Mobilfunk Nokia fusioniert mit Alcatel-Lucent

Nokia übernimmt den Konkurrenten Alcatel-Lucent. Der Deal ist 15,6 Milliarden Euro schwer und soll den einstigen Handypionier Nokia wieder nach vorne bringen.

Das Logo von Alcatel-Lucent Quelle: REUTERS

Nokia kehrt mit einem Paukenschlag auf die große Bühne zurück. Die Finnen wollen den französischen Rivalen Alcatel-Lucent für 15,6 Milliarden Euro kaufen. Die Übernahme solle über ein Aktiengebot erfolgen, teilte der finnische Netzwerkausrüster am Mittwoch mit. Durch den Kauf würde der einstige Handypionier wieder an die vorderste Front einer Branche katapultieren und den bisherigen Marktführer Ericsson aus Schweden beim Umsatz überholen.

Nokia bietet den Aktionären von Alcatel-Lucent 0,55 Aktien an dem gemeinsamen Unternehmen für jedes ihrer bisherigen Papiere. Läuft alles wie geplant, dürften Nokia zwei Drittel und Alcatel rund ein Drittel an der vereinten Firma gehören. Diese wird jährlich etwa 26 Milliarden Euro umsetzen und auf rund 114.000 Mitarbeiter kommen.

Nokia hat aufgrund seiner vielen Technologiepatente und dem Verkauf seiner Handysparte an Microsoft Kapital in der Hinterhand. Zudem kündigten die Finnen an, strategische Optionen für ihr Kartengeschäft Here zu prüfen. Es stehe noch nicht fest, ob dies in einer Transaktion münde. Analysten schätzen, dass Here bis zu 6,9 Milliarden Euro wert sein dürfte.

Die Fusion soll zu Kosteneinsparungen auf operativer Ebene von 900 Millionen Euro führen und in der ersten Jahreshälfte 2016 über die Bühne gehen. Auf die Folgen einer Übernahme wird vor allem die französische Regierung genau schauen, die die Möglichkeit hat, den Deal zu blockieren. Ihr ist es besonders wichtig, dass keine Arbeitsplätze in Frankreich gefährdet sind. Die Aussicht, einen neuen Marktführer zu kreieren, bezeichnete das Wirtschaftsministerium in Paris bereits als verlockend.

Ein Traditionshandy kommt zurück
Nokia Quelle: dpa
Nokia Quelle: REUTERS
„Connecting people“ lautet der Slogan von Nokia. Und in der Tat hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Menschen verbunden – früher mit den ersten, koffergroßen Telefonen für unterwegs, zwischendurch mit Bestsellern wie dem 5110, heute mit den Lumia-Smartphones. Auch wenn Nokia in den letzten Jahren an Marktanteil und Einfluss verloren hat und seine Gerätesparte nun an Microsoft verkauft: Der finnische Konzern hat die Mobilfunkbranche geprägt. Quelle: Presse
Mobira Senator1982 stellte Nokia sein erstes Mobiltelefon vor, das heute nicht besonders mobil wirkt: Das Modell Mobira Senator ließ sich mit einem Tragegriffs aus dem Auto heben. Zumindest wenn man kräftig zupackte, wog das Gerät doch knapp zehn Kilogramm. Nach wenigen Stunden musste es wieder aufgeladen werden. Damals war es indes eine Sensation. Quelle: Presse
MikroMikkoWenig bekannt: Nokia entwickelte bereits in den 1980er Jahren Computer, hier ein Gerät der vierten Generation. Anfang der 1990er Jahre verkaufte das Unternehmen die Sparte aber. Quelle: Presse
Nokia 1011Mit der Zeit wurden die Mobiltelefone immer kompakter – so auch das Nokia 1011, das Ende 1992 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Besonderheit: Es war das erste massentaugliche Gerät, das mit dem Mobilfunkstandard GSM lief. In den Speicher passten 99 Telefonnummern. Quelle: Presse
Nokia 5110Mit dem 5110 wurden die Nokia-Geräte massentauglich – dieses ab 1998 verkaufte Modell sah man überall auf der Straße. Die Vorteile: Es war relativ günstig, nahezu unverwüstlich und ließ sich mit Wechselschalen optisch aufwerten. Zudem hatte es als eines der ersten Handys das Spiel „Snake“ an Bord. Quelle: Presse
Nokia 8110Dieses Handy hat Filmgeschichte gemacht: Im Science-Fiction-Streifen „Matrix“ nutzt der Hacker Neo das Nokia 8110 – unter anderem in der dramatischen Szene, als er vor Agent Smith aus seinem Büro flieht. Weil es im geöffneten Zustand gebogen war, bezeichneten viele das Gerät auch als Bananenhandy. Quelle: Presse
Nokia 9210Nokia entwickelte mit der Modellserie Communicator die ersten internetfähigen Handys – hier die ab 1999 verkaufte Version 9210. Das Gerät vereinte Handy und Organizer, zudem erlaubte es Nutzern, im Internet zu surfen. Erst Jahre später entwickelte die Konkurrenz vergleichbare Modelle. Quelle: REUTERS
Nokia N-GageHandy und Spielkonsole in einem: 2003 brachte Nokia das N-Gage auf den Markt. Das erste echte Spiele-Handy des finnischen Konzerns machte zwar viele Schlagzeilen, fand aber nicht so viele Käufer. Nur wenige Entwickler schrieben Spiele für den Mini-Bildschirm, zudem war das Gerät nicht gerade billig. Geradezu absurd: Um Spiele auszutauschen, musste man den Akku herausnehmen. Nokia stellte die Serie später ein. Quelle: dpa
Nokia 6630Auch mit dem 6630 setzte Nokia Standards: Es handelte sich um das erste Handy der Finnen, das per UMTS ins Internet gehen und so größere Datenmengen herunterladen konnte – so das Netz es hergab. Standardmäßig war auch ein E-Mail-Programm installiert. Außerdem an Bord: eine 1,3-Megapixel-Kamera, die auch Videos aufnimmt, Bluetooth und ein Musik-Player. Für das Jahr 2004 eine beachtliche Ausstattung. Quelle: dpa
Lumia 800Mit der Einführung des iPhone 2007 verlor Nokia den Anschluss. Gegen das Apple-Gerät und die vielen Androiden sahen die Mobiltelefone alt aus, die Entwicklung eines eigenen attraktiven Betriebssystems dauerte zu lange – Nokia verlor immer mehr Marktanteile. Mit Microsoft und dessen Software Windows Phone fand das Unternehmen 2011 einen Partner mit internationalem Gewicht. Das erste Windows-Gerät war das Lumia 800, inzwischen hat der Hersteller eine ganze Palette an Geräten mit dem System entwickelt. Neben Smartphones... Quelle: Reuters
Lumia 2520... hat Nokia erstmals auch ein Tablet im Angebot: Das Lumia 2520 soll mit seiner Andock-Tastatur eine Alternative zum Notebook sein. Ob das Gerät eine Zukunft hat, ist jedoch ungewiss: Microsoft baut mit dem Surface ein ganz ähnliches Produkt – der Software-Konzern übernahm die Nokia-Gerätesparte im Jahr 2013. Das Unternehmen Nokia existiert übrigens weiter, allerdings konzentriert es sich auf Netzwerkausrüstung und digitale Landkarten, Verbraucher werden also nur noch selten direkt mit den Produkten in Kontakt kommen. Quelle: dpa
Lumia 930Es ist so etwas wie das Vermächtnis der finnischen Handyentwickler: Das Lumia 930 ist das letzte Smartphone, das noch von Nokia stammt – nun verkauft es Microsoft. Hier stellt der frühere Nokia-Chef und heutige Microsoft-Manager Stephen Elop das Gerät vor, das unter anderem mit seiner Kamera die Käufer überzeugen soll. Quelle: REUTERS

Zusammen kommen Nokia und Alcatel-Lucent laut Bernstein Research auf einen Marktanteil von 35 Prozent bei den Mobilfunknetzen und liegen damit nur knapp hinter Ericsson und deutlich vor dem Billiganbieter Huawei aus China. Die Finnen und Franzosen sollen bereits seit Jahren miteinander in Kontakt bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit gestanden haben. Erst am Dienstag bestätigten beide Konzerne, dass sie sich in "fortgeschrittenen Gesprächen" befinden. Strategisch passen beide gut zusammen. Alcatel ist in den USA stark vertreten, Nokia vor allem in Europa und Japan.

Die Alcatel-Anleger reagierten am Mittwoch auf das Übernahmeangebot von Nokia. Die Aktien des französischen Netzwerk-Ausrüsters brachen an der Pariser Börse um gut zwölf Prozent ein und gaben damit einen Großteil ihres Vortagesgewinns wieder ab.

Die Alcatel-Eigner hätten auf eine Bar-Komponente gehofft, sagte ein Börsianer. Nokia sollen zwei Drittel und Alcatel ein Drittel an der gemeinsamen Firma gehören - einige Analysten betonten, dass diese Aufteilung für die Eigner von Alcatel unattraktiv sei.

Nokia erholten sich unterdessen etwas von ihrem 3,6-prozentigen Vortagesrutsch und notierten in Helsinki ein knappes Prozent fester bei 7,56 Euro. Investoren seien erleichtert, dass der finnische Konzern keinen überzogenen Preis für Alcatel zahle, betonte ein Aktienhändler.

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