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Mobile World Congress Wie Deutschland den Mobilfunk verpennt

Der Mobilfunkmarkt wächst immer weiter. Der Höhepunkt steht uns noch bevor - nur nicht in Europa. Deutschland gehört sogar zu den Schlusslichtern. Das liegt auch an den lahmen Datenverbindungen.

Wo das Internet am schnellsten ist
Platz 10: FinnlandInternetnutzer in Finnland surfen mit durchschnittlich 7,1 Megabits pro Sekunde. Damit landet Finnland auf Platz 10 der Rangliste des IT-Unternehmens Akamai, das sich darauf spezialisiert hat, Web-Inhalte zu beschleunigen. Zum Vergleich in Deutschland sind Surfer im Schnitt mit sechs Megabits pro Sekunde unterwegs. Quelle: dapd
Platz 9: SchwedenIm Nachbarland Schweden surfen die Internetnutzer laut Akamai ein wenig schneller als ihre finnischen Nachbarn. Mit 7,3 Megabits in der Sekunde belegt Schweden den neunten Platz. Quelle: dpa
Platz 8: USADie Heimat von Microsoft, Apple und Google ist zwar in den Top 10 der Länder mit der schnellsten Internetverbindung vertreten – allerdings mit dem achten Platz relativ weit hinten. 7,4 Megabits pro Sekunde beträgt hier die Durchschnittsgeschwindigkeit im Internet. Quelle: dpa
Platz 7: TschechienTschechien ist auf dem siebten Platz vertreten. Mit  0,7 Megabits in der Sekunde hat unser Nachbarland die Internet-Macht USA deutlich überholt – und bietet seinen Nutzern damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,1 Megabits pro Sekunde. Quelle: dpa
Platz 6: NiederlandeUnsere niederländischen Nachbarn haben es beim Internetsurfen noch etwas komfortabler: 8,6 Megabits pro Sekunde beträgt die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit. Quelle: dpa
Platz 5: SchweizDen Schweizern wird ja gerne unterstellt, dass sie es eher gemütlich angehen lassen. Doch im Internet sind unsere Nachbarn schnell unterwegs. Mit durchschnittlich 8,7 Megabits pro Sekunde landet das Alpenland auf Platz 5 der Akamai-Rangliste. Quelle: dpa
Platz 4: LettlandEine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,9 Megabits in der Sekunde bietet Lettland seinen Internetsurfern. Damit belegt das baltische Land den vierten Platz. Quelle: dpa

Euphorien schüren, Visionen entwickeln und sich selbst feiern - das konnte die Mobilfunkbranche immer schon gut. Der Videoclip, der vor jedem Auftritt eines Vorstandsvorsitzenden auf der Leinwand im großen Auditorium die Stimmung anheizen soll, schafft dies besonders eindrucksvoll.

Im Schnelldurchlauf stößt da ein riesiger digitaler Kundenzähler in völlig neue Dimensionen vor und überspringt im Jahr 2020 wahrscheinlich erstmals die magische Marke von über 20 Milliarden angeschlossenen Geräten. In den Jahren danach könnte die Zahl sogar auf 50 Milliarden explodieren.

Die Botschaft ist eindeutig: In einer total vernetzten Gesellschaft besitzt nicht nur jeder Mensch im Durchschnitt ein bis zwei mit dem Internet verbundene Mobilgeräte. Auch jede Maschine, egal ob im Privathaushalt oder in der Fabrik, ist dann mit dem Internet verbunden und steuert sich mehr oder weniger automatisch.

Fakten rund um LTE

Der einzige Kontinent, der sich nicht von diesem Boom anstecken lässt, ist Europa. In den USA besitzt bereits jeder zweite Einwohner ein Smartphone mit superschnellem LTE-Standard, der die Übertragungsrate auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde beschleunigen kann. Europa wird die 50-Prozent-Quote erst in fünf Jahren erreichen.

Deutschland gehört sogar zu den Schlusslichtern, wie Vodafones Konzernchef Vittorio Colao den völlig verblüfften Zuhörern erklärte: Mit einem durchschnittlichen Datenverbrauch von einem Gigabyte pro Monat hinken die Deutschen zum Beispiel weit hinter den Briten her, die schon gut zwei Gigabyte pro Monat mit ihren Mobilgeräten konsumieren.

Der Durchbruch lässt auf sich warten

Nur mühsam gelingt es den Europäern, diese Bilanz des Schreckens in Barcelona zu kaschieren. Die EU-Kommission hatte bereits im vergangenen Jahr Alarm geschlagen. Gemeinsam mit den Technik-Vorständen der in Europa beheimateten Netzausrüster Ericsson, Nokia Networks und Alcatel-Lucent hatte sich die damalige Kommissarin Neelie Kroes auf die Bühne gesetzt und 700 Millionen Euro für ein Forschungsprogramm zur Entwicklung von noch schnelleren Mobilfunknetzen aufgelegt.

Eine Aufholjagd wollten die Europäer starten und Schrittmacher beim LTE-Nachfolger 5G sein. Ein Wunderwerk der Mobilfunktechnik sollte entstehen - mit europäischen Netzbetreibern und Ausrüstern als Schrittmacher, die mit Übertragungsraten von weit über einem Gigabit pro Sekunde in völlig neue, bisher für unmöglich gehaltene Dimensionen vorstoßen.

Die Themen des MWC

Doch ein Jahr nach dem Start des Programms kann auch der neue EU-Kommissar Günther Oettinger keinen Durchbruch verkünden. All die von der Mobilfunkindustrie gegründeten 5G-Konsortien proklamieren lediglich, dass sie die Forschung und Standardisierung weiter vorantreiben und hoffentlich bis 2020 ein marktreifes Produkt präsentieren können.

Soll heißen: Die Technik befindet sich noch im Laborstadium. Und die Netzbetreiber haben gerade mal ein Pflichtenheft vorgelegt, welche speziellen Lösungen sie insbesondere für die industriellen Anforderungen beim neuen Internet der Dinge benötigen.

In Arbeit
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Südkorea, das Land mit der besten und schnellsten Internetinfrastruktur im Festnetz und Mobilfunk, will nicht solange warten. Chang-Gyu Hwang, Vorstandschef des dortigen Marktführer KT Corporation, will die Winterolympiade in Pyeongchang im Jahr 2018 "zur größten Show der Telekom-Industrie machen". Die Koreaner wollen den Europäern zeigen, wie 5G funktioniert und dort das erste 5G-Netz weltweit in Betrieb nehmen.

Die erste Anwendung könnte das völlig vernetzte Auto sein, das autonom an allen Staus vorbei rauscht. So stellt sich der KT-Chef das Auto der Zukunft vor: Der Fahrer lehnt sich bequem zurück und bekommt dreidimensionale Live-Bilder von Wettkämpfen als Holografie direkt über das Armaturenbrett gespielt. Und der Innenraum ist so gemütlich wie ein Wohnzimmer.

Immerhin: Ein europäisches Unternehmen hilft bei der Realisierung dieses Traums. KT und die finnische Nokia verkündeten in Barcelona eine enge 5G-Forschungskooperation. In Deutschland gibt es solch einen Schulterschluss bisher nicht.

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