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Mobilfunk Lange Mängelliste bei Nokias Betriebssystem

Mängel beim Betriebssystem Symbian vergraulen die Nokia-Kunden so sehr, dass ein Unternehmer sogar Strafanzeige stellt.

Nokia Smartphone E7 Quelle: Reuters

Andreas Damm ist eigentlich ein typischer Hanseat. Tauchen Probleme auf, findet der Inhaber eines Hamburger Außenhandelsunternehmens in der Regel selbst in aussichtslosen Fällen eine praktikable Lösung.

Wütend wird Damm immer nur dann, wenn sich lange gar nichts bewegt. Dann überrascht er seine Umgebung mit ungewöhnlichen Aktionen wie am vergangenen Montag. Punkt 14 Uhr betrat der 52-Jährige mit viel Frust im Bauch die Hamburger Staatsanwaltschaft und erstattete als langjähriger Besitzer eines Nokia-Handys Strafanzeige gegen den finnischen Mobilfunkriesen. Sein Vorwurf: Verdacht auf Betrug, Sachbeschädigung und Datenveränderung beim Verkauf von Handys mit dem alten Nokia-Betriebssystem Symbian. Die Staatsanwaltanwalt bestätigt den Eingang der Strafanzeige und prüft nun, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleitet.

Mit der Strafanzeige eskaliert der Streit

Mit Damms Attacke eskaliert ein Streit, der eng mit dem Strategiewechsel von Nokia zusammenhängt. Seit Monaten häufen sich Beschwerden von Kunden über Probleme mit Nokia-Geräten, die mit dem auslaufenden Betriebssystem Symbian arbeiten. Um den Niedergang von Nokia zu stoppen, entschied der neue Konzernchef Stephen Elop vor knapp einem Jahr, seine internetfähigen Handys künftig gemeinsam mit dem US-Softwareriesen Microsoft zu entwickeln und mit dem Betriebssystem Windows Phone auszurüsten.

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Nokia Lumia 800/900 Quelle: REUTERS
A model displays HTC One X during a press conference in Taipei, Quelle: dapd
A worker moves an advertisement for the Samsung Galaxy SIII smartphone Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy S2: Der Blick-FängerDer Vorgänger, das Samsung Galaxy S2, ging bereits weg wie warme Semmeln. Die Zehn-Millionen-Marke beim Verkauf hatte Samsung für Ende 2011 angepeilt, aber schon im September geschafft. Im April 2012 waren es bereits 20 Millionen verkaufte Geräte. Trotz des Riesendisplays ermöglicht das Top-Gerät knapp sechs Stunden Dauertelefonieren. Wegen seines Plastikgehäuses wirkt das extrem schlanke Handy allerdings nicht sehr wertig und fast schon zerbrechlich. Technik, Preis:Google Android 2.3 Elf-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte neun Millimeter dick Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 440 Euro Quelle: Pressefoto
Huawei Ascend P1s Quelle: Pressebild
Apple iPhone 4 S - Das DesignerstückDas Gerät, an dem sich alle anderen messen lassen müssen, ist dagegen schon seit Oktober 2011 in Deutschland in den Läden. Obwohl das Smartphone "nur" die überarbeitete Version des iPhone 4 ist, rissen die Kunden es den Händlern nur so aus den Händen - sowohl in den USA als auch im Rest der Welt. In den ersten 24 Stunden gingen bei Apple mehr als eine Million Vorbestellungen für das 4S ein, die Deutsche Telekom warnte die Kunden schon vor Verzögerungen. Äußerlich ist das 4S nicht vom Modell 4 zu unterscheiden. Die Neuerungen stecken im Inneren. Wichtigste funktionale Verbesserung ist die Funktion Siri - ein persönlicher digitaler Assistent, der mit Stimmbefehlen gesteuert wird. Der neue A5-Doppel-Kern-Prozessor macht das Handy gegenüber den Vorgängern deutlich schneller. Allerdings sinkt die maximale Standby-Zeit des Gerätes um ein Drittel von 300 auf 200 Stunden. Die Kamera wurde deutlich verbessert und soll Videos in HD-Qualität aufnehmen können. Die Antenne ist nun ebenfalls deutlich leistungsfähiger. Technik, Preis:Apple iOS 5 Zehn-Zentimeter-Display 960 x 640 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera mehr als 425.000 Apps Preis: 629 - 849 Euro (ohne Vertrag) Quelle: Pressefoto
Sony Xperia S Quelle: dapd

Mit der Anzeige rührt Damm an einem Ärgernis, das alle Betriebssysteme betrifft. Wie beim PC modernisieren auch Smartphone-Hersteller routinemäßig ihre Betriebssysteme. Dabei ersetzen sie alte Programmbausteine durch neue, ohne die Kunden darüber im Detail zu informieren. Dabei fallen bisweilen auch gewohnte Features weg, deretwegen sich Kunden für ein Gerät entschieden haben.

Nahmen die meisten das bisher murrend hin, macht Unternehmer Damm nun Schluss mit der Leisetreterei. „Viele Kunden empfinden es als Rückschritt, wenn ein Hersteller vertraute Features aussortiert“, sagt Jens Nebel, Fachanwalt für IT-Recht bei der Essener Kanzlei Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare. „Doch per Klage ist noch kein Kunde dagegen vorgegangen.“

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