezeichneter Hardware und kontaktlosem Aufladen. Das müssen wir nun kommunizieren. Man darf nicht nur auf die Marktanteile schauen. Sondern, ob man Geräte mit hohen Margen verkaufen kann. Ich glaube, dass sich die Mobilfunkbranche – ähnlich den Fahrzeugherstellern – segmentieren wird. Es wird also Hersteller geben, deren Produkte sich durch besondere Attribute auszeichnen.

Ein guter Kartenservice muss ständig aktualisiert werden. Wie teuer ist das?

Die Fixkosten sind extrem hoch. Wir haben weltweit 6500 Leute im Kartenbereich. Etwa 5000 beschäftigen sich damit, dass die Daten immer präzise und aktuell sind. Ich sage immer, dass man keine gute Applikation bauen kann, wenn die darunter liegenden Daten schlecht sind. Das rechtfertigt den Aufwand. Google weiß das, und auch Apple hat es erkannt.

Die neuen Geräte mit Windows 8
Laptop oder Tablet-Computer? Was das IdeaPad Yoga 13 von Lenovo ist, hängt davon ab, wo Nutzer den Bildschirm hindrehen. Denn der lässt sich nicht nur im 90-Grad-Winkel aufstellen, sondern komplett umklappen. Im Vergleich zu Geräten wie dem iPad ist das IdeaPad jedoch relativ groß und schwer: Es misst 13 Zoll und wiegt 1,5 Kilogramm. Auch der Preis von rund 1300 Euro ist stattlich. Alternativ bietet sich das Lenovo Ideapad Yoga 11 (im Bild) an. Das Gerät ist mit seinem 11-Zoll-Bildschirm deutlich handlicher und mit 1300 Gramm auch etwas leichter. Kostenpunkt: 799 Euro. Quelle: dpa
Fliegender Wechsel: Das Vaio Duo 11 lässt sich mit einer Schiebebewegung vom Ultrabook zum Tablet verwandeln. Das flache, leichte und leistungsfähige Gerät hat allerdings seinen Preis: Sony vermarktet es ab 1200 Euro – auch für ein Ultrabook ist das nicht gerade günstig. Quelle: Sony
Premiere für Microsoft: Der Konzern beschränkte sich bislang auf die Rolle des Software-Lieferanten, jetzt bringt er mit dem Tablet-Computer Surface auch eigene Hardware heraus. Installiert ist Windows 8 RT, das für Geräte mit den stromsparenden ARM-Prozessoren konzipiert ist. In den USA kommt das Surface zu Preisen ab 500 Dollar auf den Markt, damit kostet ähnlich viel wie das iPad, bietet aber mehr Speicher. Doch es gibt Alternativen zum Microsoft-Flachmann. Quelle: Reuters
Ein klasisches Tablet hat auch Asus entwickelt, das VivoTab, das es mit WLAN wie auch mit UMTS-Anschluss gibt. Über ein verdecktes Scharnier lässt sich jedoch eine Tastatur mit Zusatz-Akku anschließen. In der günstigsten Version kostet das VivoTab rund 600 Euro, im Paket mit der Docking-Station 730 Euro. Auf diese Doppellösung sind auch andere Hersteller gekommen. Quelle: PR
Drehen, klappen, fertig: Das XPS 12 von Dell wird mit wenigen Handgriffen vom Ultrabook zum Tablet-Computer. Da es sich um ein vollwertiges Notebook handelt, ist nicht das abgespeckte Windows 8 RT an Bord, sondern die volle Version. Das Tablet-Notebook soll in Deutschland ab 1000 Euro kosten. Quelle: PR
Ein Konvertit ist der Ativ Smart PC von Samsung: Der Tablet-Computer lässt sich mit Fingergesten oder einem Stylus bedienen, wird aber mit einer Anstecktastatur zum Laptop. Der koreanische Konzern vermarktet eine ganze Reihe von Geräten unter dem Namen Ativ, darunter ein Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8. Quelle: dpa
Ein klassisches Tablet ist das Elitepad 900 von Hewlett-Packard. Mit einen 10,1 Zoll großen Bildschirm ähnelt seine Größe dem iPad. Wer komfortabel damit arbeiten will, kann ihn mit sogenannten Smart Jackets erweitern, etwa um eine Tastatur oder einen Ständer mit diversen Schnittstellen und einem Zusatzakku. Zudem gibt es eine Docking-Station, die das Tablet zum zweiten Bildschirm eines PCs macht. Das Elitepad 900 kommt im Januar 2013 in den USA auf den Markt. Zum Preis hat sich HP noch nicht geäußert. Quelle: PR

Google ist sehr stark im Kartenservice. Wie unterscheidet sich Nokia hier von Google?

Wir sind ganz klar ein sogenanntes pure play. Wir machen keine Auflagen. Wer bei uns Karten und Inhalte lizenziert, muss keine Suchfunktion dazunehmen. Wir schreiben keine Geschäftsmodelle vor. Wir lizenzieren Daten und Inhalte an alle, ohne Einschränkungen. Wer nur Inhalte haben will und die Karten der Konkurrenz nutzen will, kann das tun. Unsere Karten kann man aufs Gerät laden und mit Daten aus dem Internet kombinieren – das ist in der Form einzigartig. Letztlich sind wir mit unserer Navigation in über 100 Ländern aktiv und haben starke Beziehungen zu Autoherstellern.

Was hat Nokia im Kartenservice überhaupt noch exklusiv, da Sie den Bereich ja auch Ihren Wettbewerbern öffnen?

Wir machen Einschränkungen bei den Applikationen. Bestimmte Anwendungen wie beispielsweise Citylens, bei denen nützliche Informationen über den aktuellen Ort live im Vorschaubild der Handykamera eingeblendet werden, sind Nokia-Geräten vorbehalten. Andere Applikationen wird es nur für die Windows-Plattform geben.

Was die neuen Smartphones bieten
Samsung hat auf der IFA das Galaxy Note 2 vorgestellt. Der Nachfolger des Galaxy Note der ersten Generation läuft bereits mit Android 4.1alias Jelly Bean, hat einen schnelleren Prozessor, ein größeres Display und eine verbesserte Stiftbedienung erhalten. Das Display mit Super-Amoled-Touchscreen misst jetzt 5,55 Zoll in der Diagonalen. Beim Vorgänger waren es noch 5,3 Zoll.  Quelle: dapd
Vor allem die Stiftbedienung will Samsung bei dem Galaxy Note 2 verbessert haben. Der erweiterte S Pen soll präziser sein und arbeitet druckempfindlich. Es handelt sich dabei um einen Digitizer-Stift von Wacom. Ab einer Entfernung von 14 mm vom Display kann er zur Bedienung verwendet werden. Auch sonst denkt der Stift jetzt mit: Wird es aus seinem Schacht gezogen, startet automatisch die passende Stiftanwendung. Das Galaxy Note 2 soll im Oktober auf den Markt kommen. Samsung selbst nannte keinen Preis, der Vorgänger kostete 700 Euro ohne Vertrag. Wie das Portal golem.de berichtet, soll ein Preisschild auf dem Vodafone-Messestand einen Preis von 640 Euro ohne Vertrag zeigen. Quelle: dpa
Doch das Galaxy Note 2 ist nicht die einzige Smartphone-Neuheit von Samsung auf der diesjährigen IFA. Die Koreaner haben auch das Ativ S vorgestellt, das erste Samsung-Smartphone mit dem Betriebssystem Windows Phone 8. Das ist Fakt, ansonsten ist noch relativ wenig über das Ativ S bekannt. Das Gerät soll über einen nicht näher benannten Dual-Core-Prozessor mit 1,5 GHz und 1 Gigabyte RAM verfügen. Es ist mit einem 4,8 Zoll großen HS-Super-Amoled-Display ausgestattet, die Auflösung sollte dem Namen nach bei 1.280 x 720 Pixel liegen. Quelle: rtr
Soviel ist klar: An der Windows Phone 8-typischen Kachel-Optik wird sich nichts ändern. Das Bild zeigt auch eine 1,9-Megapixel-Kamera an der Vorderseite zur Video-Telefonie, hinten gibt es eine 8-Megapixel-Kamera. Laut eigenen Angaben will Samsung das Ativ S in zwei Varianten anbieten, mit 16 und 32 Gigabyte Flash-Speicher. Zudem gibt es einen Steckplatz für MicroSD-Karten. Preise und ein Datum für den Marktstart nennt Samsung noch nicht. Quelle: Presse
Mit dem Desire X nimmt HTC ein weiteres Mittelklasse-Smartphone in sein Programm auf. In dem Android-Gerät (Version 4.0) arbeitet ein 1 GHz schneller Dualcore-Prozessor. Im Gegensatz zu vielen anderen Smartphones ist der Akku austauschbar. Die große Stärke des Desire X liegt laut HTC in seiner 5-Megapixel-Kamera. Von der reinen Auflösung her bieten andere Hersteller mehr. Aber das Desire X soll auch noch bei schlechten Lichtbedingungen gute Aufnahmen machen. Zudem bietet der von HTC eigens entwickelte Bildsensor gleichzeitig Fotos und Videos aufnehmen können. Wie dann deren Qualität ausfällt, kann jeder Kunde bald selbst ausprobieren: Das Desire X soll noch im September für 299 Euro in den Handel kommen. Quelle: Presse
Das Huawei Ascend D1 Quad XL ist eigentlich ein alter Bekannter. Das Android-Smartphone wurde bereits auf dem Mobile World Congress im Februar 2012 gezeigt, aber seitdem war davon nicht mehr viel zu hören. Nun will Huawei das Smartphone Ende Oktober 2012 in Deutschland anbieten. Ohne Vertrag wird das neue Topmodell 500 Euro kosten. Wer bereits auf der IFA einen Blick auf das Ascend D1 werfen will: Huawei hat seinen Auftritt in Halle 9, Stand 314. Quelle: Presse
Auch LG zeigt zwei neue Smartphones an seinem Stand. Nummer eins ist das Optimus L9, dessen Erscheinungsbild sich an die Vorgänger L5 und L7 anlehnt. Im Gehäuse arbeitet ein 1,0 GHz starker Dual-Core-Prozessor, dem 1,0 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Der interne Speicher ist mit 4 Gigabyte etwas knapp bemessen, lässt sich aber mit MicroSD-Karten erweitern. Das Highlight des L9 soll der „QTranslator“ sein. Das Programm übersetzt 44 Sprachen von einem Foto in die jeweilige Sprache des Nutzers. Erscheinungstermin und Preis gab LG noch nicht bekannt. Quelle: Presse

Für rund 8,1 Milliarden Dollar hat Nokia 2007 den Kartenanbieter Navteq gekauft. Sie geben viel Geld für die stetige Aktualisierung aus. Warum öffnen Sie Ihren Kartendienst Ihren Konkurrenten?

Es gibt strategisch keine Alternative, als sich zu öffnen. Es geht ja nicht um Handys, wir werden auch viel zentraler ins Navigationsgeschäft beispielsweise mit Autos vorrücken. Es ist entscheidend, wer die beste und die populärste Plattform mit den meisten Nutzern hat. Deren Aktivitätsdaten sind sozusagen das Öl des 21. Jahrhunderts. Daraus kann man ganz neue Dienste bauen.

Über Nokia hängen schwarze Wolken. Die Zukunft des Unternehmens wird infrage gestellt. Wie wirkt sich das auf Ihr Tagesgeschäft aus?

Unser Konzernchef Stephen Elop hat einen Koloss sehr schnell sehr flink gemacht. Ich behaupte, dass Nokia inzwischen das größte Startup Europas ist. Ich sage immer etwas salopp, dass man keine Zeit mehr für Bullshit oder lange Diskussionen hat. Diese Dringlichkeit zieht sich durch Nokia. Die Leute, die heute bei Nokia sind, wissen, warum sie da sind.

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