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Neues Lumia Nokias Rezept für die nächste Smartphone-Attacke

Der einstige Marktführer am Handymarkt hat den Sprung zum Smartphone verschlafen. Mit der Lumia-Reihe will Nokia wieder aufholen. Dabei gefallen sich die Finnen gut in der Rolle des Angreifers.

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Bunte Aussichten - Der einstige Branchenprimus Nokia scheint auf dem richtigen Weg für die Zukunft zu sein Quelle: dpa

Nokias Hoffnung auf die Zukunft ist bunt. Mit den knallroten, gelben oder auch cyanfarbenen Smartphones der Reihe Lumia versuchen die Finnen seit vergangenem Herbst wieder den Anschluss an die Marktspitze zu bekommen. Mit ersten, kleinen Erfolgen, denn der kriselnde Handyhersteller hatte von Januar bis März zwar noch ein Minus von 271 Millionen Euro eingefahren, konnte seine Verluste aber im Vergleich zu 2012 um satte 70 Prozent zurückschrauben. Vor allem bei den Lumia-Geräten stiegen die Verkäufe massiv an. Im ersten Quartal 2013 wurden 5, 6 Millionen Lumias verkauft. Im Vorweihnachtsquartal waren es noch 4,4 Millionen Geräte gewesen.

Nun legt das Unternehmen bei dieser Reihe nach. Für Dienstagmorgen 11 Uhr hat Nokia in London zu einem Presse-Event eingeladen. „Die Lumia-Geschichte geht weiter“, heißt es auf der Einladung. Was genau aus der Erfolgsreihe vorgestellt wird, ist bisher nicht klar. Nokia schweigt, dafür brodelt die Gerüchteküche kräftig. Experten rechnen jedoch mit einem neuen Smartphone, ein Nachfolger des aktuellen Flaggschiffs Lumia 920.

Baut Nokia das bessere iPhone?

Die einen erwarten ein Model, das unter dem Namen „Catwalk“ bereits im Netz grassiert und angeblich über eine Aluminium- statt Kunststoffhülle haben soll. Andere glauben an ein „Eos“ – ein PureView-Modell mit einer 41-Megapixel-Kamera und großem 5,5-Zoll-Bildschirm. Die Gerüchte um ein mögliches Lumia 928 sind inzwischen gelüftet. Nokia selbst hat das Modell auf einer US-Webseite angekündigt – ohne jedoch sonderlich viele Details zu nennen. Einige Analysten glauben auch an ein kleineres Tablet, auch Phablet genannt - wie es Samsung erfolgreich mit der Galaxy-Note-Reihe vorgemacht hat. Dass Nokia an einem Tablet arbeitet, gilt inoffiziell als bekannt. Doch ob das Unternehmen wirklich schon so weit ist, muss bezweifelt werden. Echte Indizien gibt es dafür nicht. Vizechef Chris Weber sagte noch im Februar: „Es bringt uns nichts, ein bereits vorhandenes Gerät zu produzieren. Wenn wir so etwas machen, müsste es schon etwas Besonderes sein.“

Chaos an Mutmaßungen

Jede Berichterstattung rund um das Presseevent am Dienstag war im Vorfeld ein riesiges Chaos an Mutmaßungen. Gedient haben sie letztlich nur einem Zweck: Nokia hat viel Aufmerksamkeit bekommen. Wenn auch deutlich weniger als noch Samsung vor wenigen Wochen im Vorfeld der S4-Präsentationg (vom altbekannten Apple-Hype ganz zu schweigen) – aber immerhin, Nokia schreibt wieder positive Schlagzeilen und nicht nur die des verstaubten Absteigers, der den Touchscreen-Trend verschlafen hat und nun mit roten Zahlen kämpft.

Was auch immer aus der neuen Lumia-Reihe kommt, der Hoffnungsträger wird sich auf die drei Kernfelder stützen, die das Unternehmen gerade Mantra mäßig predigt: Design, Kamera und Ortungsdienste in Kombination mit Augmented Reality. Chris Weber sagte dazu: „Wir wollen das beste Kamera-Handy bauen, wir haben das drahtlose Aufladen und unser kostenloses Navigationssystem in unser Spitzenmodell integriert.“

Die Kamera ist Nokias Herzstück

Fotografieren in Zeiten des iPhones
Wie reagiert die Fotobranche auf den Trend zum Mobile Imaging, zum Fotografieren mit Smartphones und Tablets? Das ist eine der Kernfragen auf der Photokina in Köln. Wir zeigen einige Antworten. Quelle: dpa
Leistungsstarke Mini-Kameras wie die Pentax Q10 liegen voll im Trend. 10,2 Zentimeter breit, 5,8 Zentimeter hoch und 3,3 Zentimeter tief ist die laut Hersteller kleinste Systemkamera der Welt - bei gerade einmal180 Gramm Gewicht. Quelle: Presse
Noch winziger ist die Nikon Coolpix S01, die kleiner als eine Scheckkarte ausfällt. Quelle: Presse
Ein anderer Trend: Sofortbilder. Die „Instax mini 8“ von Fuji sieht auf den ersten Blick aus wie buntes Spielzeug, entpuppt sich aber als Sofortbildkamera, die Bilder im Sekundentakt ausspuckt. Quelle: rtr
Mit der Z2300 knüpft Polaroid an seine lange Tradition der Sofortbildkameras an. Quelle: Presse
Wer für seine Kamera den Preis eines Mittelklasseautos ausgeben möchte, ist mit der Leica S gut bedient. Die Mittelformat-Spiegelreflexkamera, die das Modell S2 ablösen soll, ist für stolze 19.000 Euro zu haben. Quelle: rtr
Nikon D600 Quelle: Presse

Der Fokus auf die Kameratechnik kommt nicht von irgendwo her. Der angeschlagene Mobilfunkkonzern hört wieder genauer hin, was die eigenen Kunden wollen. Eine interne Befragung unter 1000 Teilnehmern hat ergeben, dass 90 Prozent der Nokia-Kunden die Kamera besonders wichtig ist. Niemand will sich noch mit verwackelten oder schlechten Blitzbildern zufrieden geben. Heutzutage hat jeder eine Kamera in seinem Handy und hält damit die alltäglichsten Dinge fest – oder eben auch ganz besondere Momente. Die Ansprüche sind gewachsen. Hier setzen die Finnen an. Nokia-Mitarbeiter in Lund (Schweden) und Tampere (Finnland) forschen an eigenen Lösungen, um Fotos bei allen Lichtverhältnissen so gut wie möglich zu machen. Zudem punkten die Finnen seit fünf Jahren mit ihrer Kooperation mit Carl Zeiss. Das Feinmechanik-Unternehmen liefert Linsen und fertigt Modelle an, die genau an die Bedürfnisse des dünnen Smartphones angepasst sind. Auch die PureView-Technik mit einer 41-Megapixel-Kamera funktioniert dank eines Objektivs von Carl Zeiss. Vorgestellt wurde es erstmals auf dem Mobile World Congress in Barcelona 2012, damals noch im eher klobigen Nokia 808.

Für die PureView-Technik haben die Forscher einen Bildstabilisator entwickelt, bei dem die Linse so aufgehängt wurde, dass sie sich den Bewegungen des Fotografen anpasst und so Schwankungen ausgleicht. Schon die ersten Tests haben gezeigt, dass Nokia hier ein großer Wurf gelungen ist. 50 Prozent der Bilder sind auch unter extrem schlechten Bedingungen und Lichtverhältnissen mehr als zufriedenstellend. Sollten die Finnen hier weiter machen, könnte am Dienstag ein neues PureView-Modell ebenfalls mit 41-Megapixel-Kamera vorgestellt werden. Im Vergleich zum eher klobigen 808 stellt sich die Frage, ob es Nokia gelungen ist, die Kamera kleiner zu machen, damit sie die elegante Optik des Smartphones nicht zerstört.

Nokia muss nachlegen, denn die anderen Hersteller haben das Thema Fotografie ebenfalls für sich erkannt. Apple will Gerüchten zu Folge bei seinem iPhone-Nachfolger noch in diesem Jahr auf eine bessere Kamera-Technik setzen und auch HTC hat in seinem Flaggschiff One einen empfindlicheren Sensor eingebaut.

Der Neustart

Die Finnen geben sich alle Mühe, sich nicht noch weiter abhängen zu lassen. Zu tief sitzt noch der letzte Absturz. Der einstige Marktführer am Mobilfunkmarkt hatte sich binnen weniger Jahre von der Spitze verdrängen lassen. Apple hatte mit dem iPhone und dem Betriebssystem iOS den Markt revolutioniert, und Samsung war es mit Googles Betriebssystem Android gelungen den Amerikanern heftig Konkurrenz zu machen. Alle anderen Anbieter – von HTC über Sony, Motorola und auch Nokia ließen sie weit hinter sich. Wer in diesem Haifischbecken bestehen will muss mit erstklassigen Produkten punkten – und sich stets neu erfinden.

Wer den Markt der Smartphones regiert

Seit kurzem werden weltweit mehr Smartphones als Handys verkauft. Diese Entwicklung ist Nokia – wie auch Blackberry – nicht mitgegangen. Zu lange hielten die Nordlichter am Tastenprinzip fest und verschliefen so die Entwicklung hin zum Touchpad. Herumreißen soll das Ruder Stephen Elop. 2010 wurde er als erster Nicht-Finne Geschäftsführer des Unternehmens. Ein geht einen harten Weg. Das staubige Image muss weg, neue Geräte mit herausragenden Innovationen an den Markt gebracht werden und einstige Kunden neu überzeugt und alte gehalten werden. All das kostet eher, als dass es sofort Gewinne bringt. Im ersten Quartal 2011 schrieb Nokia noch 344 Millionen Euro Gewinn, ein Jahr später dann der radikale Absturz auf ein Minus von 928 Millionen Euro. Als Comeback wurde der Presse 2013 dann das Minus von 271 Millionen Euro verkauft.

Nokia muss nachjustieren

Das können die aktuellen Smartphones
LG G4LG Electronics hat am 28. April sein neues Flaggschiff G4 vorgestellt. Punkten wollen die Koreaner etwa mit einer innovativen Kamera, die 80 Prozent mehr Licht auf den Bildsensor leitet als beim Vorgänger-Modell. 16 Megapixel Auflösung und ein weiterentwickelter Bildstabilisator sollen für hochwertige Fotos sorgen. Für gute Selfies ist eine acht MP Frontkamera verbaut. Damit dafür auch genügend Speicherplatz zur Verfügung steht, kommt das LG 4 mit 32 GB internem Speicher daher, der durch eine MicroSD-Karte auf bis zu zwei Terabyte erweitert werden kann. Der Bildschirm ist 5,5 Zoll groß und soll deutlich heller und kontraststärker sein, als das Vorgängermodell, zudem bietet er laut LG eine bessere Farbtreue und Berührungsempfindlichkeit. Pluspunkt: Der Akku ist austauschbar, er bringt 3000 mAh Leistung. Als Prozessor ist ein 808 Snapdragon an Bord. Das Gerät wird in verschiedenen Materialien erhältlich sein: Es gibt eine Leder-Variante und eine Ceramic-Version (hier im Bild) jeweils in mehreren Farben. Ein Preis wurde noch nicht bekannt gegeben. Quelle: Presse
Sony Xperia Z4 Quelle: REUTERS
Huawei P8Ein neues Design und eine leistungsstarke Kamera - mit diesen Features kann das neue P8 von Huawei die Kritiker überzeigen. Es ist billiger als die Konkurrenz von Apple und verspricht in etwa die gleiche Leistung. Das Smartphone gibt es in Grau, Champagner, Weiß und Gold. Jedes zweite Smartphone in Deutschland ist aktuell ein Samsung-Gerät. Nur jedes vierte Smartphone in Deutschland ist derzeit ein iPhone. Geräte der Hersteller Sony, Nokia, HTC, LG und Huawei hingegen spielen unter deutschen Smartphone-Nutzern kaum eine Rolle. Quelle: Presse
Xiaomi Mi Notes Der chinesische Smartphonehersteller Xiaomi hat am 15. Januar die Oberklasse-Smartphones Mi Note und Mi Note Pro vorgestellt, die dem iPhone 6 in den USA Konkurrenz machen sollen. Das Display des Mi Note schlägt das iPhone 6 mit 5,7 Zoll zu 5,5 Zoll, der Bildschirm hat eine Pixeldichte von 386 ppi und ein LCD-Panel für einen höheren Kontrast. Die Kamera an der Rückseite verfügt über 13 Megapixel, die an der Vorderseite über vier Megapixel. Der interne Speicher fasst 16 GByte und lässt sich nicht per microSD-Karte erweitern. Der Preis liegt bei umgerechnet rund 319 Euro. o Das Mi Note Pro kostet 458 Euro, ist aber auch noch etwas besser ausgestattet: Die Pixeldichte beträgt 515 ppi, das Speichervolumen 64-GByte. Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy A7Samsung hat mit dem A7 ein superflaches und nur 141 Gramm schweres Smartphone in Alu-Gehäuse vorgestellt. Mit 6,3 Millimetern ist es noch dünner als das aktuelle iPhone 6 mit 6,9 Millimetern. Es sei eines der flachsten Samsung-Smartphones aller Zeiten, teilte der Hersteller in seinem Blog mit. Das Handy hat ein 5,5 Zoll großes Super Amoled Display. Als Betriebssystem ist Android KitKat (4.4) an Bord. Samsung verspricht mit acht leistungsstarken Prozessoren flüssiges Surfen und Nutzen von Apps, vor allem für den Austausch in den Sozialen Medien. Eine 5-Megapixel-Frontkamera sorgt für Selfies in ordentlicher Qualität, deutlich stärker ist die Kamera an der Rückseite mit 13 Megapixeln. Für bessere Selfies ist der "Auto Selfie"-Modus da, mit dem per Sprachbefehl oder einem Wink mit der Hand die Kamera ausgelöst werden kann. Ein 2600 mAh starker Akku soll für Ausdauer sorgen. Wie bei Samsung üblich, wurde sich über Preis und Marktstart noch ausgeschwiegen. Händler und IT-Portale vermuten, dass das Smartphone gegen Ende des ersten Quartals für um die 500 Euro in die Läden kommen wird. Quelle: Samsung
Samsung Galaxy Note 4 LTE-A Quelle: AP
Samsung Galaxy A5 und A3Samsung hat die neue A-Serie vorgestellt. Die Smartphones haben ein Metallgehäuse; beide sind mit einer 5-Megapixel-Frontkamera ausgerüstet, um gute Selfies machen zu können. Passend dazu ist die neueste Kamera-Software an Bord, die mit dem Galaxy Note 4 eingeführt wurde und verschiedene spezielle Selfie-Einstellungen ermöglicht. Das A5 (im Bild) ist das größere, es kommt einem 5-Zoll-Display, 2 GB Arbeitsspeicher, einer 13-Megapixel-Kamera an der Rückseite und einem 2300 mAh starken Akku in den Handel. Der kleine Bruder A3 ist die abgespeckte Version mit einem 4,5-Zoll-Display, 1 GB Arbeitsspeicher, 6-Megapixel-Rückkamera und einem nur 1900 mAh starken Akku. Beide Smartphones laufen auf Android KitKat (4.4) und bringen NFC und LTE mit. Preis: noch unbekannt. Ab November sollen die Smartphones in Weiß, Schwarz, Silber, Pink und Blau verfügbar sein. Quelle: Samsung

Denn obwohl Nokia mit der Lumia-Reihe kräftig zulegen konnte, gingen die Umsätze mit Billig-Telefonen zurück – ein wichtiges Standbein für das Unternehmen, um vor allem Geschäfte in Schwellenländern zu machen. Auch hier versucht das Unternehmen nun nachzujustieren. Das Unternehmen stellte erst am Ende der vergangenen Woche das Touchscreen-Telefon Asha 501 vor, das in Deutschland gerade einmal 99 Euro kosten soll. Nokia bezeichnet die Geräte der Asha-Serie selbst als Smartphones, große Marktforscher wie Gartner und IDC erkennen sie jedoch nicht als solche an, weil auf ihnen nur Web-Apps laufen können. Dass das Unternehmen auch weiter im Bereich der günstigeren Smartphones investieren würde, war abzusehen. Im Interview sagte Chris Weber: „Wir benötigen ein noch breiteres Sortiment mit Geräten in jeder Preisgruppe – von ganz preiswert bis hin zu unserem Flaggschiff, dem Lumia 920.“

Von vergangenem Ruhm

Unter all diesen Bedingungen ist bei Nokia eine neue Unternehmenskultur eingezogen. Zwar sonnt man sich auch heute noch gerne im Glanz vergangenen Ruhms, wenn auf die 40 Jahre lange Tradition des Mobilfunks zurückgeblickt wird. „Unter den Top-Zwanzig verkauften Geräten ist Nokia zwölf Mal vertreten“, sagte Deutschland-Chef Sebastian Ulrich erst kürzlich in einem Vortrag vor Duisburger Studenten. Doch dass die richtig erfolgreichen Zeiten vorbei sind, musste man schmerzlich lernen. Tausende Mitarbeiter haben ihren Job bereits verloren. Insgesamt sollen es etwa 10.000 werden. Andere mussten Kürzungen hinnehmen. Auch Stephen Elop selbst. 2012 verdiente er mit 4,33 Millionen Euro nur gut halb so viel wie im Vorjahr. Sein Grundgehalt erhöhte sich zwar um rund fünf Prozent auf 1,08 Millionen Euro. Allerdings gingen Aktienoptionen zurück und Elop erhielt keinen Bonus. Der Nokia-Aktienkurs fiel im vergangenen Jahr um 22 Prozent.

Nokia und Motorola versuchen ihr Comeback

Vom Marktführer ist Nokia zum Angreifer geworden – eine Rolle, in der die Finnen sich trotz allem zu gefallen scheinen. Nie waren die Finnen frecher. Und das nicht nur mit ihren knalligen bunten Lumia-Geräten, die neben den grauen und weißen Smartphones der Konkurrenz massiv herausstechen. Seitdem Nokia bunt ist, bietet auch die Konkurrenz knalligere Farben an. Und nicht nur das. Die einstige Zurückhaltung der bescheidenen Nordlichter ist Geschichte. Nun ist peppiges Marketing angesagt.

Zum ersten April etwa publizierte das Unternehmen auf seinem Blog eine Scherz-Meldung von einer Nokia-Mikrowelle, der Nokia 5AM-TH1N6 Constellation im Design der Windows Phone-Kacheloptik. Kräftig ironisch bekam in dieser Meldung Samsung sein Fett weg. Mit der Mikrowelle nahm Nokia die neue Gestensteuerung der Südkoreaner auf die Schippe. „Was das Samsung Galaxy S4 nicht kann: Das Essen hört auf sich zu drehen, wenn Sie es anschauen, und die Temperatur passt sich an – je nachdem wie hungrig sie sind.“ Mit über 6000 Facebook-Likes und über 1600 Tweets wurde der Seitenhieb honoriert.

Nokia tritt mit der Aktion gegen die neuesten Samsung-Innovationen, die von den Produkttestern mit unterschiedlichen Reaktionen aufgenommen werden. Die einen sehen in dem verstärkten Einsatz von Gestensteuerung eine echte Innovation, andere empfinden die Reaktion von Texten und Videos auf Augenbewegungen als Spielerei. Es ist auf jeden Fall ein Bereich, in dem Samsung einen riesigen Vorsprung hat.

Augmented Reality

Diese Apps erweitern Ihre Realität
Wikitude World Browser (Android)Der Wikitude World Browser gibt jede Menge Hilfestellung für die Umgebung - vom Museum bis zum Bummel durch die Straßen fremder Städte. Beim Scannen der Umgebung erhält der Nutzer Informationen zu allen Sehenswürdigkeiten, die sich vor der Kameralinse befinden. So lassen sich beispielsweise auch interessante Orte finden und erklären, die der Reisende eventuell gar nicht auf der Liste hatte. Zusätzlich bietet die App eine Standortsuche, mit der sich Pizzerien, Cafés und Bars in der Umgebung aufspüren lassen. Acrossair AR Browser (iOS)Acrossair ist besonders vielseitig. Hält man sein iPhone horizontal, zeigt es den aktuellen Standort auf einer Karte an. Danach kann der User entscheiden, welche Informationen er angezeigt bekommen möchte. Wahlweise werden Kinos oder Hotels und Restaurants in der Umgebung eingeblendet. Außerdem lassen sich Wikipedia-Einträge zu bestimmten Orten anzeigen oder lokale Twitter-Nachrichten aufrufen. Mit einem digitalen Pin lässt sich der Standort speichern - zum Beispiel falls man sich das Café merken möchte, vor dem man steht. Sobald der Weg weiter geht, werden Informationen rechts und links des Weges in Form halbdurchsichtiger Ballons eingeblendet. Quelle: dpa
SnapShot Showroom (iOS)Neue Möbel für die Wohnung suchen, macht mit dieser App richtig Spaß. Denn Snapshop ermöglicht es, die neuen Möbel in der Wohnung anzusehen, ohne die vorhandenen Möbel dafür extra auszuräumen. Dafür muss der Nutzer nur ein Bild von einem Möbelstück aus einem großen Katalog der angesagtesten Marken auswählen und beim iPhone die Livekamera aktivieren. Jetzt lässt sich die Größe der Möbelteile verändern und Sofa, Tisch und Stühle auf dem Bildschirm verschieben. Auch Farbe und Muster lassen sich verändern. Über die App lassen sich die gewünschten Möbel auch direkt bestellen. Quelle: dpa
Golfscape GPS Rangefinder (iOS)Im Wettbewerb ist diese App sicher nicht erlaubt. Für Freizeitsportler kann sie eine große Hilfe sein. Der Golfscape Rangefinder zeigt den Standort auf dem Golfplatz an. Außerdem kann der Nutzer den gewünschten Landeplatz des Balles angeben. Die App berechnet dann den idealen Weg zum Ziel Insgesamt sind über 35.000 Golfplätze weltweit in der Anwendung hinterlegt. Quelle: AP
Star Chart (iOS und Android)Beim Blick in den Himmel wäre manch Sternengucker gerne schlauer. Wer wissen will, welchen Stern er gerade anschaut, sollte sich die App Star Chart anschaffen. Einfach die Kamera gen Sternenhimmel richten und den gewünschten Stern antippen. Neben dem Namen gibt die App auch an, wie weit der Stern entfernt und wie hell das Exemplar ist. Quelle: dpa
Theodolite (iOS)Diese App ist ein Muss für Wanderer und Aktivsportler. Sie enthält einen Kompass, GPS-Werkzeug, eine Zoom-Kamera, einen Abstandsfinder und eine Zweiachsenneigungs-Anzeige und ist ein elektronischer Ansichtsfinder. Für Nutzer, die noch mehr wollen, bietet die App zusätzlich eine Taschenrechnerfunktion mit der Höhen, Entfernungen und Zielpositionen bestimmt werden können. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Peaks (iOS)Peaks ist eine praktische AR-App für alle, die im Gebirge unterwegs sind. Einfach mit der Kamera des iPhone auf den Berg zeigen. Die App verrät dann die Höhe bis zum Gipfel und wie weit er entfernt liegt. Die Infos werden auch automatisch zu Fotos vom Berg hinzugefügt. Quelle: dpa
AR Basketball (iOS)Die macht das digitale Basketball-Erlebnis überall möglich. Einfach eine Paper-Markierung auf einen Tisch legen und die Kamera des iPhones auf den Marker richten. Auf dem iPhone wird das Papier als Basketballring zu sehen sein. Ein digitaler Ball lässt sich dann mit einer Wischbewegung über den Bildschirm werfen. Quelle: REUTERS

Nokia entwickelt nach eigenen Angaben nicht in diese Richtung. Der Schwerpunkt ist und bleibt die Kameratechnik sowie ortsbezogenen Dienste – also Augmented Reality mit Hilfe der Nokia-App Here. Auf einer Karte werden Geschäfte, Cafés, Restaurants und Co in der Umgebung angezeigt. Das Ganze funktioniert auch, indem einfach die Kamera des Telefons auf eine Straße gerichtet wird. City Lens nennt Nokia diesen Dienst. Hier hat sich für das Unternehmen der Kauf des Kartendatenproviders Navteq 2008 bezahlt gemacht, der die Basis für diese Dienste ist. Über Here hinaus sind Nokia-Karten inzwischen in vier von fünf festeingebauten Navigationssystemen eingebaut. Etwa 600 Mitarbeiter arbeiten von Berlin aus an diesem Projekt.

Insgesamt scheint Nokia also auf einem guten Weg. Dennoch hat das Unternehmen einen großen Nachteil gegenüber den großen Konkurrenten. Nokia arbeitet mit Microsoft zusammen und nutzt das Betriebssystem Windows Phone. Hierfür gibt es noch deutlich weniger Apps als bei Googles Android oder Apples iOS. Aktuell sind es 135.000 Applikationen. Erst vor kurzem sind Tumblr, Facebook, You-Tube und andere dazu gekommen. Die Foto-App Instagram ist nicht erhältlich.

Weil iOS das erste System war, dass sich beim Endkunden durchgesetzt hat, ist es unter den App-Entwicklern am verbreitetsten. Entsprechend häufig werden neue Produkte zunächst für diese Plattform entwickelt. Dann kommt Android, das inzwischen die meisten Smartphone-User weltweit nutzen. Erst dann rückt Windows Phone in den Fokus der Entwickler.

Die Krux mit dem richtigen Betriebssystem

Dass Nokia sich nicht auf eine Kooperation mit Google eingelassen hat, macht dennoch Sinn. Derzeit scheint nur ein Hersteller wirklich Einfluss auf Android nehmen zu können – und das ist Samsung. HTC, Sony, Motorola und Co können das Betriebssystem nur mit technischen Einschränkungen nutzen. Hier wollte Nokia sich nicht einreihen. Bei Windows Phone ist Nokia gegenüber Microsoft in einer guten Position. Die beiden Nachzügler wollen gemeinsam aufholen und wieder Boden am Markt gut machen. Eine eigene Plattform hatten die Finnen schon lange ausgeschlossen. Chris Weber sagte dazu: „Entwicklung dieser Systeme Milliarden Dollar verschlingt. Man muss eine Plattform entwickeln, die auf Smartphones, Tablets und Computern läuft. Es wird sehr schwer werden, neben Android, iOS und Windows ein weiteres System zu etablieren.“ Gepuscht wird Windows Phone von den Mobilfunkanbietern, die gerne viele Spieler am Markt haben, statt sich von einem Großen, Vorgaben diktieren zu lassen.

In Arbeit
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Kameras, ortsbezogene Dienste, ein neues Marketing und das Windows Phone – diese Mischung soll also das neue Erfolgs-Rezept von Nokia werden. Ob die Pläne von Stephen Elop und seinem Team am Ende aufgehen, bleibt abzuwarten. Denn noch ist nicht einmal das Ende der Umbauphase im Unternehmen erreicht – auch wenn diese ursprünglich nur zwei Jahre dauern sollte. Die schwierigen Zeiten sind noch lange nicht vorbei. Auch das Plus von 27 Prozent bei Verkauf der Lumias ist zwar positiv, doch stehen die Finnen immer noch einer gigantischen Marktdominanz von Apple und Samsung gegenüber.

Experten gehen davon aus, dass der US-Konzern zu Jahresbeginn 2013 knapp 37 Millionen iPhones verkauft hat und der südkoreanische Branchenprimus sogar über 61 Millionen Smartphones.

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