Nach Massenschlägerei bei Foxconn Verbraucherschützer: Handyproduktion ist Katastrophenbranche

Der chinesische iPhone-Zulieferer Foxconn hat am Dienstag die nach einer Massenschlägerei unterbrochene Produktion in einer Fabrik in der Stadt Taiyuan wieder aufgenommen. Doch die Krawalle sind nur Ausdruck von extrem widrigen Arbeitsbedingungen in Handyfabriken, die Verbraucherschützer schon seit Monaten anprangern.

Arbeiter bei Foxconn. Überstunden sind hier die Regel. Quelle: REUTERS

Wegen der Auseinandersetzungen beim Apple-Zulieferer Foxconn, an denen bis zu 2.000 Mitarbeiter beteiligt waren, hatte die Arbeit am Montag zunächst geruht. Die Krawalle begannen nach Angaben der Polizei am späten Sonntagabend in einem unter privater Leitung stehenden Wohnheim. Laut Foxconn wurden mehrere Menschen festgenommen und 40 Verletzte in Krankenhäuser gebracht. Auslöser war laut Augenzeugen ein Streit zwischen einem Arbeiter und einem Wachmann. Ein Angestellter sagte, die Beschäftigten seien bereits seit längerem wütend über ihre Behandlung durch Manager und das Wachpersonal.

So sieht das neue iPhone aus
Apple-CEO Tim Cook betrat pünktlich um 19 Uhr die Bühne. Quelle: REUTERS
Entgegen aller Erwartungen leitete er schon nach wenigen Minuten die Präsentation des iPhone ein. Quelle: REUTERS
Marketingchef Phil Schiller stellte die Leistung des neuen iPhone5-Akkus vor. Quelle: REUTERS
Wie erwartet, wird es beim iPhone 5 einen neuen Stecker geben. Apple will entsprechende Adapter anbieten. Quelle: REUTERS
Von größter Relevanz beim neuen iPhone hat sicherlich die Möglichkeit, via LTE zu surfen. Quelle: REUTERS
Dank neuer Kamera-Technik lassen sich Panorama-Bilder qualitativ hochwertiger schießen. Quelle: dapd
Scott Forstall stellt die Software iOS 6 anhand eigener Apple-Karten und dazugehörigen Features vor. Damit hat sich das Unternehmen von Google-Maps verabschiedet. Quelle: dapd
Das iPhone 5 ist das dünnste Apple-Smartphone aller Zeiten. Quelle: REUTERS
Der Metallrücken soll das Smartphone stabiler machen als seinen Vorgänger. Quelle: REUTERS
Ab 21. September wird das iPhone 5 auch in deutschen Geschäften zu kaufen sein. Quelle: dapd
Zum Abschluss des großen Events in San Francisco spielte die Rock-Band Foo Fighters mit Frontmann Dave Grohl. Quelle: REUTERS

Das Problem ist nicht neu. Die Arbeitsbedingungen bei asiatischen Zulieferern in der Handyproduktion sind schon seit Jahren eine Katastrophe, prangern Verbraucherschützer an. Selbst die EU hat reagiert und fördert ein Projekt „makeITfair“, das sich für die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einsetzt. Es untersucht die Zustände in sechs Zulieferern in Asien. Denn Apple steht mit der Problematik nicht allein da. Die sechs unter Beobachtung stehenden Unternehmen stellen Bauteile für Samsung, Nokia, Motorola, LG, Sony und Ericsson her.

Die Produktionskosten des iPhone 5

Laut „makeITfair“ müssen die Angestellten oftmals ohne Schutzkleidung mit Chemikalien arbeiten. Überstunden ohne Ende seien ebenfalls Alltag. Auch der übermäßige Einsatz hält die Verantwortlichen bei Fehlern der Angestellten nicht davon ab, den ohnehin niedrigen Lohn der Arbeiter weiter zu kürzen. Und das, obwohl die Unternehmensleitung bereits zugesichert hatte, den  Mindestlohn zu erhöhen sowie Arbeitszeiten zu reduzieren.

Wie das iPhone entstanden ist
Der Patentstreit zwischen Apple und Samsung führte dazu, dass Apple Prototypen und Skizzen aus der Entstehungsgeschichte des iPad und iPhones bekannt gegeben hatte. In der Entstehungsgeschichte dieser Geräte hatte Apple deutlich innovativere und bessere Zeiten erlebt. Quelle: dpa
Der südkoreanische Konkurrent habe die bewusste Entscheidung getroffen, die Apple-Geräte im Detail zu kopieren, sagte Anwalt Harold McElhinny in der Eröffnungs-Erklärung. Als Beleg demonstrierte er den Geschworenen Fotos von Samsung-Geräten vor und nach der Vorstellung des iPhone.
Die Südkoreaner konterten, Apple habe iPhone und iPad auf fremden Ideen aufgebaut und das Design sei gar nicht so innovativ gewesen. Als Beispiele nennen die Südkoreaner unter anderem das zeitgleich vorgestellte „Prada“-Handy von LG und haben sich zuletzt besonders auf eine angebliche Sony-Spur eingeschossen. Im Februar 2006 soll Apple Manager Tony Fadell Steve Jobs und Apple-Chefdesigner Jonathan Ive auf Sonys Designsprache aufmerksam gemacht haben, in der Folge sei der japanische Designer Shin Nishibori mit der Gestaltung von Entwürfen beauftragt worden.
Im Prozess wurden auch viele Prototypen von Apple gezeigt - ein interessantes Detail ist der iPod-Schriftzug darauf.
Als erster Zeuge erzählte Apple-Designer Christopher Stringer, der Kern des Design-Teams sei nur etwa 15 Personen stark und entwickele neue Ideen gemeinsam an einem großen „Küchentisch“.
Das iPhone zu konstruieren und zu bauen sei eine erhebliche technische Herausforderung gewesen, sagte er. Dabei seien viele Ideen verworfen worden, bis schließlich eine „perfekte“ Form gefunden worden sei.
Ein besonders stark abweichender Entwurf ist dieser achteckige Prototyp.
Viele Entwürfe wurden im Laufe des Entwicklungsprozesses auch verworfen: So auch dieses Modell mit der markanten Aussparung.
Laut Apple-Zeuge Stringer sei auch Apple-Gründer Steve Jobs nervös gewesen, ob es angesichts des damals ungewöhnlichen Designs von den Nutzern angenommen werde.
Die Verhandlung förderte erstmals den Anteil von Samsung-Bauteilen an Apple-Geräten zutage: Laut Samsung-Anwalt Verhoeven machen Komponenten der Südkoreaner 26 Prozent vom Preis der Bauteile eines iPhone aus.
Auch Skizzen des iPad wurden in San José gezeigt.
Hier sieht man frühe Computerentwürfe von Apples Tablet-PC.
In diesem CAD-Programm ist die Ausgestaltung schon detaillierter. Apple hat sich auch das sehr allgemein gehaltene Design schützen lassen. Das führt zu diversen Streitigkeiten, bis hin zur Frage des Krümmungsgrades der Ecken. In Deutschland musste Samsung die Gestaltung seines Tablets Galaxy 10.1. etwas abändern, damit es unter dem Namen 10.1.n weiter verkauft werden darf.
Auch in Kalifornien schimpfte Samsung-Anwalt Charles Verhoeven, Apple könne sich „keine Rechtecke patentieren“. Interessanterweise trägt auch das erst deutlich nach dem iPhone auf den Markt gekommene iPad noch den Schriftzug von Apples Musikspieler.

Die Arbeitnehmer-Organisation Fair Labor Association (FLA) fand heraus, dass die Wochenarbeit beim Apple-Zulieferer die 60-Stunden-Marke überschreitet. Verantwortlich für die missliche Lage der Arbeiter machen die Fabrikverantwortlichen jedoch die Handyhersteller. Sie machten Druck, die Produktionskosten zu senken.

Bessere räumliche Bedingungen und Ausrüstungen für die Angestellen kosteten aber Geld, das die großen Handyhersteller nicht bereit seien, zu investieren, heißt es im Bericht von „makeITfair“.

In Arbeit
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Der jüngste Fall bei Foxconn kratzt auch am Image von Apple. Und der Druck auf das Unternehmen erhöht sich weiter, denn bereits im Mai kündigte der Konzern an, gemeinsam mit Foxconn die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Löhne sollten um 25 Prozent erhöht und Überstunden durch die Einstellung weiterer tausender Mitarbeiter reduziert werden. Getan hat sich bislang nichts. Foxconn ist schon jetzt mit etwa 1,2 Millionen Angestellten einer der größten Arbeitgeber Chinas. Das Unternehmen produziert iPhones und iPads für Apple, aber auch andere Computerprodukte für die Konkurrenz von Microsoft und Hewlett-Packard.

 

Mit Material von dapd

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