Microsoft Aufsichtrat soll Druck auf Ballmer ausgeübt haben

Der Microsoft-Aufsichtsrat soll den amtierenden Chef Steve Ballmer gebeten haben, früher aus dem Amt zu scheiden. Der wollte den Umstrukturierungsprozess des Konzerns eigentlich länger begleiten. Vor welchen Aufgaben nun der Nachfolger steht.

Aufsichtsratschef Bill Gates soll Steve Ballmer um einen früheren Rücktritt gebeten haben. Quelle: REUTERS

Der Abschied von Microsoft scheint nicht so harmonisch zu laufen, wie Noch-Chef Steve Ballmer es in den vergangenen Tagen in Interviews immer wieder betont hat. Angeblich soll Ballmer nicht vorgehabt haben, sein Amt schon im kommenden Jahr niederzulegen, heißt es im Blog des Wall Street Journal „All Things D“.

Aus Unternehmerkreisen soll durchgesickert sein, dass der 57-Jährige erst 2018 aus Altersgründen zurücktreten wollte. Auch wenn Microsoft sich zu diesem Zeitpunkt mitten in einem wichtigen Transformationsprozess befunden habe. Bisher hatte Ballmer den Wandel des Unternehmens immer als Grund für sein frühzeitiges Ausscheiden genannt.

Nun die Kehrtwende: Um einem „hässlichen Streit unter den Aktionären“ auszuweichen, habe Ballmer sich zu einem früheren Rücktritt entschlossen, heißt es. Der Investor „Valueact Capital“ soll den Rücktritt von Ballmer, einen Aktienrückkauf und eine Erhöhung der Dividende gefordert haben.

Ganz weit hergeholt scheinen die Gerüchten nicht. Erst im Juli 2013 hat Ballmer seine Restrukturierungspläne zu „One Microsoft“ veröffentlicht. Enthusiastisch soll er an die Aufgabe herangegangen sein, das Unternehmen in den Bereichen Hardware, Software und vor allem Service neu aufzustellen. Doch ab dem 11. Juli sei er untypisch ruhig gewesen, heißt es. Angeblich haben unter dem Druck der Investoren der Aufsichtsrat und damit auch der langjährige Freund Ballmers Bill Gates, den Chef zum Rückzug gedrängt. Andere formulieren es moderater: Gates habe nichts dafür getan, um Ballmer zu halten.

Windows 8 im Test - Schocktherapie für Nutzer
Flotter StartZum Start ein Fisch: Windows 8 startete in unserer virtueller Testumgebung auf einem aktuellen iMac innerhalb des Virtualisierungsprogramms Virtualbox binnen Sekunden. Der Fisch zeigt übrigens an, dass es sich um die Consumer-Vorschau-Variante des kommenden Windows-Systems handelt. Schon in der Beta-Version von Windows 7 kam der Kampffisch (Gattung Betta) zum Einsatz, aus der fertigen Version wird er verschwunden sein. Quelle: Screenshot
Wischen ist angesagt!Dann werden wir von einem schicken Login-Screen begrüßt. Nun gilt es bereits, sich dem neuen Windows-Paradigma zu nähern: Wischen statt klicken! Erst nachdem der Login-Screen mittels Wisch-Geste nach oben verschoben wurde, dürfen wir uns einloggen. Damit ist eine der beiden wichtigsten Gesten eingeführt: Das Wischen zum Scrollen von Inhalten. Die zweite wichtige Geste bei Windows 8 ist das einfach antippen einer Schaltfläche - der Doppelklick hat auf der Metro-Oberfläche ausgedient. Übrigens: Wer bei der Installation dem Wunsch von Microsoft widerspricht, sich einen Microsoft-Account für Windows 8 anzulegen, landet nach dem Start direkt auf der Metro-Oberfläche ohne den Login-Screen. Quelle: Screenshot
Kacheln statt FensterUnd dann das: Bunte große Kacheln statt Fenster. Auf einen Blick wird hier deutlich, warum Microsoft-Chef Steve Ballmer Windows 8 als die bislang “riskanteste Produktwette” von Microsoft bezeichnet. Windows 8 ist der bislang größte Traditionsbruch in der Geschichte des Windows-Systems, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1983 zurückreichen. Windows 8 hat sich von Windows Phone 7 inspirieren lassen, damit es sich genauso mittels Touch-Gesten steuern lässt wie mittels Maus auf dem PC. Anwendungen (“Apps”) und Widgets wie das aktuelle Wetter werden als Kacheln dargestellt. Für jede installierte Anwendung hängt Windows 8 eine weitere Kachel auf dem Startbildschirm an. Vorsortiert wird dabei nicht - die Sortierung übernimmt der Nutzer. Quelle: Screenshot
Anwendungen im Metro-GewandEin Klick auf die Kachel Internet Explorer und wir landen in dem Microsoft-Browser in der Metro-Variante. Bislang gibt es nur eine Handvoll mit Windows 8 ausgelieferte Microsoft-Programme, die in dem Vollbild-Metro-Modus laufen. Unter anderem von Googles Webbrowser Chrome und Mozillas Browser Firefox sind Metro-Varianten angekündigt. Ältere Windows-Software sieht dagegen auch unter Windows 8 so aus wie immer - und lässt sich damit per Touch-Bedienung nach wie vor nicht vernünftig bedienen. Anderseits ist die Bedienung der Metro-Programme mit der Maus äußerst gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir eine Webadresse in den Browser eingegeben hatten, ist die Adressleiste plötzlich verschwunden. Erst ein Klick auf den unteren Rand des Fensters bringt sie zurück - und das erst nach einigem Ausprobieren. Alternative: ein Rechtsklick. Quelle: Screenshot
Anfängliche Verzweiflung: Wo geht’s hier raus?Und wie kommen wir nun aus dem Internet Explorer wieder raus? Ein “X” ist nirgendwo zu finden. Die altebekannte Tastenkombination Alt+F4 funktioniert auch nicht. Also schnell gegoogelt. Fazit: Wie bei einem Tablet-Konzept üblich, lassen sich die Metro-Apps gar nicht mehr so einfach beenden. Sie laufen im Hintergrund weiter und werden nur noch ausgeblendet. Und wie blendet man die App nun aus? Bei der Touchbedienung wird von rechts in den Bildschirm gewischt, um die sogenannten Charms - so nennt Microsoft das dann auftauchende Menü - herbeizuzaubern. Doch wie geht das mit der Maus? Erst ein Demonstrationsvideo von Microsoft bringt die Erkenntnis: den Cursor nach ganz unten oder ganz oben links bewegen. Damit werden die Charms rechts (siehe Screenshot) aufgerufen - und damit die Schaltfläche “Start”, um auf die Metro-Oberfläche zurückzukehren. Generell funktioniert mit der Maus vieles anders als mit der Touch-Bedienung - und manches ist auch unnötig verwirrend. Quelle: Screenshot
Zurück zum GewohntenFast wie Windows 7 sieht dagegen der klassische Desktop aus. Zu ihm gelangt der Nutzer jederzeit über den Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche. Hier lässt sich auch wie gewohnt das Dateisystem mittels Windows Explorer durchforsten. Auch ansonsten beruhigt den eingefleischten Windows-Fan hier endlich ein gewohnter Anblick: Im unteren Bereich ist immer noch die Taskleiste, in der links die laufenden Programme und rechts Systemicons wie Lautstärkeregler, Warnungen des Wartungscenters und ein Netzwerk-Symbol angezeigt werden. Quelle: Screenshot
Einfach drauf lostippenHaben Sie beim letzten Bild etwas bemerkt? Ganz wie Windows 7 sah der Desktop doch nicht aus. Was fehlt? Genau, der mit Windows 95 eingeführte Windows-Start-Button ist ersatzlos gestrichen worden. In der ersten nur an Entwickler gerichteten Vorschau von Windows 8 war er noch vorhanden. Wie kommt der Anwender nun an seine Programme? Die Antwort ist für alte Windows-Hasen sehr ungewohnt: einfach drauf lostippen. Das funktioniert elegant und superflink - allerdings nur von der Metro-Startfläche aus, nicht vom Desktop. Wie bisher lassen sich Verknüpfungen auf Programme aber auf den Desktop oder in die Taskleiste legen. Zum Start aller anderen Anwendungen führt nun aber kein Weg am Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche vorbei. Quelle: Screenshot

Bisher hatte Bill Gates seinen Nachfolger immer öffentlich unterstützt. Nach dem Flop des Betriebssystems Windows 8 etwa, lobte er das System und Ballmers Arbeit trotz viel Kritik. Gates hat niemals Zweifel aufkommen lassen.

In der Microsoft-Presseerklärung zu Ballmers Abschied finden sich hingegen eher Formulierungen: „Als Mitglied des Komitees für die Nachfolgeplanung werde ich eng mit anderen Mitgliedern des Aufsichtsrats zusammenarbeiten, um einen großartigen neuen Vorstandschef zu finden“, sagte Gates. „Wir haben Glück, dass Steve auf seinem Posten bleibt bis der neue Vorstandschef seine Aufgaben übernimmt.“

Ballmer selbst sagte gegenüber Cnet, dass Gates nicht versucht habe, seine Entscheidung zu beeinflussen.

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