WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Nach Radikalumbau Philips mit Wellness-Strategie auf der Jagd nach Samsung

Seite 3/4

Weltverbesserung als Leitbild

Konzentration auf drei Standbeine

Van Houten hat seit seinem Amtsantritt viel Boden gutgemacht bei den Aktionären. „Wir haben keine Angst vor Wettbewerbern“, sagt er im WirtschaftsWoche-Interview. Als er im April 2011 den Job als Konzernchef übernahm, war daran nicht zu denken. „Wir waren eine brennende Plattform“, beschrieb van Houten jüngst den damaligen Zustand von Philips. Mit diesen Worten hatte der Ex-Microsoft-Manager Stephen Elop bei seinem Amtsantritt als Nokia-Chef 2010 den Zustand des schwer angeschlagenen finnischen Handyherstellers umschrieben.

Van Houten übernahm Philips von Vorgänger Gerard Kleisterlee, als der den Konzern wieder mal einem Totalumbau unterzogen hatte. Der Deutsch-Niederländer hatte rigoros Stammgeschäft abgestoßen, ob Speicherchips, Rüstungselektronik, Fernsehtechnik für Flugzeuge oder heizbare Vibratoren, die in der Werbung „Beziehungspflege“ genannt wurden. Gleichzeitig hatte Kleisterlee Zehntausende Jobs gekeult sowie milliardenschwere Sparprogramme aufgelegt. Trotzdem konnte Philips nicht an seine ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen, in der das Unternehmen rund 100 Jahre den abendländischen Lebensstil mit Erfindungen wie dem Trockenrasierer, der CD und der Kaffee-Pad-Maschine prägte.

Vor diesem Hintergrund überraschte die Ernennung van Houtens zum Konzernchef. „Der war in den 20 Jahren, bis er mitsamt der Chipsparte verkauft wurde, als Sparer und farbloser Abwickler aufgefallen, aber nicht als der dringend nötige Stratege“, erinnert sich ein Insider. „Und als er zum Einstand fast den ganzen Vorstand rauswarf und eine Reihe von Gewinnwarnungen hinterherschickte, wurde auch den letzten Optimisten unwohl.“

Doch zur Überraschung vieler setzte der vermeintliche Technokrat den Umbau ebenso zielstrebig wie fantasievoll fort. Und das mit viel Geld, denn trotz mickriger Margen hatte Philips stets genug Geld auf der hohen Kante. „Wir sind eine Geschichte der Selbsthilfe“, so van Houten.

So trug Kleisterlees Nachfolger dazu bei, dass Philips laut einer internen Statistik seit 2001 drei Viertel der damaligen Geschäftsfelder aufgab und sich vor allem aus der Konsumelektronik verabschiedet hat. Heute macht der Konzern gut 70 Prozent des Umsatzes mit Unternehmen, 2001 war es weniger als die Hälfte.

Dazu verpasste van Houten Philips das neue Leitbild „Weltverbesserung“ und erdet die Schwärmerei zugleich: „Wir setzen bei den großen Problemen der Menschheit an.“ Dies sei „ein lukrativer Markt“. Philips wolle Produkte für die Megatrends des 21. Jahrhunderts bieten: Medizintechnik für die wachsende Zahl von Kranken mit Krebs und chronischen Leiden, Sparlampen und LED-Lichter gegen den kaum zu stillenden Energiehunger in den Zeiten der Klimaveränderungen und schließlich anspruchsvolle Konsumartikel wie Elektrozahnbürsten und Kaffeemaschinen für das Bedürfnis immer mehr zahlungskräftiger Menschen nach besserem Aussehen und mehr Genuss.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%