Neue Marktstudie zur Telekommunikation Der Markt für SMS bricht zusammen

Der Datenverkehr explodiert, doch die Telekom-Unternehmen melden weiter Umsatzverluste. Durch den Siegeszug von Whatsapp bricht der SMS-Markt völlig zusammen.

Innerhalb von zwei Jahren haben es Anbieter von Messaging-Apps wie beispielsweise Whatsapp geschafft, der SMS den Garaus zu machen. Quelle: dpa

Die Vorstände der Telekommunikationsanbieter in Deutschland müssen auch im laufenden Geschäftsjahr wieder alle Hoffnungen auf eine Trendwende begraben und sich auf eine längere Talfahrt des ohnehin schwächelnden Mobilfunk- und Festnetzmarktes einstellen.

Die übertragenen Datenvolumina steigen zwar weiter unvermindert rasant an. Doch in den Kassen der Unternehmen schlägt sich das nicht nieder. Die heftigen Preiskämpfe, aber auch die Regulierungsentscheidungen der Bundesnetzagentur führen nach Ansicht des renommierten Telekom-Marktforschers Torsten Gerpott dazu, dass die Umsätze im laufenden Geschäftsjahr 2014 erneut um 1,2 Prozent auf nur noch 58,3 Milliarden Euro sinken.

Das erklärte der Leiter des Lehrstuhls für Unternehmens- und Technologieplanung an der Mercator School of Management der Universität Duisburg-Essen heute auf einer Pressekonferenz. Der Schrumpfungsprozess werde sich sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk fortsetzen. Die Marktstudie hatte der Verband der Telekommunikations- und Mehrwertdienste (VATM) in Auftrag gegeben.

Wie viele Festnetzanschlüsse es noch gibt

Besonders bitter für die Mobilfunkbetreiber: Der Markt der Kurzmitteilungen, kurz SMS genannt, bricht gerade völlig in sich zusammen. Innerhalb von zwei Jahren haben es die Anbieter von Messaging-Apps wie beispielsweise Whatsapp geschafft, der SMS den Todesstoß zu versetzen.

Seit 2012 sind die SMS-Umsätze um 1,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Statt der damals erlösten 2,8 Milliarden Euro werden es in diesem Jahr nur noch 1,3 Milliarden Euro sein. Hält der Trend an, wird es 2016 keine nennenswerten SMS-Umsätze bei den deutschen Mobilfunkanbietern mehr geben.

Zehn Jahre ohne Wachstum

Die Telekommunikation ist die einzige Branche in Deutschland, die seit zehn Jahren kein Wachstum mehr produziert. Im Jahr 2005 setzten die Telekom-Unternehmen noch 68,8 Milliarden Euro um, zehn Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr.

Um die Umsatzausfälle zu kompensieren, drücken die Unternehmen weiter ihre Personalkosten. Mit 168.000 Beschäftigten meldet die Branche einen historischen Tiefstand. Im vergangenen Jahr waren noch gut 170.000 Mitarbeiter bei der Telekom und ihren Wettbewerbern beschäftigt.

Die zehn umsatzstärksten Telekomkonzerne der Welt

Dabei investieren die Telekom-Gesellschaften so viel wie schon lange nicht mehr. 6,9 Milliarden Euro fließen in diesem Jahr in den Ausbau noch schnellere Fest- und Mobilfunknetze. Das ist der höchste Wert seit 2005.

Die Wettbewerber (3,6 Milliarden Euro) liegen dabei knapp vor der Deutschen Telekom (3,3 Milliarden Euro). Doch diese Investitionen zahlen sich insbesondere im Festnetz bisher nicht aus.

Während die Zahl der inzwischen versorgten Haushalte mit einer Glasfaserverbindung in diesem Jahr um 250.000 auf knapp 1,6 Millionen weiter steigt, nimmt die Zahl der Nutzer nur äußerst marginal zu.

Geringer Zuwachs

385.000 Haushalte, nur 18.000 mehr als im vergangenen Jahr, buchen den Glasfaseranschluss bisher. „Bei Anschlüssen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 50 Megabit pro Sekunde ist nur ein sehr geringer Zuwachs zu verzeichnen“, sagt Gerpott und dämpft damit die Hoffnungen der meist regionalen Glasfaseranbieter, die auf eine stärkere Nachfrage gesetzt hatten. Nach Ansicht von Gerpott fehle derzeit die „zahlungskräftige Nachfrage“.

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Ein schnellerer Glasfaserausbau, wie ihn die Bundesregierung fordert, wäre deshalb nach Ansicht von Gerpott „ökonomischer Selbstmord“.

Dabei nahm das über DSL- und TV-Kabel-Anschlüsse übertragene Datenvolumen so stark wie noch nie zu. Das durchschnittliche Datenvolumen pro Nutzer und Monat stieg auf die neue Rekordmarke von 26,7 Gigabyte – ein Plus von knapp von 30 Prozent.

Vom Trend zu höheren Bandbreiten profitieren derzeit nur die Kabel-TV-Anbieter. Mit 5,9 Millionen Haushalten (plus 700.000) können sie in diesem Jahr ihren Marktanteil auf 20 Prozent steigern. Die Kabel-TV-Unternehmen bieten einen superschnellen 100-Megabit-Anschluss deutlich günstiger als die traditionellen Telekom-Unternehmen an.

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