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Mögliche Twitter-Übernahme Google ist auf dem Social-Media-Auge blind

Angeblich ist Google an einem Aufkauf von Twitter interessiert. Der Deal könnte Google Vorteile bringen – sofern die Twitter-Nutzer nicht abspringen.

Das Google-Logo. Quelle: AP

Am 7. Januar wurde einmal mehr deutlich, was Twitter so wertvoll macht. Die schnellsten Informationen über die grausamen Anschläge auf die Redaktion der Satire-Zeitung Charlie Hebdo fand die schockierte Öffentlichkeit nicht im Fernsehen, nicht auf den gängigen Nachrichtenseiten – sie liefen in Echtzeit auf Twitter.

Seit 2009 wird der Kurznachrichtendienst immer wieder mit einer Übernahme durch Google in Verbindung gebracht. Am Donnerstag war es wieder so weit. Nachdem Übernahmegerüchte aufkamen, schnellte Twitters Aktienkurs um 3,5 Prozent in die Höhe. Bis dato blieben die Gerüchte unkommentiert.

Die zehn größten IT-Übernahmen weltweit nach Kaufpreis

Die Frage ist: Was hätte Google davon Twitter zu kaufen? Und wie würden die Nutzer reagieren – die schließlich den gesamten Wert Twitters ausmachen?

Fakt ist: Günstig dürfte das Unterfangen aktuell nicht werden. Twitter verfügt über eine Marktkapitalisierung von 24 Milliarden Dollar, darunter wird der Kurznachrichtendienst nicht zu haben sein. Analysten gehen von einem Kaufpreis von 40 Milliarden Dollar aus – wollte Google Twitter komplett schlucken.

Dem stehen zwar auf Googles Seite liquide Mittel gegenüber, die auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt werden. Für Google könnte Twitter einen gewissen Zugewinn bringen. Zumal die Googles eigener Twitter-Konkurrent gescheitert ist. Der Twitter-Konkurrent Google Buzz wurde nach zwei Jahren eingestellt. Trotzdem ist es fraglich, ob Google so tief in die Tasche greift.

Der Nutzen für Google

„Twitter bietet über die jeweilige Gegenwart die besten Echtzeitressourcen“, sagt Reinhard Karger, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen, DGI. „Ein voller Zugriff darauf könnte Googles Suche deutlich nach vorne bringen.“
Aktuell kann man sich die Google-Suchanalyse wie folgt vorstellen: Je öfter in einer Region dieselbe Suchanfrage gestellt wird, desto höher ordnet Google die Wahrscheinlichkeit ein, dass dieses Ereignis wahr ist – und dementsprechend weiter vorne landet das Ergebnis.

Zahlen und Fakten zu Twitter

„Hätte Google Zugriff auf die Twitter-Daten, könnte es deklarativ und ortsbezogene Echtzeit-Informationen analysieren“, sagt Karger. Von 2009 bis 2011 hatte Google diesen Zugriff – bis Twitter ihn kommentarlos aufkündigte. Im Moment kann Google lediglich auf öffentliche Tweets zugreifen. Aus Sicht von Karger wäre der Zugriff auf sämtliche Tweets „eine wahnsinnige Datenquelle“. Immerhin hat Twitter 284 Millionen aktive Nutzer.

Der Vorteil für Twitter

Auch für Twitter könnte eine Übernahme zumindest auf den ersten Blick Vorteile bringen. Bis heute hat es das Unternehmen nicht geschafft, seinen Dienst zu monetarisieren oder zumindest ein tragfähiges Geschäftsmodell zu finden.

Dafür mussten besonders die Aktionäre büßen. Am Tag der Erstnotiz schoss der Kurs auf zwischenzeitlich 50 US-Dollar pro Aktie – aktuell liegt er knapp unter 40 US-Dollar. Die Twitter-Aktionäre machten insgesamt einen Verlust von 1,6 Milliarden US-Dollar. Eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

Das setzt das Management von Twitter unter Druck. „Es könnte der Moment kommen, ab dem die Geduld der Aktionäre ausgereizt ist“, sagt Karger. Auch nach einem Wechsel in der Führungsetage im vergangenen Jahr war keine Besserung in Sicht.

Das Risiko

Fraglich bleibt allerdings, ob die Twitter-Nutzer im Falle einer Übernahme durch Google mitziehen. „Dass Google auf einmal Zugriff erhält auf sämtliche Tweets, könnte viele Nutzer stören“, sagt Karger.

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Allerdings war auch der Aufschrei groß, als Facebook im vergangenen Jahr WhatsApp kaufte. Threema konnte im Anschluss an die Übernahme die Zahl seiner Nutzer versiebenfachen. „Mittlerweile spricht niemand mehr von Threema“, so Karger. Und WhatsApp ist im Anschluss weiter gewachsen – im Januar waren es weltweit 700 Millionen Nutzer.

Am fünften Februar legt Twitter seine Quartalszahlen vor. Sollten die Umsatz- und Nutzerwachstumszahlen weiter unbefriedigend sein, könnten die Aktionäre für ein Angebot Googles zu haben sein.

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