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Neue SAP-Co-Chefs Jennifer Morgan & Christian Klein „Das waren sehr aufregende 24 Stunden“

Die neuen SAP-Co-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein. Quelle: Presse

Die beiden neuen Co-Vorstandschefs von SAP erläutern im Interview, wie sie das vierte Quartal des Walldorfer Softwarekonzerns retten wollen – und was Aufsichtsratschef Hasso Plattner von ihnen erwartet.

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WirtschaftsWoche: Frau Morgan, Herr Klein, was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als neue Co-CEOs von SAP?
Christian Klein: Wir wissen erst seit gut 24 Stunden von unserer Berufung – das waren also sehr aufregende Stunden. Das ist also keine allzu lange Zeit, um längerfristige Pläne und unsere nächsten Schritte festzulegen. Außerdem haben wir ja gestern unsere vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt, die sehr stark sowohl auf der Umsatz- wie auf der Gewinnseite sind – auch dies zeigt, dass die SAP-Strategie funktioniert, dass Kunden ihre digitale Transformation mithilfe von SAP angehen. Daher sind Jennifer und ich gut beraten, erst einmal Wert auf Kontinuität zu legen. Außerdem befinden wir uns nun mitten im vierten Quartal, dem wichtigsten Quartal für SAP. Wir müssen unseren Fokus also bis Jahresende vor allem auf unsere Kunden richten.

Wie wollen Sie das in den wenigen verbleibenden Wochen bis Ende Dezember bewältigen?
Jennifer Morgan: Wir haben ein Spitzenteam rund um die weltweite Vertriebschefin Adaire Fox-Martin – ihre Vertriebsorganisation hat die Pipeline möglicher Verträge seit Monaten aufgestockt. An den Abschlüssen im vierten Quartal wird im ganzen Rest des Jahres gearbeitet. Das wird sich auch nicht ändern. Bill lässt ein großartiges Erbe zurück, ein großartiges Management-Team, und zwar nicht nur Christian und mich. Daher sind wir sehr zuversichtlich, unsere Ziele für das vierte Quartal erreichen zu können.

In welcher Rolle wird Bill Sie bis Jahresende unterstützen?
Morgan: Es ist wichtig für Christian und mich, auf Bill gewissermaßen als Mentor in den kommenden Monaten zurückgreifen zu können. Seine langjährige Erfahrung wird uns vor allem dabei helfen, das vierte Quartal erfolgreich abzuschließen.

Zumindest hier in Deutschland gab es bei Kunden zuletzt Verunsicherung über die Produktstrategie von SAP. Wie wollen Sie das Vertrauen der Stammanwender zurückgewinnen?
Klein: Das ist eine berechtigte Frage und wir stellen uns dem. Wir nehmen beide die Bedenken unserer Kunden sehr ernst – und wir arbeiten intensiv daran, um sie wieder abzubauen. Vor allem die Beschwerden der deutschen Anwendervereinigung DSAG über die Integration der verschiedenen SAP-Produkte nehmen wir uns sehr zu Herzen. Wir haben einen klaren Fahrplan und feste Teams, die sich des Themas Integration annehmen. Und dabei geht es nicht nur um die technische Integration, sondern die betriebswirtschaftliche Integration der Geschäftsprozesse – dies erwarten die Kunden von SAP.

Wie wollen Sie die Verantwortung zwischen sich aufteilen?
Morgan: Wir werden als Co-CEOs sehr eng zusammenarbeiten, aber weiterhin unsere Teams aus unseren vorherigen Positionen leiten. Das sind wichtige Geschäftsbereiche, in denen wir starke Teams haben. Da wird es also keinerlei Verwerfungen geben.

In welcher Form unterstützt Sie Hasso Plattner bei Ihrer Aufgabe?
Morgan: Christian und ich haben Hasso gestern sowohl einzeln wie auch gemeinsam getroffen, wo er uns über unsere neue Aufgabe informierte. Wir haben dann alle – Adaire, Christian und ich sowie Hasso und Bill – zusammengesessen und den Schritt mit einem Dinner gefeiert. Das war ein sehr emotionaler Abend, an dem der gewaltige Beitrag von Bill für das gesamte Unternehmen gewürdigt wurde – er war ja fast zehn Jahre lang Konzernchef. Die Stimmung war schon ein wenig bittersüß, denn es gibt so viele positive Erinnerungen aus der Vergangenheit. Aber ebenso viel Zeit haben wir darauf verwendet, was als Nächstes kommt. Hasso bleibt da eng involviert, und zwar energisch wie immer.

Und was genau erwartet Hasso von Ihnen als neue Chefs?
Klein: Wir ziehen mit Hasso gemeinsam an einem Strang – und deshalb sind Jennifer und ich jetzt vermutlich auch gemeinsam verantwortlich: Wir glauben beide daran, dass der Fokus auf unsere Kunden entscheidend ist. Nur wenn unsere Kunden erfolgreich sind, kann SAP Erfolg haben. Außerdem erwartet Hasso kontinuierliche Innovationen auf der Forschungs- und Entwicklungs-Seite. Auch hier müssen wir – Stichwort digitale Transformation – sehr eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten, und teilweise auch gemeinsam Innovationen vorantreiben.

Hat der US-Investor Elliott als Minderheitsaktionär eine Rolle in der jetzigen Managementveränderung bei SAP gespielt?
Morgan: Nein!

Klein: Nein, in keinster Weise! Elliott ist ein wichtiger Investor – neben vielen anderen wichtigen. Das Verhältnis zu Elliott ist gut und intakt.

Aktuell steht für Sie Kontinuität an erster Stelle. Welche Visionen oder Pläne können wir von Ihnen als Co-CEOs mittelfristig erwarten?
Klein: Jennifer und ich haben bereits vielfältige Ideen, wie wir das nächste Kapitel von SAP aufschlagen und unsere Erfolgsgeschichte weiterschreiben können. Ich bitte da aber um Verständnis, dass wir in den ersten 24 Stunden nach unserer Berufung noch nicht alle neuen Pläne parat liegen haben. Mehr verraten wir dann auf dem SAP-Kapitalmarkttag im November.

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