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Neuer Tiefstand Facebook taumelt nach enttäuschenden Zahlen

Zehn Prozent fiel die Aktie des populärsten sozialen Netzwerkes nach dem ersten Quartalsbericht – auf einen neuen Tiefstand. Facebook gab einen Verlust bekannt. Doch das war nicht, was die Investoren beunruhigte.

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An der Börse abgestraft nach den ersten Quartalszahlen: Facebook. Quelle: dpa

San Francisco Kein eigenes Smartphone, keine Prognosen für das laufende Quartal, keine konkrete Antwort auf das Problem der fehlenden Mobil-Umsätze, dafür aber das Versprechen steigender Kosten durch höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Infrastruktur.

Die Wall Street zeigte sich weniger entsetzt vom aktuellen Quartalsbericht des Social-Networks Facebook als von den nebulösen Aussichten des Unternehmens, dass zeitweilig mit deutlich mehr als dem 50-fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet wurde.

Die Antwort folgte auf dem Fuß: mit 23,85 Dollar taumelte das Papier, das erst am 18. Mai zu 38 Dollar emittiert worden war, zeitweilig auf ein neues Rekordtief.

Für das zweite Quartal 2012 meldete Facebook CEO Mark Zuckerberg einen Umsatz von 1,18 Milliarden Dollar, ein Plus von 32 Prozent zum Vorjahreszeitraum und zwölf Prozent mehr als im 1. Quartal 2012. Analysten hatten im Schnitt 1,15 Milliarden Dollar (940 Millionen Euro) erwartet.

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    Die Wall Street zeigte sich jedoch nicht überzeugt, da zugleich ein Nettoverlust von 157 Millionen Dollar eingefahren wurde. Dies hauptsächlich deshalb, weil zum Börsengang die stattlichen Aktienpakete für Mitarbeiter im Wert von hunderten Millionen Dollar fällig geworden waren.

    So müssen sich die Aktionäre mit einem Minus von acht US-Cent pro Aktie begnügen, statt einem theoretischen Plus von zwölf Cents aus dem operativen Geschäft ohne die Mitarbeiter-Pakete.

    84 Prozent des Umsatzes stammt aus dem Werbegeschäft, der Rest überwiegend aus Zahlungstransaktionen mit dem hauseigenen Bezahlsystem Facebook Credits. Hier, bei der zweiten tragenden Umsatz-Säule, bahnen sich offenbar Wachstumsprobleme an: Die gemeldeten 192 Millionen Dollar liegen nur marginal über den 186 Millionen im Vorquartal.

    Alle Spielehersteller wie zum Beispiel Zynga, die am Vortag enttäuschende Zahlen vorgelegt hatten, sind gezwungen, dieses System zu verwenden, Facebook bekommt von jeder Transaktion 30 Prozent.

    Zynga hatte zum Beispiel einen kräftigen Rückgang der Verkäufe sogenannter „virtueller Güter“ gemeldet, was direkt auf den Facebook-Umsatz durchschlägt. Beim Börsengang wurde angekündigt, man wolle verstärkt den Verkauf von Apps oder Medieninhalten wie Musik, Bücher oder Filme über Facebook leiten, was bis heute aber nicht in nennenswertem Umfang erfolgt ist.


    Zahl der Nutzer steigt, Mobilzugriffe nehmen zu

    Die Zahl der Nutzer legte weiter um 29 Prozent auf rund 955 Millionen zu, allerdings wuchs die Zahl der Nutzer per Smartphones mit 67 Prozent auf 543 Millionen deutlich stärker.

    Damit gehen jetzt mehr Menschen mit einem Mobilgerät auf ihre Facebook-Präsenz als mit einem Desktop-Computer. Diese Masse der praktisch umsatzlosen Nutzer soll in Zukunft stärker mit sogenannten gesponserten Anzeigen beworben werden, die unauffällig unter die normalen Nachrichten der Facebook-Freunde gemischt werden sollen.

    Erste Tests seien erfolgreich verlaufen, so Zuckerberg im Analystengespräch, die Akzeptanz dieser Werbeform sei vielversprechend.

    Einem eigenen Facebook-Smartphone, wie erst am Mittwoch wieder von der Nachrichtenagentur Bloomberg spekuliert, erteilte der Facebook-Gründer eine Absage.

    Viel wichtiger sei es, auf den großen Plattformen wie Apples iOS und Googles Android „so tief wie möglich“ integriert zu sein. Diese Plattformen decken heute knapp 90 Prozent des Smartphone-Marktes ab. Daran arbeite man mit Hochdruck. Ein eigenes Telefon, so Zuckerberg, würde „wirklich keinen Sinn für uns machen.“

    Bei den operativen Kosten, also ohne die bereits erwähnten Kosten für die Mitarbeiteraktien, zeigt ein deutlicher Anstieg, dass mit Marketing und anderen Mitteln und Investitionen versucht wird, wieder mehr Wachstum zu generieren.

    Die operative Marge sank gegenüber dem Vorjahresquartal von 53 auf 43 Prozent. Ein erneuter Anstieg der Kosten ist bereits eingeplant, COO Sheryl Sandberg betonte in der Telefonkonferenz, dass man weiter „aggressiv in Infrastruktur und R&D [Forschung und Entwicklung]“ investieren werde.

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