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Netz-Proteste Facebook verteidigt seinen Inhaltefilter

Kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen üben harte Kritik an Facebooks Inhaltefilter. Es werde immer schwieriger mit den Fans zu kommunizieren. Facebook filtert, wer welche Postings zu sehen bekommt.

Der Inhaltefilter sorgt dafür, dass nur eine Auswahl der Postings angezeigt wird. Quelle: picture alliance / dpa Julian Stratenschulte dpa/lni

San FranciscoGetrieben von wachsender öffentlicher Kritik an seinem Geschäftsmodell geht Facebook in die Offensive. Auf einer Presseveranstaltung in Menlo Park versuchte das Soziale Netzwerk am Wochenende die Wogen zu glätten und die Systematik hinter seinen Inhaltefiltern zu erklären. Sie sorgen dafür, dass viele der von Facebook-Nutzern oder Unternehmen versendeten Nachrichten nur wenige Empfänger erreichen. Es sei denn, man bezahlt dafür. Das sei im besten Sinne der Nutzer, argumentiert Facebook.

Besonders von kleinen Unternehmen, aber auch von Werbe-Managern und Web-Investoren wie Mark Cuban, Eigentümer des Basketballteams Dallas Mavericks, war zuvor heftige Kritik an dieser Inhalte-Zensur gekommen. Cuban etwa beabsichtigt nach eigenen Aussagen seine Facebook-Aktivitäten einzufrieren und sich anderen Netzen wie Twitter, Tumblr oder Myspace zuzuwenden. Das Argument: Über Jahre habe Facebook Unternehmen ermuntert, mit hohem finanziellen Aufwand Facebook-Seiten aufzubauen und Fans zu gewinnen („Likes“). Nun, nach dem Börsengang von Facebook, solle man für den Zugang zu seinen Kunden (Fans) bezahlen.

Auch gemeinnützige Organisationen und Non-Profit-Organisationen äußerten Kritik. Es werde immer schwieriger, sich mit seinen Mitgliedern auszutauschen, wenn immer nur ein kleiner Teil der gesamten Interessenten eine Nachricht zu Gesicht bekomme. Facebook selbst nennt einen typischen Satz von 15 bis 20 Prozent aller Facebook-Freunde, die eine gepostete Nachricht auch sehen.

Produktmanager Will Cuthart verteidigte das Vorgehen Facebooks mit der schieren Masse von Nachrichten und Benachrichtigungen, die auf einen Nutzer mit vielen Freunden täglich einprasseln. „Das Problem mit dem Nachrichtenstrom ist, dass die Leute täglich auf Facebook kommen“, zitiert Techcrunch den Manager, „aber nicht die Zeit haben alles zu lesen, was hereinkommt.“ Deshalb sortiere man das Wichtige heraus. Tatsächlich haben viele Facebook-Nutzer in der Vergangenheit wahllos Freunde gesammelt wie Briefmarken, oft tausende, aber danach mit vielen davon nie ernsthaft kommuniziert. Diese Karteileichen sollen die Filter aufspüren und ausblenden.


Wer wenig „Likes“ vergibt, sieht auch weniger Postings

Besonders vier große Kriterien würden dabei berücksichtigt: Zum einen, wie intensiv jemand mit einem anderen Kontakt kommuniziere, daneben, wie andere auf die eigenen Posts reagierten. Wird jedes Posting eines Freundes oder eines Unternehmens mit einem „Like“ bedacht oder kommentiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man auch in Zukunft diese Postings zu sehen bekommt. Reagiert niemand auf die eigenen Postings oder markiert sie so gar als Spam, als Müll, bekommen diese Personen weniger Postings von dieser Quelle zu sehen.

Daneben gibt es Inhaltskriterien. Wer etwa besonders aktiv auf Fotos reagiert, bekommt auch mehr Fotos zu sehen. Zuletzt wird bewertet, wie oft sich über eine Person oder ein Unternehmen beschwert wird. Mit steigender Anzahl von Beschwerden wird die Verbreitung immer weiter eingeschränkt. Dieser Faktor sei in der großen Änderung des Filters Anfang September stärker bewertet worden. Zu diesem Zeitpunkt kamen die ersten massiven Beschwerden auf, in denen Unternehmen von Reichweitenverlusten von bis zu 40 Prozent quasi über Nacht berichteten.

Mit anderen Worten: Facebook geht davon aus, dass es genau die richtigen getroffen hat. Diejenigen, über die es viele Beschwerden gegeben hat oder deren Postings eigentlich niemanden interessieren. Für die sogenannten „Promoted Post“, bezahlte Anzeigen im Nachrichtenstrom, gebe es einen eigenen Filter, so Werbe-Manager Matt Idema laut Forbes.com.

Idema widerspricht der These, wonach besonders kleinere Unternehmen benachteiligt würden. „Wir sehen eine enorme Akzeptanz bei kleineren Unternehmen“, so Idema. Eine „signifikante Anzahl“ schalte immer wieder neue Anzeigen. Konkrete Zahlen werden jedoch nicht genannt. Die Facebook-Aktie kletterte am Freitag an Wall Street um 6,27 Prozent auf 23,56 Dollar.

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