Nachfolge von Steve Ballmer Ford-Chef Alan Mulally bei Microsoft wohl aus dem Rennen

Eigentlich galt Alan Mulally als großer Favorit auf den Chefposten bei Microsoft. Nun stellte er klar, dass er auf jeden Fall bis Ende 2014 bei Ford bleiben will. Das Rennen um die Ballmer-Nachfolge bleibt spannend.

Alan Mulally und Steve Ballmer, scherzen auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas im Oktober. Mulally wird nun wohl doch nicht in Ballmers Fußstapfen treten. Quelle: AP

Ford-Chef Alan Mulally, der seit Wochen als aussichtsreicher Kandidat für den Spitzenjob beim Software-Riesen Microsoft gehandelt wurde, will bis Ende 2014 bei dem Autobauer bleiben. Das sagte Verwaltungsratsmitglied Edsel Ford II, der Urenkel des Firmengründers Henry Ford, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag.

Damit wäre Mulally mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Rennen bei Microsoft. Der scheidende Konzernchef Steve Ballmer hatte im August seinen Rückzug binnen zwölf Monaten angekündigt. Laut US-Medienberichten will der Microsoft-Verwaltungsrat einen Nachfolger noch im Dezember oder Anfang Januar präsentieren.

In diversen Medien war der 68-jährige Mulally zuletzt als zentraler Wunschkandidat genannt worden, da er Erfahrung beim Umbau großer Unternehmen habe. Mulally hat sich als Sanierer bei Ford einen Namen gemacht und das Traditionsunternehmen 2009 - im Gegensatz zum Erzrivalen General Motors - ohne Staatshilfen durch die Autokrise in den USA gesteuert.

Microsoft will die Abhängigkeit von seiner Software wie Windows und Office verringern, die mit sinkenden PC-Verkäufen an Bedeutung verliert. Stattdessen plant der Konzern stärker mit dem Verkauf eigener Geräte. Dafür übernimmt der US-Konzern die Handy-Sparte von Nokia. Microsoft lässt sich den Kauf des kriselnden Ex-Weltmarktführer 5,4 Milliarden Euro kosten und will damit Anschluss an die Smartphone-Giganten Apple und Samsung sowie Google mit dessen dominanten Betriebssystem Android finden.

Wer übernimmt nach Steve Ballmer?
Hans VestbergMicrosoft zog Mitte Januar den Konzernchef des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson als neuen CEO in Betracht. Der hat dem Software-Unternehmen allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er sei seinem Unternehmen verpflichtet und werde deshalb nicht als Nachfolger von Steve Ballmer als Microsoft-Chef zur Verfügung stehen. Weder Ericsson noch Microsoft wollten die Personalie kommentieren. Damit sind bei Microsoft noch folgende Kandidaten im Rennen... Quelle: AP/dpa
Stephen ElopNur wenige Tage nach der Rücktrittsankündigung von Microsoft-Chef Steve Ballmer machen die britischen Buchmacher das Rätselraten um dessen Nachfolge zu ihrem Geschäft. Der größte Wettanbieter des Landes, Ladbrokes, startete das Rennen. Bisher führt Nokia-Chef Stephen Elop mit einer Wahrscheinlichkeit von 5/1 die Kandidatenliste an. Der 49-jährige Elop kennt sich bei dem weltgrößten Softwarekonzern aus. Bevor er zu dem finnischen Handykonzern kam, leitete der Kanadier bei Microsoft die Geschäftskunden-Sparte. Zählbaren Erfolg kann er allerdings nicht vorweisen. Der einstige Branchenprimus Nokia kämpft unter seiner Führung mit dem Überleben. Der Marktanteil ist auf drei Prozent geschrumpft, während Samsung und Apple das Smartphone-Geschäft fast unter sich ausmachen. Quelle: REUTERS
Kevin Turner Neben Elop sind noch andere bekannte Manager im Spiel. Der interne Kandidat von Microsoft, der bisher fürs operative Geschäft zuständige Kevin Turner, liegt bei Ladbrokes bisher an zweiter Stelle. Turner ist seit 2005 bei Microsoft. Quelle: REUTERS
Steven Sinofsky Den dritten Platz nimmt bisher der frühere Microsoft-Manager Steve Sinofsky ein, der die Firma im November verlassen hat. Auf ihn folgt die erste Frau: Julie Larson-Green, die bei Microsoft das Geräte-Geschäft verantwortet. Quelle: AP
Bill GatesMicrosofts Mitbegründer und Aufsichtsratschef Bill Gates wäre für viele ein Wunschkandidat an der Spitze. Er bringt die nötige Visionskraft mit, kennt die Dynamiken am Markt und brächte vor allem Ruhe in den Konzern. Die Wahrscheinlichkeit, dass er das Amt wieder übernimmt ist jedoch sehr gering. Gates hatte sich bewusst aus dem operativen Geschäft bei Microsoft zurückgezogen, um sich verstärkt der Arbeit der Bill und Melinda Gates Stiftung zu widmen. Dieser Arbeit wird er kaum den Rücken kehren. Quelle: REUTERS
Reed Hastings Der Chef der extrem erfolgreichen Online-Videothek Netflix kennt das mobile Geschäft - und Microsoft. 2007 trat er dem Vorstand des Unternehmens bei. Damals sagte er: "Es gibt nur wenige Unternehmen, die einen so großen Einfluss auf das Leben von Millionen Menschen haben, wie Microsoft. Ich freue mich darauf an der Neuausrichtung des Konzerns mitzuwirken." Auch Gates und Ballmer zollte er damals seinen Respekt und bekannte öffentlich: "Es ist enorm motivierend für ein bis zwei Tage im Jahr mit Bill Gates und Steve Ballmer in einem Raum zu sein. Es hilft mir zu verstehen, wie und warum Microsoft seit über 30 Jahren so erfolgreich ist." Allerdings scheint es, als habe Hastings vorerst genug von Microsoft gelernt. Ende November 2012 verließ er den Aufsichtsrat. Seit Juni 2011 bis heute sitzt er zudem dem Facebook-Vorstand vor. Ein Wechsel an die Konzernspitze von Microsoft scheint aber nicht ausgeschlossen. Quelle: dapd
Vic GundotraAls Rückkehrer könnte Googles Vize-Chef Vic Gundotra gefeiert werden. Derzeit ist er für die Social-Network-Sparte beim Suchmaschinen-Anbieter verantwortlich. Vorher betreute Gundotra allerdings die Software-Entwicklung bei Microsoft und warb vor allem junge Talente an. Experten glauben, er könne den nötigen frischen Wind in das Unternehmen bringen und dabei viel Microsofterfahrung mitbringen. Quelle: AP

Der bisherige Nokia-Chef Stephen Elop, der mit dem Deal zu seinem früheren Arbeitgeber Microsoft zurückkehrt, wird ebenfalls als Anwärter auf dem Spitzenjob gehandelt. Zuletzt galt auch Microsoft-Manager Satya Nadella als starker Kandidat. Nadella ist derzeit Leiter des Geschäfts mit Firmenkunden und Cloud Computing.

Dem früheren Skype-Chef Tony Bates, der nach der Übernahme des Internet-Telefondienstes vor zwei Jahren bei Microsoft inzwischen für die strategische Ausrichtung zuständig ist, wurden zuletzt schlechtere Chancen ausgerechnet.

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Microsoft braucht einen ausgewiesenen Experten für den Umbau von Konzernen. Zwar ist das Unternehmen immer noch sehr profitabel. Allein im Sommer-Quartal fiel ein Gewinn von 5,2 Milliarden Dollar und ein Rekordumsatz von 18,5 Milliarden Dollar an. Doch durch die Smartphone- und Tablet-Revolution schwindet die Vormachtstellung. Kritiker werfen Ballmer vor, in seinen 13 Jahren an der Spitze den Wandel zu mobilen Geräten zu spät erkannt zu haben.

Die angekündigte Umstrukturierung konnte Microsofts Aktionäre bislang nicht überzeugen. Zuletzt wurden unter Investoren Forderungen laut, den einflussreichen Konzerngründer Bill Gates und auch Ballmer nicht mehr in den Verwaltungsrat zu wählen. Sie fürchten laut Insidern, dass vor allem Gates stärkeren Veränderungen kritisch gegenübersteht und die Macht des neuen Chefs einschränken könnte.

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