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Neuanfang beim IT-Konzern So hat Marissa Mayer Yahoos Image poliert

Die Yahoo-Chefin hat den Konzern wieder populär macht – zumindest an der Börse. Doch kann die Internet-Veteranin und Promi-Workaholic auch dessen Umsatz beleben?

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Die Herrscherinnen des Silicon Valley
Marissa MayerMarissa Mayer ist ein Google-Urgestein, beim Suchmaschinenkonzern war sie Mitarbeiterin Nummer 20. Zuletzt arbeitete die Google-Vorzeigefrau als Produktchefin. Mit dem Wechsel an die Spitze von Yahoo steigt die Ex-Freundin von Google-Gründer Larry Page endgültig in die Spitze der US-IT-Managerinnen vor. Denn eine ganze Reihe von Spitzenpositionen bekleiden Frauen… Quelle: REUTERS
Margaret WhitmanMeg Whitman ist so etwas wie die Grande Dame des Silicon Valley. Ihren Ruhm und Reichtum begründete Whitman, die eigentlich Ärztin werden wollte, mit Ebay. Sie machte aus dem Startup mit gerade mal 30 Mitarbeitern ein global operierendes Online-Auktions- und dann ein Handelshaus mit 15.000 Angestellten und 8,5 Milliarden Dollar Umsatz. Über zehn Jahre lenkte sie Ebay und trat im März 2008 etwas amtsmüde als Vorstandschefin zurück. Die langjährige Chefin des Internet-Handelskonzerns Ebay löste Ende September 2011 überraschend den glücklosen Vorgänger Léo Apotheker an der Spitze des weltgrößten IT-Konzerns ab. Quelle: dapd
Virginia RomettyDie seit 30 Jahren in den Diensten von IBM stehende Managerin hat Anfang Januar 2012 das Steuer vom langjährigen IBM-Boss Sam Palmisano (links) übernommen. Die Informatikerin und Ingenieurin, die 1981 bei IBM anheuerte muss den von Plamisano verkündeten "Strategieplan 2015" fortsetzen. Quelle: Reuters
Sheryl SandbergChefin ist sie zwar (noch) nicht, doch kaum eine Frau im Valley ist so mächtig, wie Sheryl Sandberg. Die frühere Google-Managerin war 2008 zu Facebook gekommen und hat Zuckerberg seitdem in geschäftlichen Dingen den Rücken freigehalten, so dass er sich ganz auf die Weiterentwicklung des Netzwerks konzentrieren konnte. Sandberg sorgt in ihrer Rolle dafür, dass das Geld hereinkommt, kümmert sich um die Außendarstellung, um die Personalführung und vieles andere. Auch beim Börsengang fiel Sandberg als Architektin des geschäftlichen Erfolgs eine wichtige Rolle zu: Sie versuchte zusammen mit Zuckerberg, Investoren zum Kauf von Aktien zu bewegen. Die Nummer zwei bei Facebook hat im Juni ihre Macht im Sozialen Netzwerk ausgebaut. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg ist nun auch in den wichtigen Verwaltungsrat eingezogen. Dies ist das höchste Firmengremium - und das war bislang rein männlich besetzt. Quelle: REUTERS
Carol BartzDoch einige Frauen sind auch schon wieder gescheitert. Zwischen 2009 und 2011 sollte Carol Bartz den Umschwung bei Yahoo schaffen. „Diese Leute haben mich verarscht“, schimpfte Carol Bartz, als sie ihren Posten als Yahoo-Chefin wieder verlor. Als Verwaltungsratschef Roy Bostock ihr am Telefon das von Anwälten formulierte Kündigungsschreiben diktierte schleuderte sie ihm entgegen: „Warum hast Du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?“ Im Januar 2009 war die langjährige Chefin des Softwarehauses Autodesk zu Yahoo geholt worden, um endlich wieder Schwung in die Internet-Ikone zu bringen. Bartz fand ein zerrüttetes Unternehmen vor, ohne klare Management-Zuständigkeiten, Intrigen und kleinen Königtümern. Sie brachte wieder klare Strukturen ins Unternehmen, stellte verlustträchtige Projekte ein und kürzte die Kosten. Eine umstrittene Suchmaschinen-Allianz mit Microsoft sparte zwar Kosten. Doch damit gab Yahoo eigene Expertise ab Quelle: REUTERS
Carly FiorinaFiorina war lange Chefin von Hewlett-Packard, sie leitete HP von 1999 bis 2005 und war dort unter anderem für die Fusion mit Compaq verantwortlich. 2010 kandidierte sie als Senatorin für Kalifornien, verlor aber die Wahl gegen die Demokratin Barbara Boxer. Quelle: AP

Mit ihr hatte niemand gerechnet. Am 17. Juli ist es ein Jahr her, dass Marissa Mayer – bis dahin das Gesicht von Google und Silicon Valleys prominentester Workaholic – den Chefposten bei Yahoo antrat. Nicht, dass es Mayer an Ehrgeiz gemangelt hätte. Im Gegenteil: Davon hat die 38-jährige Informatikerin, die Google-Chef Larry Page bei der Neuorganisation übergangen hatte,  mehr als genug. Schlicht und einfach, weil der Yahoo-Posten als Schleudersitz und ziemlich unglamourös galt. Drei CEOs hatte der Internet-Medienkonzern seit Januar 2009 verschlissen. Selbst Gründer Jerry Yang traf es.

Bei Mayers Antritt galt der Konzern als demoralisiert, mit zerstrittenen Fürstentümern, traumatisierten Ingenieuren und fatalistischen Anzeigen-Verkäufern. Im Wettbewerb hinkte Yahoo nicht nur hoffnungslos Google hinterher, sondern war auch noch von Newcomer Facebook im Werbebanner-Geschäft abgehängt worden, lange Jahre die Domäne von Yahoo. Der Ruf war so mies, dass Startups wie Yelp sich weigerten, von der gefallenen Ikone übernommen zu werden - aus Angst vor Infektion mit dessen Lethargie. Das einzige Plus war, dass Yahoo in den vergangenen zehn Jahren trotz aller Probleme stets Gewinne geschrieben hatte.

Mayer war eine ungewöhnliche Wahl.  Als 20. Mitarbeiterin bei Google hatte sie Karriere in einem Unternehmen gemacht, das nie eine richtige Krise meistern musste und Wettbewerbsnachteile stets mit dem Scheckbuch wettmachen konnte. Mit Turnarounds hatte Mayer keine Erfahrung. CEO war die adrette Blondine auch nie gewesen.

Yahoo ist wieder da

Ein Jahr später ist Mayer das Unglaubliche gelungen. Yahoo ist wieder da. Sein angekratztes Image ist aufpoliert. Zumindest sehen das Aktionäre so. An der Börse ist der Wert des Konzerns seit ihrem Amtsantritt um 66 Prozent gestiegen. Das gelang in dem Zeitraum noch nicht einmal Google (42 Prozent). Vor allem aber wird Yahoo wieder ernst im Silicon Valley genommen. Sogar umschwärmt, weil Mayer heftig auf Shopping-Tour ist.

17 Unternehmen hat Mayer in ihrer Amtszeit akquiriert, allein 14 in diesem Jahr.  Ihr teuerster Einkauf ist bislang der Erwerb des New Yorker Mikro-Blogging Startups Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar, obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr nur 15 Millionen Dollar umgesetzt haben soll. Vor ein paar Tagen schlüpfte der Email-Spezialist Xobni aus San Francisco für 48 Millionen Dollar unter den Schirm von Yahoo.

Viel Lob von Analysten

Wenn Mayer am 16. Juli die Quartalszahlen präsentiert, wird es viel Lob von Analysten geben. Aber auch viele Fragen. Vor allem wie die ganzen Übernahmen zusammenpassen und wie Mayer mit ihnen das Kerngeschäft  mit Online-Werbung stärken will. Dessen Umsatz fiel im ersten Quartal um 6,6  Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, obwohl das Unternehmen im Wachstumsmarkt Online-Werbung agiert. Laut dem Marktforschungsunternehmen eMarketer werden mit digitaler Werbung in diesem Jahr voraussichtlich weltweit 117 Milliarden Dollar umgesetzt. Ein Drittel davon geht allein an Google. Auf Platz 2 folgt Facebook mit 5 Prozent, gefolgt von  Yahoo mit 3,1 Prozent.

„Alles Wachstum beginnt mit unseren Nutzern“, fasste Mayer ihre Strategie auf der jüngsten Yahoo-Hauptversammlung zusammen. Derzeit zählt das Unternehmen zusammen mit Tumblr rund eine Milliarde Besucher im Monat.

Mit anderen Worten: Nur, wenn noch mehr Nutzer Yahoos Plattform ansteuern und nicht an die Konkurrenz verlorengehen, kann der Konzern relevant bleiben. Da der Nutzer jedoch immer anspruchsvoller wird und das Internet innovativ ist, muss Yahoo ständig nachlegen. Aus diesem Grund hat Mayer nicht nur die Homepage neu gestaltet und übersichtlicher gemacht, sondern auch die beiden wichtigsten Dienste – Yahoo Mail und den Fotoservice Flickr – überholt.

„Es werden noch mehr Veränderungen folgen“, verspricht die Yahoo-Chefin.

Alibaba vor dem Börsengang

Yahoos Shopping-Tour
XobniJuli 2013: Yahoo kauft den App-Entwickler Xobni für angeblich etwa 60 Millionen Euro, heißt es auf den Seiten des IT-Magazins Techcrunch. Xobni steht für „Inbox“ (umgekehrt gelesen) und bietet Werkzeuge an, um E-Mails und Kontakte besser zu verwalten. Dafür erkennt die  Software automatisch Muster in der Kommunikation des Users. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 2006 in San Francisco.
BignogginsJuli 2013: Auch das Startup Bignogginy wird von Yahoo gekauft. Das Unternehmen hat Spiele-Apps wie „Fantasy Monster“ und „Draft Monster“ entwickelt. Wie viel Marissa Mayer für die Übernahme gezahlt hat, ist nicht bekannt. Im Verhältnis soll es sich jedoch um eine eher niedrige Summe gehandelt haben. Quelle: Presse
QwikiJuli 2013: Auch den Videospezialisten Qwiki schluckt Yahoo. Mit Hilfe der iPhone-App lassen sich aus Fotos und Filmen individuelle Audio-Video-Slideshows basteln. Nach Angaben des Technologieblogs „All Things D“ sollen für die Übernahme etwa 50 Millionen Dollar gezahlt worden sein. Die Qwiki-App bleibt auch nach der Übernahme bestehen.
GhostbirdJuni 2013: Ghostbird entwickelt Apps zur Bearbeitung von Fotos auf iPhones. Zu den bekanntesten Produkten gehören KitCam oder PhotoForge2. Mit der Übernahme durch Yahoo werden die Mitarbeiter zum Teil des Flickr-Teams. Über den Kaufpreis sind keine Angaben bekannt. Quelle: Presse
TumblrMai 2013: Die größte Übernahme gelingt Marissa Mayer mit dem Kauf des Blog-Portals Tumblr. Für das 108 Millionen Profile starke Portal hat sie 1,1 Milliarden Dollar springen lassen. Während soziale Netzwerke Menschen verbinden, verknüpfen Plattformen wie Tumblr vor allem Inhalte. Bei Facebook beschränken sich die Möglichkeiten auf einen Chat, Statusupdates sowie Foto- und Videoupload. Das ist vielen Nutzern zu wenig. Einige Studien deuten darauf hindeuten, dass die Facebook-Aktivität vieler jüngerer Nutzer nachlässt. Einige Experten sehen Tumblr schon als den jugendlichen Nachfolger. Quelle: Presse
HuluMai 2013: Auch an dem Unternehmen Hulu hat Yahoo Interesse geäußert. Hier ist die Übernahme jedoch nicht ganz so einfach, denn die Konkurrenz ist stark. Neben Yahoo sollen auch Time Warner Cable, der Satelliten-TV-Spezialist DirecTV und Finanzinvestoren wie KKR sein. Bei Hulu können sich amerikanische Internet-Nutzer TV-Sendungen und Filme online ansehen. Einen großen Teil des Programms gibt es kostenlos und werbefinanziert, für einige Inhalte und die Nutzung auf Smartphones und Tablets muss man zusätzlich bezahlen. Der Dienst gehört drei großen Playern der amerikanischen TV-Branche: Disney, Rupert Murdochs News Corp. und Comcast. Sie bringen Serien ihrer Senderketten ABC, Fox und NBC ins Programm. Die Partner sind aber uneins über die Strategie und überlegen, Hulu zu verkaufen. Noch haben sie allerdings keine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Website getroffen. Quelle: Presse
AstridMai 2013: Das ToDo-Tool Astrid wird zum Teil des Yahoo-Portfolios. Vier Millionen Nutzer hat das Portal am Tag der Übernahme. Die App wird nicht weitergeführt. Wie Yahoo die Technik für eigene Zwecke nutzen möchte, ist bisher nicht bekannt. Quelle: Presse

Doch Mayers Erfolgssträhne ist bislang vor allem ein „Sesam öffne Dich“, dessen Zugang sie dem Geschick von zwei Männern zu verdanken hat. Dem ehemaligen Englisch-Lehrer Jack Ma, der sein Unternehmen Alibaba zum größten E-Commerce-Unternehmen Chinas aufgebaut hat. Und der Entscheidung von Yahoos ehemaligen CEO Terry Semel vor acht Jahren, Yahoos China-Geschäft in die Hände von Ma zu legen und das Joint Venture mit einer Milliarde Dollar anzuschieben. Zwar ist Semel mit dem Verbasseln des Kaufs des heutigen größten Konkurrenten Facebook in die Geschichte eingegangen, was als eine der größten unternehmerischen Fehlentscheidungen in der jüngeren Geschichte des Silicon Valley gilt. Doch seine Wette mit Alibaba hat Yahoo gerettet. Denn Mayer konnte nicht nur ihre Einkäufe mit dem Verkauf von 20 Prozent an Alibaba finanzieren, für das Yahoo sieben Milliarden Dollar erhielt. Sondern auch Gelder mit dem Rückkauf von Aktien ausschütten.

Der größte Schatz ist allerdings noch gar nicht gehoben. Alibaba steht vor dem Börsengang, der für den Herbst oder Frühjahr nächsten Jahres erwartet wird. Er könnte den Wert des chinesischen Unternehmens – einem Mix aus Ebay und Amazon -  auf 100 Milliarden Dollar schrauben. Da Yahoo immer noch 23 Prozent an Alibaba gehören und Ma unbedingt den amerikanischen Partner herauskaufen will, steht ein erneuerter Geldsegen an.

Nichts zu melden in Asien

Das ist aber zugleich ein Problem für Mayer. Denn der plötzliche Wiederaufstieg der gestrauchelten Internet-Ikone zum Börsenliebling hängt fast ausschließlich mit dem Bergen des Schatzes aus dem Reich der Mitte zusammen. Doch mit dem Verscherbeln des Tafelsilbers in Asien hat Yahoo – mit der Ausnahme von seiner gut laufenden Sparte in Japan – im aufstrebenden asiatischen Internet-Markt nichts zu melden.

Mehr noch: Im amerikanischen Kernmarkt muss Mayer erst beweisen, ob Yahoo  Boden gut machen kann. So unterschiedlich ihre Akquisitionen auch sind, sie sollen fünf Großbaustellen zu gute kommen, die alle miteinander aufsetzen.

Erstens geht es darum, Yahoos einst populäre Produkte wie Yahoos Email-Service oder Flickr zu entstauben und flott zu machen. In dieses Lager fällt der Email-Spezialist Xobni, aber auch der iPhone App-Photospezialist  GhostBird Software. Bei dem Photodienst Flickr, den Mayer grundlegend überholen ließ und mit einem Terrabyte kostenlosen Speicherplatz pro Nutzer ausstattete, ist die Zahl der täglichen Nutzer laut Yahoo seit dem Neudesign im Mai um 50 Prozent gestiegen. Das trotz heftiger Proteste von Profi-Photographen, die an das alte Interface gewohnt waren.

Zweitens muss Mayer Yahoo stärker ins mobile Internet hinüberhieven, was Mark Zuckerberg vom Erzkonkurrenten Facebook bereits gelungen ist. Hier muss die Yahoo-Chefin das Manko überwinden, dass ihr Unternehmen im Gegensatz zu Google kein eigenes Betriebssystem hat. Dafür aber populäre Apps für Yahoo Mail und den Fotoservice Flickr.

Die laut Yahoo insgesamt 300 Millionen mobilen Nutzer sind jedoch weniger als die Hälfte deren, die Facebooks App täglich nutzen. Das jüngst für 50 Millionen Dollar  erworbene Startup Qwiki, welches einminütige Präsentationen aus Videos, Photos und Links erlaubt, soll nicht nur die Nutzerzahl ausbauen, sondern auch Videoservices von Instagram und Twitter kontern.

Verstärkt auf Big Data setzen

Die wichtigsten IT-Persönlichkeiten
Die Produktdesignerin: Marissa MayerIhre Nominierung als Yahoo-Chefin macht die erst 37-jährige Google-Managerin einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch schon zuvor war sie in der Branche als ein Gesicht von Google bekannt, das beispielsweise im Interview mit dem Elektrischen Reporter eloquent die Daten-Sammelei des Konzerns verteidigte. Die ausgebildete Informatikerin galt als eines der Gesichter von Google. Bei Google war sie für Produkte zuständig. Sie gehörte zum Kern-Team Google und war 1999 die 20. Mitarbeiterin des Unternehmens überhaupt. Das schlichte Design der Google-Suchmaske stammt von ihr. Die Los Angeles Times attestierte ihr, niemand anderes habe so viel Einfluss  darauf, wie Menschen das Internet erleben. Dass Yahoo Mayer zur neuen Chefin macht zeigt, dass das Unternehmen vermutlich mit neuen Produkten aus der Krise finden will. Quelle: Reuters
Marc Andreesen Quelle: dapd
 Larry Page und Sergey Brin (links) Quelle: dpa
Der Erfolgsmensch: Larry EllisonLarry Ellison, Chef des weltgrößten Datenbank-Herstellers Oracle, gehört zu jenen CEOs, die wissen, wie sie sich Gehör verschaffen. Meist hat er zu allem, was in der Branche vor sich geht eine Meinung – und meist sagt er sie laut. Eine wütende Rede über den aus seiner Sicht unsinnigen Begriff Cloud Computing aus dem Jahre 2008, kennt in der Branche fast jeder. Ellisons Leben war durch Brüche geprägt. So rasselte der uneheliche Sohn  1966 in tiefer Trauer durch sämtliche Uni-Prüfungen, als seine Stiefmutter verstarb. Mit nur 2000 Dollar Stammkapital und ohne Uni-Abschluss gründete er 1977 zusammen mit zwei Partnern die Firma, die heute als Oracle bekannt ist. Heute ist der laut „Forbes“ mit einem Nettovermögen von 36 Milliarden Dollar der sechstreichste Mensch der Welt. Ellison lebt und genießt seinen heutigen Reichtum. Seine 138 Meter lange Mega-Yacht „Rising Sun“, die er mit seinem Freund David Geffen teilt, gehört zu den größten der Welt. Seit kurzem besitzt der Multimilliardär auch eine eigene Insel. Im Bieterwettstreit um die Hawaii-Insel Lanai stoch er Ex-Microsoft-Chef Bill Gates aus. Quelle: dapd
Der Geschäftsmann: Bill GatesBei Microsoft-Gründer Bill Gates verbanden sich Begabung, Fleiß und Glück miteinander. Als Kind brillierte Gates in Mathematik und Naturwissenschaften. Das erste große Glück im Leben des Bill Gates war sein früher Zugang zu Computern. Die private Elite-Schule, die er besuchte, gehörte zu den ersten in den USA, die einen programmierbaren Fernschreiber besaß. Ebenfalls noch als Schüler erhielt er Zugriff auf Großrechner. Sein Havard-Studium brach er zugunsten der von ihm gemeinsam mit Freunden gegründeten Firma Microsoft ab – keine schlechte Entscheidung. Das zweite große Glück seines Lebens war der Erfolg des IBM-PCs – oder besser, IBM-kompatibler Nachbauten. Denn während der PC für IBM selbst kein kommerzieller Erfolg war, entwickelten sich die IBM-PC-Klone zu echten Verkaufsschlagern – und mit ihnen das Betriebssystem MS-DOS. Microsoft hatte das System für ressourcenschwache Rechner an IBM lediglich lizenziert und selbst alle Rechte behalten. Das System, das Microsoft reich machen sollte, war keine Eigenentwicklung. Das Unternehmen hatte QDOS von dem Entwickler Tim Paterson für 50.000 Dollar erworben. Heute engagiert sich Gates mit seiner Stiftung vor allem im Kampf gegen Krankheiten in der Dritten Welt. Quelle: dapd
Das Marketing-Genie: Steve Jobs In der Geschichte von Apple gingen bislang alle entscheidenden Impulse von Steve Jobs aus. Ende der siebziger Jahre erkannte Jobs als einer der ersten, dass die von seinem Kumpel Steve Wozniak zusammengelöteten Computer-Platinen nicht nur ein Hobby für Nerds sind, sondern den Anfang der Ära des Personal Computers markieren. Anfang der achtziger Jahre entdeckte er das Potenzial der bei Xerox entwickelten grafischen Benutzeroberfläche für Computer, die mit dem Mac und später mit Microsoft Windows die Welt verändern sollten. Als Jobs 1985 nach einem Konflikt mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley das Unternehmen verlassen musste, übernahm er die Trickfilmsparte von George Lucas und revolutionierte mit Pixar die Filmbranche. 1997 kam er zu Apple zurück. Das Unternehmen stand damals kurz vor der Pleite und wurde von Jobs mit innovativen Produkten wie dem iMac und dem iPod wieder auf die Erfolgsspur gebracht. Zum Mega-Unternehmer wurde er schließlich mit der Einführung des iPhone im Jahr 2007 und dem iPad (2010), mit dem Apple die „Post-PC“-Ära einläutete. Steve Jobs war bei Apple nicht nur der unbestrittene Chef, sondern vereinte in seiner Person die Rolle des genialen Visionärs, entschiedenen Antreibers und erfolgreichen Verkäufers. Am 5. Oktober 2011 starb Jobs an seinem Krebsleiden. Er hinterließ eine Frau, vier Kinder - und ein kerngesundes Apple, das bis heute das wertvollste Unternehmen der Welt ist. Quelle: dapd
Der Nerd: Steve WozniakWar Steve Jobs das Gesicht von Apple, so war Wozniak in der Anfangszeit Hand und Hirn der Garagenfirma. Der zurückhaltende, hochbegabte Ingenieur gilt als Genie. Schon mit 13 entwickelte er einen Taschenrechner, ein IQ-Test von damals bescheinigte ihm einen Intelligenzquotienten von über 200 – schon ab Werten von über 130 gelten Menschen als hochbegabt. 1976 gründete Wozniak gemeinsam mit seinem Schulfreund Steve Jobs Apple. In  seiner Biografie „iWoz“ beschreibt er seine Jugend als Außenseiter – ein Prototyp des „Computernerds“. Seinen Job als Ingenieur bei Hewlett-Packard gab er erst auf, als Jobs ihm zusicherte, nie Manager werden zu müssen. Wozniak bereitete der Erfolg von Apple eher Unbehagen. Einen Teil seiner Aktien verkaufte deutlich unter Wert an Mitarbeiter des Unternehmens, die er am Erfolg teilhaben lassen wollte. Jobs zeigte dafür kein Verständnis. Nach einem Flugzeugsabsturz 1981 ließ er die damals aufstrebende Firma Apple hinter sich und widmete sich unter anderem der Organisation von Open-Air-Konzerten, bei denen er mehr als 20 Millionen Dollar verlor. Nach einem kurzen Intermezzo als einfacher Ingenieur bei Apple, kehrte er 1985 dem Konzern endgültig den Rücken. Allerdings erhält er bis heute rund 10.000 Dollar Gehalt im Jahr von Apple. Beruflich setzt er inzwischen aber ganz andere Prioritäten: Seit 1988 unterrichtet er Kinder in Informatik. Quelle: Reuters

Drittens setzt Mayer, die als Zahlenfetischistin gilt, verstärkt auf Big Data. Was nicht nur das stärkere Auswerten des Nutzerverhaltens einschließt, um deren Aufmerksamkeit besser an Yahoos Werbekunden vermarkten zu können. Sondern auch um das Analysieren der von Yahoo produzierten und aggregierten Inhalte. Als Spezialistin für Künstliche Intelligenz ist Mayer ein Fan des sogenannten natural language processing (NLP), wohinter Algorithmen stecken, die Inhalte „verstehen“ und so besser an das Publikum ausgeliefert werde können. Je besser das klappt, umso besser kann Yahoo die Bedürfnisse seiner Nutzer einschätzen und dieses Wissen vermarkten.

Viertens will Yahoo an Publikum zulegen und zugleich den Wandel im sozialen Internet im Auge behalten.  Deshalb die Akquise des Mikro-Blogging-Netzwerks Tumblr, das 122 Millionen Blogs und damit neue Inhalte für Yahoo sicherte. Beobachter halten Tumblr für den Nachfolger von Facebook. Zugleich nahm Mayer damit einen potentiellen Konkurrenten vom Markt. Das Problem ist, dass Tumblr Mayer auf die Füsse fallen könnte. Zwar baut der Neuerwerb Yahoos globales Publikum auf rund eine Milliarde Nutzer pro Monat aus.

Doch ob Werbekunden die zuweilen bizarren Inhalte auf Tumblr wirklich zu schätzen wissen oder sie eher abschreckend wirken, muss sich erst noch erweisen.

Fünftens muss Mayer die Rolle von Yahoo im Suchmaschinen-Geschäft neu definieren. Denn seit dem strategischen Schulterschluss von Microsoft unter ihrer Vorvorgängerin Carol Bartz hat Yahoo weiter kräftig Marktanteile im Suchmaschinen-Geschäft verloren und zwar nicht nur an Google, sondern auch an Bing.

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Doch Mayer hat eingesehen, dass ihr Wunsch-Vermarktungspartner Google niemals von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden würde. Nicht nur wegen dessen Dominanz bei der Internet-Suche, sondern auch wegen dessen Marktführerschaft bei mobilen Anzeigen und Bannerwerbung. Glücklicherweise hat Microsoft-Chef Steve Ballmer gerade bekräftigt, die Suchmaschine Bing trotz aller Milliarden-Verluste nicht einzustellen, sondern sogar weiter zu entwickeln. Für Ballmer ist Bing strategisch wichtig, um gegen Google im Internet-Geschäft bestehen zu können.

Das kommt Mayer entgegen. Denn so kann sie es Microsoft überlassen, Hunderte Millionen Dollar in das Weiterentwickeln von Suchalgorithmen zu stecken. Ein wieder erstarktes Yahoo macht den Internet-Medienkonzern auch für Microsoft interessant. Der Softwarekonzern wollte Yahoo im Februar 2008 schon mal kaufen, um seine Internet-Mediensparte attraktiver zu machen. Laut eMarketer liegt Microsoft derzeit mit einem Marktanteil von 1,8 Prozent weltweit auf Platz 4 hinter Yahoo. Vereint könnte man zur Nummer 2 Facebook zumindest aufschließen.

So könnte Mayer das Interesse der Yahoo-Aktionäre wach halten, wenn deren Faszination mit dem Alibaba-Schatz nachlässt.

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