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Microsoft Ballmer will mit der Xbox Windows 8 pushen

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Schlechtes Händchen

25 Jahre Microsoft Windows
Geburt von MS-DOS
Diskette als Hauptmedium
Gönner IBM
Windows 1.0 Quelle: Microsoft
Windows 3.x
Windows 95
Windows 98, Me, 2000, NT

So gibt es Experten, die glauben, dass Microsoft mit dem uniformen Kachel-Antlitz von Windows 8 durchaus richtig liegt und seiner Zeit nur sehr weit voraus ist. Finanzanalyst Peter Misek von der US-Investmentbank Piper Jaffray hat bereits Mitte 2011 prognostiziert, dass Apple die derzeit unterschiedlichen Betriebssysteme für seine klassischen Rechner der Marke Macintosh, Tablets und Smartphones irgendwann weiter angleichen werde, um die Grenzen zwischen den Geräten aufzuheben. Apple-Designchef Jonathan Ive soll bereits an einer Nutzeroberfläche arbeiten, deren Symbolik angeblich Anleihen am nüchternen Windows 8 nehmen wird.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Microsoft wie jetzt mit Windows 8 ein schlechtes Händchen beim Timing bewies. So hatte Firmengründer Bill Gates zur Jahrtausendwende erstmals Tablet-Computer mit dem Betriebssystem Windows präsentiert. Doch offenbar war das eine Dekade zu früh, wie der Erfolg von Apple seit 2010 zeigt. Auch die Microsoft-Armbanduhren mit dem Betriebssystem Windows, vorgestellt vor gut zehn Jahren, waren ein Flop. Ballmer warf sie 2008 wieder aus dem Programm. Jetzt unternimmt mutmaßlich Apple mit der iWatch einen neuerlichen Vorstoß. Hält Microsoft mit dem einheitlichen Windows 8 für PC, Smartphones, Tablets durch, müssen Apple und Google fürchten, dem Rivalen hinterherhecheln zu müssen. Jedenfalls soll die Xbox dazu beitragen.

Zeit zum Abschiednehmen

Weniger Spuren als bisher von Kritikern vermutet hinterlassen auch die Probleme, die Microsoft in den neuen Geschäftsfeldern Smartphones und Tablets hatte. Denn von der breiten Öffentlichkeit kaum bemerkt, hat der Softwarekonzern begonnen, sich aus der Abhängigkeit von Windows zu lösen. „Microsoft hat bereits vor einiger Zeit begonnen, sein Geschäftsmodell weg von reinen Windows-Lizenzen zu verändern“, sagt Horace Dediu, Industrieanalyst vom IT-Marktforschungshaus Asymco in Helsinki.

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    Tatsächlich steht Microsoft bei den Geschäftszahlen heute so gut da wie noch nie. Der Umsatz ist zwischen 2006 und 2012 von gut 44 auf knapp 74 Milliarden Dollar gestiegen; parallel dazu kletterte der Nettogewinn von rund 12,6 auf gut 17 Milliarden Dollar.

    Gleichzeitig hängen die Einnahmen nur noch zu einem Viertel am Schreibtisch-PC, im Jahr 2006 war es noch zu rund einem Drittel. Heute ist sowohl das Geschäft mit dem Büro-Computerprogramm Office als auch mit Software für größere Rechner (Server) umfangreicher als das traditionelle Windows-Segment mit Privatkunden (siehe Grafik Seite 54). Das bedeutet, Microsoft lebt zunehmend von Unternehmen statt von Endkunden.

    IT



    So hat der Konzern erst kürzlich bei den Geschäftszahlen fürs erste Quartal dieses Jahres mit einem Plus in der Windows-Sparte von 23 Prozent überrascht – und das, obwohl der PC-Markt im gleichen Zeitraum um 14 Prozent eingebrochen ist. „Dies zeigt, dass die Umstellung des Geschäftsmodells bereits funktioniert“, sagt Asymco-Analyst Dediu. Die Abfederung gelinge Microsoft vor allem durch spezielle Softwareabonnements und Upgrade-Programme für Unternehmenskunden, die den Konzern unabhängiger von einzelnen Lizenzverkäufen machen.

    Ballmer bleibt deshalb jetzt nur, auf die Langzeitwirkung der Xbox zu hoffen und parallel dazu an Windows 8 Kinderkrankheiten zu heilen, die den Kunden missfallen. Dazu zählt zum Beispiel, dass ein Windows-8-Nutzer bisher ein Zusatzprogramm benötigt, damit er am klassischen PC direkt nach dem Start in der altgewohnten Oberfläche arbeiten kann.

    Dem Vernehmen nach will Ballmer eingefleischten Windows-Nutzern beim nächsten Update sogar anbieten, zur bisherigen Startseite zurückzukehren – ein bisschen Heimatgefühl und Zeit zum Abschiednehmen nach so vielen Jahren Windows-Klassik.

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