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Neue Geschäftsfelder Wie Apple den Weg aus der Krise finden könnte

Apple: So könnte der Weg aus der Krise aussehen Quelle: AP

Apple hat die eigenen Prognosen im Weihnachtsgeschäft verfehlt. Vor allem in China sinkt der Absatz von iPhones. Um einen Ausweg aus der Misere zu finden, sollte sich der Konzern am Streamingdienst Netflix orientieren.

Für Apple beginnt das neue Jahr mit einem Paukenschlag – einem negativen allerdings: Ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft haben die Geschäfte des Konzerns geschwächelt, wie der Hersteller der iPhones am späten Mittwochabend einräumen musste. Statt der ursprünglich prognostizierten 89 bis 93 Milliarden Dollar rechnet Apple nun nur noch mit einem Umsatz von 84 Milliarden Dollar. Hauptgrund dafür seien laut Apple-Chef Tim Cook insbesondere miese iPhone-Verkäufe in China gewesen.

Wenig verwunderlich, dass die Apple-Aktie nachbörslich um fast acht Prozent einbrach. Immerhin galt China für Apple als einer der wichtigsten Märkte. Doch das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte hat sich spürbar verlangsamt. Hinzu kommt der Handelsstreit zwischen den USA und China, der die Abschwächung laut Apple-Boss Cook weiter befeuert.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere geht tiefer – und zielt mitten auf den Kern des Geschäftsmodells von Apple: Bisher hat das Unternehmen mit Hauptsitz im kalifornischen Cupertino davon profitiert, dass es Hardware und Software aus einer Hand anbietet. Durch die Kombination aus iPhone-Gerät und iOS-Betriebssystem kontrolliert Apple die gesamte Wertschöpfungskette – und kann so dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft, wenn der Kunden sein Smartphone zur Hand nimmt.

Die Nutzer wiederum sind dank Apple-eigener Apps wie etwa der Chat-Software iMessage oder der Videotelefonie-Anwendung Facetime komplett in der Welt des angebissenen Apfels gefangen. Eben jener „Lock-in“ funktioniert in China jedoch nicht. Grund: Die wichtigste Smartphone-Software ist dort nicht das mobile Betriebssystem – sondern die chinesische Messaging-App WeChat: Sie ist Dreh- und Angelpunkt für die gesamte Smartphone-Nutzung, egal ob der Kunde mit seinen Freunden kommunizieren, im Supermarkt bezahlen oder unterwegs spielen will.

Inzwischen verfügt WeChat über mehr als eine Milliarde Nutzer und hat sich in China dank Zusatzdiensten wie beispielsweise dem mobilen Bezahlen tief ins Alltagsleben der Menschen hineingegraben. „Das gibt es in der Form in keinem anderen Land“, schrieb der amerikanische IT-Analyst Ben Thompson bereits im Mai 2017 in einer heute umso bemerkenswerteren Analyse. Ihr damaliger Titel: Apples China-Problem.

Wie kann Apple aus dieser Misere herauskommen? Möglicherweise kann Internet-Rivale Amazon als Vorbild dienen. Jeff Bezos, Gründer und noch immer Chef von Amazon, hat sein Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich umgebaut – weg vom reinen Internet-Händler hin in Richtung Dienste, allen voran Cloud Computing: Zwar kommt die schnell wachsende Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) nur auf rund ein Zehntel des Gesamtumsatzes – sorgt dabei aber für gut 30 Prozent des Konzerngewinns. Vor allem dank der AWS-Gewinnmaschine hat die Amazon-Aktie im vergangenen Jahr einen beachtlichen Höhenflug hingelegt – der Konzern aus Seattle ist aktuell nach Microsoft das zweitwertvollste Unternehmen der Welt; Apple rangiert wegen des jüngsten Kurssturzes nur noch auf Rang drei.

Das Amazon-Beispiel zeigt: Die Börse bewertet Service-Unternehmen in der Regel deutlich höher als Hardware-Anbieter. So kommt aktuell etwa der Musik-Streaming-Anbieter Spotify auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 3,4; das Internet-Video-Portal Netflix liegt gar bei 7,4 – zum Vergleich: Bei Apple beträgt das KUV aktuell rund 2,8. Anders ausgedrückt: Mit einem höheren Service-Anteil am Umsatz könnte Apple sich wieder deutlich Luft nach oben für eine höhere Bewertung verschaffen.

Genau daran arbeitet Apple-Boss Cook seit einiger Zeit mit Hochdruck: So hat Apple im jüngsten Quartal mit Diensten wie etwa Apple Music, iTunes sowie dem App Store fürs iPhone und iPad rund elf Milliarden Dollar umgesetzt, das entspricht rund 13 Prozent vom Gesamtumsatz. „Damit sind wir wie angekündigt auf dem Weg, das Service-Geschäft von 2016 bis 2020 zu verdoppeln“, schrieb Cook in seinem gestrigen Brief an die Aktionäre.

Unter anderem zur Stärkung seiner Service-Sparte hat Apple im März 2018 den amerikanischen Abo-Dienst Texture übernommen. Der Service bietet rund 200 US-Zeitschriften zum Monatspreis von zehn Dollar an. Das erklärte Vorbild von Texture: Netflix.

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