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Neues Tablet Apple geht mit neuem iPad auf Schülerfang

Apple-Chef Tim Cook stellte bei einer Veranstaltung in einer High School in Chicago ein neues iPad-Modell vor.

Mit einem neuen Tablet will Apple den Erziehungsmarkt zurückerobern. Doch Google und Microsoft haben die Messlatte dort hochgelegt.

Das war Tim Cook einen seltenen Ausflug nach Chicago wert: Weit entfernt vom Heimatstaat Kalifornien und dem Apple-süchtigen Silicon Valley zeigte der Vorstandschef von Apple eine neue Generation von Tablets und Schulsoftware.

Cook versucht mit dem massiven Aufgebot Schwachstellen wettzumachen, die zuletzt zu schweren Marktanteilsverlusten geführt hatten. War das iPad nach seinem Erscheinen schnell die von Schülern und Lehrern heißgeliebte Wunderwaffe in der Digitalisierung des Unterrichts, liegen die alten Apple-Tablets heute unbeachtet in der Restekiste.

Im US-Schulmarkt, einst vollständig im Besitz von iPads, dominieren heute laut Future Source zu 60 Prozent preisgünstige Laptops mit Googles Betriebssystem Chrome, die mit Touch-Bildschirm, Tastatur, Googles Schulsoftware und zahlreichen Anschlüssen wie USB oder SD-Card schon ab 250 Dollar zu bekommen sind.

Unternehmenskennzahlen FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google)

In den USA bleibt der Einstiegspreis des neuen iPads offenbar unverändert bei 329 Dollar (Deutschland: 349 Euro), es gibt darauf dann einen Schulrabatt von 30 Dollar. Eine Tastatur oder der hochgelobte Stift Apple Pencil schlagen allerdings noch einmal gesondert zu Buche. Der Stift kostet 99 Dollar (Europa: 99 Euro beziehungsweise 89,25 Euro für deutsche Bildungseinrichtungen). Ein Apple-Schutzcover pro Gerät kommt nochmal auf 45 Euro. Ein Chromebook hingegen wird einfach zugeklappt. Das sind enorme Summen für öffentliche Schulen, die unter der neuen Regierung von Donald Trump mit noch weniger Mitteln auskommen müssen als ohnehin schon.

Technisch ist die in Chicago vorgestellte Hardware mit Apples A-10-Prozessor auf der Höhe der Zeit. Der hochauflösende Bildschirm unterstützt jetzt die Stiftsteuerung. Optisch herrscht beim iPad weiterhin gepflegte Langeweile. Während die Smartphones aus Cupertino und anderswo immer dünnere Rahmen bekommen oder die Front völlig aus Glas ist, dominieren das jüngste Tablet wuchtige Ränder.

Markt für Bildungseinrichtungen ist von existenzieller Bedeutung

Auch den nostalgischen Home Button gibt es noch. Erste Schnelltests monieren zudem das Fehlen einer Gesichtserkennung, um das Gerät zu entsperren. Gerade die wäre aber sinnvoll bei einem Gerät, das sich mehrere Schüler teilen können. Denn das ist jetzt erstmals möglich. Bislang waren iPads immer fest mit einer Apple-ID verknüpft, standen also nur jeweils genau einem Schüler zur Verfügung.

In Schulen wie der Garfield-Grundschule in Oakland greifen sich die Schüler aber seit jeher morgens einfach ein beliebiges Chromebook aus dem Rollwagen und melden sich an. Das spart erhebliche Kosten und erleichtert das Gerätemanagement und die Ersatzbeschaffung. Das will Apple nun auch. Auf Schul-iPads ist nun das Anmelden mit mehreren Apple-IDs erlaubt. Auch der sonst übliche und lächerlich kleine iCloud-Speicherplatz von fünf Gigabyte (GB) wird, nur für Schulen, auf 200 GB aufgebohrt. Privatkäufer des teureren Standardmodells müssen weiter mit dem Minispeicher leben oder monatlich für mehr Speicher zahlen.

Größte Veränderungen auf der Softwareseite haben offenbar die Produktivitäts-Apps Pages und Numbers erfahren, die mehr Bedienungsfreundlichkeit für Stifte bieten.

In dem Hörsaal der Hochschule in Chicago zeigte Apple-CEO Tim Cook außerdem eine Palette von überarbeiteten und neuen Apps für Lehrer, um Lehrpläne sowie Geräte zu verwalten, Aufgaben digital an die Schüler auszuliefern und deren Lernfortschritte zu überwachen. Die Rückeroberung des in den USA „K-12“ genannten Marktes für Grund- und Mittelschulen sowie die weiterführenden Highschools ist von existenzieller Bedeutung für Apple, Microsoft und Google. Es geht nicht nur um Millionen von Geräten pro Jahr. Es geht vor allem um die Loyalität der künftigen Nutzergenerationen, die irgendwann in die Unternehmen oder Forschungsinstitute strömen.

Microsoft buhlt ebenfalls mit Laptops zwischen 200 und 300 Dollar sowie Windows 10s um die Klassenräume. Der Konzern bietet zudem Brillen für virtuelle Realität im Unterricht. Apple betonte am Dienstag die Leistungsfähigkeit des iPads für Augmented Reality. Dabei wird ein „echtes“ Bild mit digitalen Zusatzelementen angereichert.

Microsoft investiert ebenfalls in diesen Bereich: Erst im Januar präsentierte der Konzern auf einem Kongress in London neue Schullaptops ab 190 Dollar und kündigte Partnerschaften mit BBC, Lego, Nasa, PBS (öffentliches Fernsehen in den USA) und dem Pearson-Verlag an. Mit den Partnern sollen „Mixed Reality“-Unterrichtseinheiten und Videoinhalte produziert werden. Absoluter Renner bei den Kindern ist allerdings immer noch das Klötzchenspiel „Minecraft“ in der Schulversion.

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