Microsoft Die Nokia-Übernahme ist krachend gescheitert

Ob Konzernchef Satya Nadella die Handy-Sparte mittelfristig ganz dicht macht oder weiter zukauft, ist noch offen. Einstweilen will er das Smartphone-Portfolio zusammenstreichen – auf wohl nur noch drei Lumia-Modelle.

Windows 10 wird bereits verteilt
Microsoft hat früher als erwartet mit der Verteilung von Windows 10 begonnen. Eigentlich war die Auslieferung für den 29. Juli 2015 geplant. Die Teilnehmer des Windows-Insider Programms Quelle: dpa
Mit Windows 10 stellt Microsoft auf das automatische Einspielen von Funktions-Updates um. Die Updates werden zukünftig ausgeliefert, sobald sie fertig entwickelt sind. Quelle: Screenshot
Crowdsourcing, Windows 10, Microsoft Insider Programm Quelle: Screenshot
Vernetzung, cross-funktionales Arbeiten, Windows 10, Applikationen, gleichzeitig Quelle: Screenshot
Windows 10, Startmenü, Favoriten Quelle: Screenshot
Aktionszentrum, Windows 10, Applikationen, mobile Endgeräte, Smartphone, Tablet, Benachrichtigungen, interaktiv, Umwandlung Text Sprache Quelle: Screenshot
Windows 10, Browser, Microsoft, leistungsstark, Kommentarfunktion, teilen, Lesemodus, Filter, Offlinemodus Quelle: Screenshot
Die Cloudfunktion wird durch eine Autosync – Funktion erweitert. So können Fotos und automatisch erstellte Alben mit anderen Nutzern geteilt werden. Gleiches soll für Musik und die neue Navigationsanwendung gelten. Quelle: Screenshot
Officeanwendung, Applikation, Microsoft, Vollversion, Tablet, Smartphones, kostenfrei, Präsentationsmodus, Powerpoint, Word, Drahtlosverbindung
Nutzerfreundlichkeit, Outlook, Microsoft, Windows 10, Posteingang, Kalenderfunktion, Kategorisierung, Übersichtlichkeit Quelle: Screenshot
Siri, Konkurrenz, Microsoft, Windows 10, Cortana, intelligente Assistentin, Nutzerverhalten, Vorlieben, Angewohnheiten, Unterstützung, Terminorganisation, E-Mail Versand, Internetrecherche, Navigation Quelle: Screenshot
Xbox, Microsoft, Windows 10, Netzwerk, streamen, Mitschnitt, Spielverlauf

Zur Einordnung: Als der damalige Microsoft-Boss Steve Ballmer den Kauf der Handy-Sparte von Nokia im September 2013 ankündigt, beträgt der Kaufpreis nur 5,44 Milliarden Dollar. Der Schritt vom Mittwoch beweist: Das Geschäft hat sich in nicht einmal zwei Jahren derart schlecht entwickelt, dass der heutige Vorstandschef Satya Nadella keinen Ausweg sieht, als das Geschäft komplett abzuschreiben – und sogar darüber hinausgehende Kosten zu verbuchen. Denn schon im vergangenen Jahr hatte Microsoft weltweit 18.000 Jobs vor allem in den zugekauften Geschäftsfeldern gestrichen.

Drastisch formuliert muss man heute konstatieren: Die Nokia-Übernahme ist gescheitert. Weder hat sich der Marktanteil von Microsofts Mobilplattform Windows Phone signifikant gesteigert. Noch ist der Plan aufgegangen, dass Microsoft nach dem Vorbild von Apple als integrierter Anbieter von Hardware und Software aus einer Hand ein besseres Nutzererlebnis erzeugen und so seinen Absatz ankurbeln kann.

Ein Traditionshandy kommt zurück
Nokia Quelle: dpa
Nokia Quelle: REUTERS
„Connecting people“ lautet der Slogan von Nokia. Und in der Tat hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Menschen verbunden – früher mit den ersten, koffergroßen Telefonen für unterwegs, zwischendurch mit Bestsellern wie dem 5110, heute mit den Lumia-Smartphones. Auch wenn Nokia in den letzten Jahren an Marktanteil und Einfluss verloren hat und seine Gerätesparte nun an Microsoft verkauft: Der finnische Konzern hat die Mobilfunkbranche geprägt. Quelle: Presse
Mobira Senator1982 stellte Nokia sein erstes Mobiltelefon vor, das heute nicht besonders mobil wirkt: Das Modell Mobira Senator ließ sich mit einem Tragegriffs aus dem Auto heben. Zumindest wenn man kräftig zupackte, wog das Gerät doch knapp zehn Kilogramm. Nach wenigen Stunden musste es wieder aufgeladen werden. Damals war es indes eine Sensation. Quelle: Presse
MikroMikkoWenig bekannt: Nokia entwickelte bereits in den 1980er Jahren Computer, hier ein Gerät der vierten Generation. Anfang der 1990er Jahre verkaufte das Unternehmen die Sparte aber. Quelle: Presse
Nokia 1011Mit der Zeit wurden die Mobiltelefone immer kompakter – so auch das Nokia 1011, das Ende 1992 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Besonderheit: Es war das erste massentaugliche Gerät, das mit dem Mobilfunkstandard GSM lief. In den Speicher passten 99 Telefonnummern. Quelle: Presse
Nokia 5110Mit dem 5110 wurden die Nokia-Geräte massentauglich – dieses ab 1998 verkaufte Modell sah man überall auf der Straße. Die Vorteile: Es war relativ günstig, nahezu unverwüstlich und ließ sich mit Wechselschalen optisch aufwerten. Zudem hatte es als eines der ersten Handys das Spiel „Snake“ an Bord. Quelle: Presse
Nokia 8110Dieses Handy hat Filmgeschichte gemacht: Im Science-Fiction-Streifen „Matrix“ nutzt der Hacker Neo das Nokia 8110 – unter anderem in der dramatischen Szene, als er vor Agent Smith aus seinem Büro flieht. Weil es im geöffneten Zustand gebogen war, bezeichneten viele das Gerät auch als Bananenhandy. Quelle: Presse
Nokia 9210Nokia entwickelte mit der Modellserie Communicator die ersten internetfähigen Handys – hier die ab 1999 verkaufte Version 9210. Das Gerät vereinte Handy und Organizer, zudem erlaubte es Nutzern, im Internet zu surfen. Erst Jahre später entwickelte die Konkurrenz vergleichbare Modelle. Quelle: REUTERS
Nokia N-GageHandy und Spielkonsole in einem: 2003 brachte Nokia das N-Gage auf den Markt. Das erste echte Spiele-Handy des finnischen Konzerns machte zwar viele Schlagzeilen, fand aber nicht so viele Käufer. Nur wenige Entwickler schrieben Spiele für den Mini-Bildschirm, zudem war das Gerät nicht gerade billig. Geradezu absurd: Um Spiele auszutauschen, musste man den Akku herausnehmen. Nokia stellte die Serie später ein. Quelle: dpa
Nokia 6630Auch mit dem 6630 setzte Nokia Standards: Es handelte sich um das erste Handy der Finnen, das per UMTS ins Internet gehen und so größere Datenmengen herunterladen konnte – so das Netz es hergab. Standardmäßig war auch ein E-Mail-Programm installiert. Außerdem an Bord: eine 1,3-Megapixel-Kamera, die auch Videos aufnimmt, Bluetooth und ein Musik-Player. Für das Jahr 2004 eine beachtliche Ausstattung. Quelle: dpa
Lumia 800Mit der Einführung des iPhone 2007 verlor Nokia den Anschluss. Gegen das Apple-Gerät und die vielen Androiden sahen die Mobiltelefone alt aus, die Entwicklung eines eigenen attraktiven Betriebssystems dauerte zu lange – Nokia verlor immer mehr Marktanteile. Mit Microsoft und dessen Software Windows Phone fand das Unternehmen 2011 einen Partner mit internationalem Gewicht. Das erste Windows-Gerät war das Lumia 800, inzwischen hat der Hersteller eine ganze Palette an Geräten mit dem System entwickelt. Neben Smartphones... Quelle: Reuters
Lumia 2520... hat Nokia erstmals auch ein Tablet im Angebot: Das Lumia 2520 soll mit seiner Andock-Tastatur eine Alternative zum Notebook sein. Ob das Gerät eine Zukunft hat, ist jedoch ungewiss: Microsoft baut mit dem Surface ein ganz ähnliches Produkt – der Software-Konzern übernahm die Nokia-Gerätesparte im Jahr 2013. Das Unternehmen Nokia existiert übrigens weiter, allerdings konzentriert es sich auf Netzwerkausrüstung und digitale Landkarten, Verbraucher werden also nur noch selten direkt mit den Produkten in Kontakt kommen. Quelle: dpa
Lumia 930Es ist so etwas wie das Vermächtnis der finnischen Handyentwickler: Das Lumia 930 ist das letzte Smartphone, das noch von Nokia stammt – nun verkauft es Microsoft. Hier stellt der frühere Nokia-Chef und heutige Microsoft-Manager Stephen Elop das Gerät vor, das unter anderem mit seiner Kamera die Käufer überzeugen soll. Quelle: REUTERS

Bleibt die Frage, wie es mit dem Handy-Geschäft von Microsoft weitergeht. Macht Nadella die krisengeplagte Sparte über kurz oder lang ganz dicht? Immerhin gilt Nadellas Hauptaugenmerk seit seinem Amtsantritt im Februar 2014 vor allem dem Ausbau der Cloud-Aktivitäten von Microsoft und der Stärkung des Windows-Ökosystems insgesamt.

Oder kauft der Microsoft-Chef weiter zu, um das Geschäft zu stärken und doch noch auf einen Wachstumskurs zu treiben? Immer wieder wird in Börsenkreisen etwa Blackberry als mögliches Übernahmeziel der Redmonder genannt. Wobei die Kanadier mit ganz ähnlichen Problemen wie die einstige Nokia-Sparte zu kämpfen haben, nämlich schwindende Stückzahlen und Marktanteile.

Einstweilen will Nadella wohl an dem Handy-Geschäft festhalten, wie er in einer E-Mail an die Microsoft-Beschäftigten beteuert. „Ich bekenne mich weiterhin zu unseren eigenen Geräten inklusive Phones“, lässt er sich darin zitieren – um sodann zu betonen: „Wir müssen unser Handy-Geschäft kurzfristig fokussieren, um es dann neu aufzubauen.“

Dies dürfte vor allem eins bedeuten: Die Zeit eines Gerätezoos mit diversen Microsoft-Lumia-Smartphones dürfte nun zu Ende gehen. Liest man die E-Mail von Nadella genau, kann man erahnen, was kommt: „Wir werden uns auf drei Kundensegmente konzentrieren“, so der Microsoft-Boss.

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Vermutlich gibt es in Zukunft daher nur noch drei verschiedene Lumia-Modelle: Ein Einsteiger-Gerät im Niedrigpreis-Segment, in dem Microsoft bereits heute vergleichsweise erfolgreich ist. Also ein Smartphone für preisbewusste Kunden wie etwa Schüler und Studenten, die mit ihrem Gerät vor allem WhatsApp und Facebook nutzen.

Dann ein Business-Gerät mit mittlerer Ausstattung und mittlerem Preis, das mit der gesamten Palette von Microsoft-Sicherheits- und Office-Apps ausgestattet ist.

Und schlussendlich noch ein Lumia-Flaggschiff für solche Kunden, die sich gerne ein Highend-Gerät mit bestmöglicher Hard- und Software zulegen. Ob dies der Einstieg in den Ausstieg ist, oder doch der von Nadella und seinem Team erhoffte Neustart, muss sich zeigen.

Wie weit sich die Smartphone-Konkurrenz derweil von Microsoft entfernt hat, zeigt eine andere, ebenfalls Mittwochabend verkündete Nachricht: So hat Erzrivale Apple offenbar für die Zeit von Ende September, dem Erscheinen des neuen iPhone 6s, bis zum Jahresende seine Bestellung an die Zulieferer abgegeben: Satte 90 Millionen iPhones wollen die Jungs und Mädels in den etwas mehr als drei Monaten unter die Leute bringen.

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