Nach Radikalumbau Philips mit Wellness-Strategie auf der Jagd nach Samsung

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Mit Verspätung ins 21. Jahrhundert

In Europa liegt Philips je nach Geschäftsfeld hinter Simenes Quelle: REUTERS

Das schlägt sich sichtbar in der umgekrempelten Produktpalette nieder. Anders als früher verkauft Philips heute nicht nur einzelne Geräte, sondern auch technische Gesamtlösungen inklusive der Finanzierung oder der dazu gehörenden Software. Dazu zählt zum Beispiel Medizintechnik, mit deren Hilfe Ärzte Sekunden nach der Untersuchung Diagnoseblätter und Röntgenaufnahmen auf jeden Rechner inklusive Tablet-Computer holen oder an Kollegen schicken können, um etwa eine zweite Meinung einzuholen. Ordern notorisch klamme Gemeinden bei Philips im großen Stil neue LED-Straßenlaternen, finanziert das Unternehmen den Auftrag vor. „Van Houten holt Philips mit gut zehn Jahren Verspätung ins 21. Jahrhundert“, resümiert ein Insider.

Der IG-Metaller Hans-Peter Beckers, der für die Arbeitnehmer im Philips-Aufsichtsrat sitzt, zweifelt dennoch am Erfolg von van Houtens Turn-around: „Wir würden ihn gern beim Wort nehmen, doch schon jetzt steht fest, dass allein in Aachen bis zum Jahresende noch mal mindestens 120 Stellen entfallen.“ Dort produziert Philips Auto- und herkömmliche Energiesparlampen. „Da gleichzeitig das wichtige Geschäft mit den Autofrontscheinwerfern bisher nicht von klassischen Halogen- und Xenon-Lampen auf die Produktion von LED umgestellt wird, machen wir uns Sorgen um die Zukunft des Standorts“, sagt Beckers.

Auch Branchenkenner warnen vor Euphorie. Um wirklich zur Weltmarke zu werden, muss Philips in vielen Ländern den Umsatz steigern. „Richtig vorne sind die derzeit nur im Mittleren Osten“, sagt ein Insider. „In Europa dagegen liegen sie je nach Geschäftsbereich hinter Siemens und in den USA hinter GE und Procter & Gamble.“

Für eine Spitzenposition braucht Philips mehr Produkte, die auf einzelne Märkte zugeschnitten sind. Zwar haben die Niederländer die Küchengerätehersteller Preethi in Indien oder Povos in China übernommen. Doch unterm Strich setzt Philips zu sehr auf Welteinheitsprodukte. „Viele führende Markenartikler, darunter Coca-Cola, Nestlé, Procter & Gamble oder Samsung, passen ihre Produkte konsequent den jeweiligen Märkten an“, sagt Imeyen Ebong, Partner bei der Unternehmensberatung Bain & Company in Frankfurt.

Fragezeichen gibt es auch hinter der Lichtsparte. Zwar prophezeit eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, dass sich das Geschäft mit LED-Lampen bis 2020 mehr als verfünffacht. Doch eine Entscheidung von früher könnte erschweren, dass Philips davon voll profitiert.

„LEDs sind im Grunde Halbleiter und haben technologisch mit Energiesparleuchten wenig zu tun“, warnt Berater Ebong. Das eigene Halbleitergeschäftsfeld musste Philips aber vor acht Jahren nach hohen Verlusten aufgeben.

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Wegen der niedrigen Einstiegsbarrieren kann jederzeit ein anderer Wettbewerber in die Produktion von LED-Leuchten einsteigen und etwa wie bei Windkraftanlagen für ein Überangebot mit fallenden Preisen sorgen.

Richtig in Gefahr sieht Philips deswegen aber keiner mehr. „Das Risiko ist deutlich gesunken“, meint Analyst Uglow. Wenn van Houten Umbau und Verschlankung wie geplant durchziehe und auf die versprochene Eigenkapitalrendite von fast 20 Prozent bis 2018 komme, habe Philips eine Art Bestandsgarantie. „Auf höhere Renditen kommt in dem Geschäft fast keiner.“

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