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Neuer Chef von Ziggo Obermann wechselt zurück in die Zukunft

Telekom-Chef Rene Obermann wechselt zum 1. Januar 2014 zu dem holländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo. Das ist nur konsequent.

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René Oberman übernimmt die Führung des niederländischen Kabelnetzbetreibers Ziggo. Quelle: dpa

War das schon die vorweg genommene Abschiedsfeier? Normalerweise dient die "Morgenandacht" - so heißt das Ritual bei der Telekom - dazu, die 200 bis 300 Stand-Mitarbeiter auf den Beginn der Cebit einzustimmen. Dem Vorstandsvorsitzenden ist es am ersten Messetag traditionell vorbehalten, mit einer Einpeitscherrede die Stimmung am Telekom-Stand anzuheizen. So war es auch vorgestern geplant. Doch dieses Mal ist alles anders. Denn der erste Messetag fällt mit Obermanns 50. Geburtstag zusammen. Pünktlich um 8.20 Uhr betritt der scheidende Vorstandsvorsitzende die Bühne und wird jäh von einem lauten Motorgeheul abgewürgt. Ein völlig ausgelassener Timotheus Höttges, Obermanns designierter Nachfolger, fährt mit einem nagelneuen Motorrad (einer BMW HP 4) vor die Bühne und übernimmt das Zepter für eine spontane Geburtstagsfeier zu früher Morgenstunde. "Ich hab es satt, dass Du mir sagst, ich wäre zu langsam", schreit Höttges in das Mikrofon und gratuliert zum Geburtstag. Dem sichtlich überraschten Obermann fehlen die Worte. Die Mitarbeiter trällern ein Ständchen. Dann spielt eine Band "Born to be wild", den durch den Kult-Film "Easy Rider" bekannt gewordenen Hardrocker-Song.

Stärken und Schwächen der Telekom
Schwäche1: Bereinigte Kennzahlen verzerren das BildWie fast kein anderes Unternehmen ist die Deutsche Telekom dafür bekannt, in ihren Zahlen ständig irgendwelche Sondereinflüsse auszuweisen. Berichtete und bereinigte Kennzahlen weichen regelmäßig meilenweit voneinander ab. Der Konzern hat zwar immer zahlreiche Begründungen für die Bereinigungen parat. Gleichwohl ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese die Berichterstattung komplexer und schwerer verständlich machen. Allein im Geschäftsjahr 2011 liegen berichtetes und bereinigtes Konzernergebnis 2,3 Milliarden Euro auseinander. Aufwendungen, die der Konzern als Sondereffekte deklarierte und somit auch bereinigte, waren unter anderem Ausgaben für den Konzernumbau wie etwa Personalmaßnahmen sowie Firmenwertabschreibungen auf die Tochtergesellschaften T-Mobile in den USA und OTE in Griechenland. Quelle: AP
Als positiven Sondereffekt bereinigte die Telekom die Ausgleichszahlung, die der Konzern vom US-Konkurrenten AT&T für das Platzen des T-Mobile USA-Deals erhielt. Zunächst sind alle diese Bereinigungen verständlich. Experten kritisieren aber, dass manche Sondereffekte seit Jahren auftreten - wie etwa die Aufwendungen für den Stellenabbau. Aus Konzernkreisen heißt es dazu, dass die Sondereffekte, die den Konzernumbau betreffen, in der Zukunft abnehmen werden. Einmaleffekte aus Unternehmenstransaktionen (M&A) will die Telekom aber weiterhin bereinigen, um sich innerhalb der Branche vergleichbar zu machen. Quelle: dapd
Schwäche 2: Schuldenberg drückt auf die BilanzEin Trostpflaster gibt es für die Telekom-Aktionäre. Die US-Tochter T-Mobile ist der Bonner Konzern im vergangenen Jahr zwar nicht losgeworden. Die Ausgleichszahlung für das Platzen des Deals von AT&T in Höhe von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro half dem Konzern aber an anderer Stelle: Die Telekom konnte ihre Nettofinanzschulden - also die Differenz aus Bruttofinanzschulden und Zahlungsmitteln - um 2,2 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent senken. Gleichwohl bleiben die Nettofinanzschulden mit 40,1 Milliarden Euro weiterhin hoch. Im Verhältnis zum Eigenkapital machen die Nettofinanzschulden 100 Prozent aus. Zudem betragen sie das 2,1-Fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Quelle: dapd
Damit bleibt die Telekom zwar innerhalb ihres eigenen Zielkorridors. Von den Ratingagenturen wird der Konzern aber - unter anderem wegen der hohen Verschuldung - nur mit BBB+ (S&P, Fitch) beziehungsweise Baa1 (Moody's) bewertet. Damit liegt die Telekom nur drei Stufen über Ramschniveau. Ratingagenturen ziehen bei ihrer Bonitätsbeurteilung auch die Pensionsverpflichtungen hinzu. In ihrer Bilanz weist die Telekom 6,1 Milliarden Euro an Rückstellungen für die Altersversorgung ihrer Mitarbeiter aus. Ihre Nettoschulden erhöhen sich aus Sicht der Ratingagenturen entsprechend. Der geplante Verkauf der Tochter T-Mobile USA an den US-Konkurrenten AT&T für 39 Milliarden Dollar hätte die Schulden auf einen Schlag reduziert. Nun, da der Deal geplatzt ist, muss der Bonner Konzern Alternativen finden. Quelle: dpa
Schwäche 3: Das Auslandsgeschäft bleibt mühevollUm das schrumpfende Geschäft im Heimatmarkt zu kompensieren, hat die Telekom in zahlreiche Auslandsmärkte investiert - mit gemischtem Erfolg. In den USA fällt es der Telekom-Tochter T-Mobile zunehmend schwer, mit starken nationalen Konkurrenten wie Verizon und AT&T zu konkurrieren. Der geplante Verkauf der Sparte an AT&T hatte daher Begeisterung bei den Investoren ausgelöst. Seit der Deal wegen kartellrechtlicher Bedenken der US-Behörden scheiterte, warten die Aktionäre auf eine Alternative von Konzernchef René Obermann. In Griechenland ist die Telekom mit 40 Prozent an OTE beteiligt. Neben der Schuldenkrise machen dem Konzern dort vor allem die immer strengere Regulierung und die höheren Steuern zu schaffen. Quelle: dpa
Die Telekom spielt daher auch schon die Konsequenzen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone durch. Es heißt, der Konzern sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die griechische Tochter OTE danach auch ohne Hilfen der deutschen Mutter überlebensfähig sei. OTE muss auch im Falle eines Währungswechsels und einer spürbaren Abwertung der Drachme die finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Denn noch laufen Kredite und Anleihen in Euro, der Kapitaldienst würde sich drastisch verteuern. Weil OTE mit dem Mobilfunk momentan gutes Geld verdient und sich vor allem im ersten Quartal positive Trends zeigten, könne die OTE ihre Finanzierung allein stemmen, so die Hoffnungen der Telekom. Quelle: dpa
Stärke 1: Anleger werden bei Laune gehaltenAls Wachstumswert kann die Telekom ihre Aktie den Investoren nicht verkaufen, dafür aber als Dividendenpapier. Bis einschließlich nächstes Jahr garantiert der Konzern die Ausschüttung sogar. Wie im Vorjahr sollen die Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr daher 70 Cent je Aktie erhalten. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von drei Milliarden Euro. Bei einem Konzernüberschuss von nur 557 Millionen Euro im Jahr 2011 erscheint der Betrag zunächst riesig. Doch da das Nettoergebnis durch zahlreiche Sondereinflüsse belastet ist, misst die Telekom ihre Ausschüttungsquote lieber am Free Cash-Flow. Das sind die freien Mittel, die nach Abzug der Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von den Zuflüssen aus dem operativen Geschäft noch übrig bleiben. Diese Relation liegt 2011 mit 43 Prozent unter dem Vorjahreswert von 59 Prozent. Quelle: dpa

Wäre es immer so wild bei der Telekom, dann hätte Obermann seinen bis 2017 laufenden Vertrag nicht vorzeitig gekündigt und sicher noch ein paar Jahre drangehängt. Bereits zwei Tage später lüftet er das bis dato streng gehütete Geheimnis, zu welchem Unternehmen der T-Chef am 1. Januar 2014 wechselt. Obermann wird Vorstandsvorsitzender beim niederländischen TV-Kabelnetzbetreiber Ziggo.

Wie Obermann das Vertrauen verspielt

Mit 2.500 Mitarbeitern und drei Millionen Fernsehkunden gehört die vergleichsweise kleine Firma zu den aufstrebenden Kabel-Anbietern, die den schwächelnden Telekom-Konzernen derzeit besonders viele Kunden im Geschäft mit superschnellen Internetanschlüssen abnehmen. Nach 15 Jahren bei der Deutschen Telekom hatte sich Obermann vorgenommen, sich wieder stärker um das operative Geschäft kümmern zu wollen - um Kunden, Technik und Produktentwicklung. Ziggo ist sicher klein genug, dass sich der Chef persönlich um alles kümmern muss.

Konsequente Entscheidung

Die Talfahrt der T-Aktie
Deutsche Telekom Quelle: dpa
Ron Sommer zeigt den Ausgabepreis der Telekom-Aktie Quelle: dpa
Die Strategie von Telekom-Chef Ron Sommer fußte auf der Aufspaltung des riesigen ehemaligen Staatskonzerns in vier Geschäftsfelder  (T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems). Ursprünglich sollte jede einzelne Gesellschaft an die Börse gehen. Letztlich gelang dies nur bei der Internet-Tochter T-Online, die ab dem 17. April 2000 an der Börse debütierte. Ausgegeben wurden die Aktien zum Stückpreis von 27 Euro, die Telekom nahm so 2,7 Milliarden Euro ein. Quelle: AP
Im Sommer 2000 ersteigerte die Mobilfunktochter T-Mobile UMTS-Lizenzen für einen Preis von umgerechnet 8,5 Milliarden Euro, die sich lange Jahre mangels entsprechender Kundennachfrage und Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung als relativ nutzlos erwiesen. Quelle: Reuters
Der Kurs der Telekom-Aktie von 2000 bis Anfang 2012
Im Mai 2001 kaufte die Telekom die US- Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für umgerechnet mehr als 39 Milliarden Euro einschließlich der übernommenen Schulden – was heftige Kritik an Konzernchef Ron Sommer hervorrief. Erst 2005 galt die mittlerweile in T-Mobile USA umbenannte Mobilfunksparte als rentabel. Quelle: AP
Anfang 2001 führte eine Wertberichtigung von Immobilienwerten um 2,2 Milliarden Euro in der Bilanz für 2000 zu einer Klagewelle von Privataktionären, die sich betrogen fühlten. Aufgedeckt hatte die allzu optimistische Bewertung der Telekom-Immobilien in der Bilanz das Anlegermagazin „Die Telebörse“ aus der Verlagsgruppe Handelsblatt. Quelle: dpa

Obermann ist gern dort, wo Wachstum zu organisieren ist. Insofern ist sein Schritt konsequent. Denn den Kabel-TV-Betreibern gehört die Zukunft. Ohne Milliardeninvestitionen in den Ausbau von Glasfasernetzen bietet Kabel-TV schon heute Spitzengeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr und ist damit den Telekom-Konzernen hoch überlegen. Hinzu kommt: Das Geschäft läuft auch ohne ständiges Lobbying mit Spitzenpolitikern in Brüssel und Berlin. Das Wohl und Wehe der Deutschen Telekom ist dagegen stark abhängig von Entscheidungen der Regierungen und ihrer Regulierungsbehörden. Als Chef von Ziggo kann Obermann erst mal all seine politischen Verbindungen kappen.

Die Schwachstellen der Telekom

Klar ist aber auch, dass Obermann nicht bis Jahresende Vorstandschef bei der Deutsche Telekom bleibt. Offiziell heißt es zwar, dass es keinen Grund für ein vorzeitiges Ausscheiden gebe. Formal ist das korrekt. Ziggo und die Deutsche Telekom sind in den Niederlanden keine direkten Konkurrenten, da T-Mobile nur im Mobilfunkgeschäft aktiv ist. Deshalb gebe es wenig Berührungspunkte und Obermann könne am Jahresende durchaus von einem Tag auf den anderen ohne Schamfrist wechseln, heißt es bei der Telekom. Doch de facto sind die Marktgrenzen zwischen Festnetz und Mobilfunk längst gefallen, da nur gut ausgebaute Glasfasernetze den explodierenden Datenverkehr auf den Smartphones und Tablett-PCs weitertransportieren können.

In Arbeit
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In der Telekom-Zentrale werden schon Wetten abgeschlossen, dass Höttges ein halbes Jahr früher, also am 1. Juni oder 1. Juli, das Zepter übernimmt. Obermanns letzter großer Auftritt wäre dann auf der Hauptversammlung am 16. Mai.  Danach könnte er sich auf das Motorrad setzen und ein halbes Jahr ganz wild durch Europa rasen.

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