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Neue Funktionen Google kupfert ab, statt zu erfinden

Am Montag kündigte Google in San Francisco etliche Neuerungen an, die in den nächsten Wochen eingeführt werden sollen. Quelle: REUTERS

Kurz nach dem zwanzigsten Jahrestag seiner Suchmaschine führt Google neue Funktionen ein. Statt eines großen neuen Wurfs zeigt der Internet-Konzern, dass er vor allem bei Facebook, Pinterest und Snap abkupfert.

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Die spartanische Startseite von Google mit dem Logo und der Suchbox ist Markenzeichen des Silicon-Valley. Konzerns. „Wir wollen unsere Nutzer möglichst schnell zu den gewünschten Ergebnissen führen“, erklärte Google-Chef Larry Page in den Anfangsjahren das frugale Layout. Viel hat sich im Silicon Valley und bei Google geändert, seit das Such-Start-up am 4. September 1998 in Menlo Park offiziell gegründet wurde, um den Scheck mit der 100.000-Dollar-Anschubspritze des gebürtigen deutschen Investors Andreas von Bechtolsheim einlösen zu können. Die spartanische Seite, eine der meistbesuchten der Welt, ist geblieben.

Doch zum zwanzigsten Jahrestag weicht Google nun etwas davon ab. Am Montag kündigte der Konzern in San Francisco etliche Neuerungen an, die in den nächsten Wochen eingeführt werden sollen. Sie eint, dass sie Inhalte stärker personalisieren, automatisch zusammenfassen und bei späteren Besuchen leichter abrufbar machen. Google tritt nun noch stärker als eine Art Verleger auf, ohne selbst Inhalte zu produzieren. „Die Suche ist nicht perfekt und wir haben keine Illusionen darüber“, räumt Ben Gomes, zuständig für die Sucharchitektur bei Google ein. Allerdings habe man den Ehrgeiz, immer stärker ans Optimum heranzukommen. Allein im vergangenen Jahr habe Google an der Suchmaschine 2500 Verbesserungen vorgenommen.

Google wird – zunächst nur auf mobilen Browsern – etwas ähnlicher wie, nun ja, Facebook. Unterhalb der Suchbar werden in einer „Discover-Funktion“ Beiträge, Fotos und Videos aus dem Web offeriert, die für den Nutzer interessant sein könnten. Das ähnelt dem Newsfeed von Facebook. Mit dem Unterschied, dass Google sich anhand der Suchhistorie auf Themenkomplexe wie beispielsweise Städte oder Produkte konzentriert, während Facebook seine Inhalte stärker nach der Art des Freundes- und Bekanntenkreises auswählt. Die Funktion ist nicht ganz neu. Schon im Sommer vergangenen Jahres wurde sie eingeführt und laut Google wird sie monatlich von 800 Millionen Besuchern genutzt. Neu sind aber Name, Design und dass sich die vorgeschlagenen Inhalte je nach Interessen besser anpassen lassen.

Stärkere Personalisierung führte Google schon vor Jahren ein, als es in seiner Abfragezeile mögliche Ergänzungen für Suchworte vorschlug. Nun fasst Google tatsächlich besuchte Seiten thematisch in einer Art Erkundungstour namens „Activity Card“ zusammen. Es ist quasi die Suchhistorie, nur besser aufbereitet.

Eine weitere Anleihe bei einem prominenten Start-up – in diesem Fall Pinterest – hat Google bei seiner neuen Funktion „Collections“ genommen. Über sie lassen sich im Internet gefundene Inhalte aus der „Activity Card“ sichern und verwalten. Google nutzt sie, um noch bessere Vorschläge für zusätzliche Inhalte zu machen. „Diese Inhalte werden ständig im Hintergrund aktualisiert und sind damit immer frisch“, erklärt Google-Manager Nick Fox, zuständig für das Design der Suche.

Ähnlich wie Facebook kupfert auch Google bei dem sozialen Netzwerk Snap ab. Das machte einst die sogenannten Stories populär, bei der Informationen über eine Person in einer Präsentation zusammengefasst werden.

Auch die Bildsuche wird nun etwas anders aufbereitet. Statt nur passende Fotos zum Suchbegriff zu zeigen, werden auch sie nach Themen und Interessen geordnet. Cathy Edwards, Chefingenieurin von Google-Images erklärte die Idee anhand der Suche nach einer Kinderschaukel. Die neue Suche zeigt nicht nur Schaukeln an, sondern auch Produktbilder für den Kauf samt Quelle und Inhalte von Seiten, die sich mit der Auswahl der passenden Schaukel beschäftigen.

Wie mittlerweile bei jeder Präsentation eines Technologiekonzerns musste natürlich die Rolle von Künstlicher Intelligenz herausgehoben werden. „Wir wollen künftig stärker erahnen, was der Nutzer vorhat, ohne dass er eine Suchabfrage eingeben muss“, beschreibt Sucharchitektur-Chef Gomes.

Zum Beispiel bei Problemen, die der Kunde nicht richtig beschreiben kann, weil er die nötigen Fachbegriffe nicht nennt. Gomes erklärte es anhand des sogenannten „Soap Opera Effects.“ Dabei heben sich in Bewegung befindliche Personen stärker vom Hintergrund ab, was unnatürlich wirkt. Künftig reicht es, bei Google „merkwürdiges Fernsehbild“ einzugeben. Anhand der Anfragen anderer Nutzer folgert Google dann daraus, dass es sich um diesen Effekt handeln könnte und schlägt ihn vor.

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